Interview mit Janina Zais

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Ihre Lieblingsleinwand: raspelkurz rasierte Köpfe. Ihr Werkzeug: Pinsel und Haarfärbemittel. Janina Zais. Ihre Mission: Die radikale Fusion von Art & Hair & Make-up. Sie arbeitete unter anderem mit dem Meme-Künstler Tom Galle und den sexy Boys von Sucuk & Bratwurst zusammen.

Wir finden ihre Arbeit so innovativ, dass wir ihr unbedingt ein paar Fragen stellen mussten. Im Interview erzählt Janina wie sie zu ihrer ‚Hairart‘ kam, welchen Einfluss die Meme-Culture auf ihre Arbeit hat und spricht über neue Projekte und politische Statements:

 

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THE POLITICAL COMPASS by. @sucukundbratwurst • @tomgalle • @ushanush hair by me 🍬

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Wie kann ich mir deine erste Berührung mit dem Feld des experimentellen Hair- und Make-up vorstellen – weg vom klassischem Styling? Lief das nach Trial & Error Prinzip? Und wer waren deine ersten Versuchsobjekte?

Ich bin schon sehr früh mit der bunten Welt des Theaters und Ballett in Berührung gekommen. Mir war früh klar, dass ich mich in der kreativen Welt zuhause fühle.  Mein Vater ist Künstler, in meiner Familie hat Kreativität, Kunst und Musik schon immer eine große Rolle gespielt. Ich hab schon immer gemalt und musste meine Kreativität zum Ausdruck bringen – egal auf welchem Weg!

Ich mach den Job als Hair and Make-up Artist jetzt 10 Jahre Fulltime und war schon sehr lange extrem gelangweilt von dem ganzen Einheitsbrei, den man da so macht, außerdem habe ich in Hamburg gelebt, eine Stadt, die hart spießig ist, was mich kreativ gekillt hat, ich war schon kurz davor alles hinzuschmeißen um Kunst zu studieren, doch durch eine glückliche Fügung bin ich in Berlin gelandet. Eine Künstlerfreundin hat mir dann über Instagram eine Story von Tom Galle geschickt, der ein Make-up Artist für ein Projekt suchte, ich hab ihm geschrieben, wir haben uns direkt connected, getroffen und gemeinsam an Ideen gearbeitet, die er gerne umsetzen wollte!

Mein erstes „Versuchsobjekt“ war Tom‘s damalige Freundin an der wir das „WARRIOR“ Facepainting gemacht haben! Danach hat mich Tom mit den Jungs von Sucuk & Bratwurst bekannt gemacht und ich hab Dennis und Allessandro, zwei der Boys, den „Political Compass“ auf deren Köpfe gefärbt / gemalt, danach hatten sie noch weitere Ideen, den „Alien Head“ und den „Insta Haken“, danach wollte ich nicht mehr angewiesen sein auf deren Ideen und hatte Bock meine eigenen Sachen umzusetzen. Ich habe durch einen Job eine Tänzerin (Nina Burkhard) kennengelernt, die sich die Haare abrasiert hat, sie fragte mich, ob ich nicht Bock hätte ein paar Sachen an ihr auszuprobieren, so kam es, dass wir uns mehrmals getroffen haben und einfach Sachen gemacht haben, auf die wir Bock hatten. Auf die Fotos, die sie auf Instagram veröffentlichte, bekam sie viele Reaktionen. Wir waren geschockt, dass das so krass durch die Decke ging! Danach hat mich Sacha (sachakra) aus Marseille angeschrieben, ob ich ihm nicht was Geiles auf den Kopf färben könnte, gesagt, getan, er war zufällig auch Künstler und Balenciaga Model, nachdem er bei mir war ging er auf ne Party, wo er mehrfach fotografiert worden ist. Unter anderem auch von der i-D Germany und so hat alles seinen Lauf genommen!

Mich interessiert: Wie kam es zu der Idee Hair-Styling und Make-Up konsequent zu fusionieren? Beides als eine Leinwand für kreative Ideen wahrzunehmen.

Ich hatte schon immer Probleme mich nur auf eine Sache festzulegen: Weil ich malen liebe und weder die Tätigkeitsfelder Hair- noch Make-up, wie wir sie kennen dafür gesorgt haben, dass ich mich als Künstlerin wirklich ausleben konnte, kam ich zu der Fusion. Die glückliche Fügung hat mit Tom mir die Augen geöffnet, so erschuf ich mir ein neues Medium, indem ich mich auslebe.

Deine Arbeiten erreichen durch Fotos und Videos auf Instagram sowie durch echte Menschen im Straßenbild die Öffentlichkeit – das Gesicht, das Haar – wird so zum Medium: Versuchst du das – zu mind. partiell – für Botschaften zu nutzen? 

Also ich denke der Trend ist absolut da bestimmte Botschaften nach draußen zu tragen, doch noch sind die Sachen, die ich gemacht habe eher plakativ und ohne tiefere Bedeutung wie Tribals oder Flames, aber mein Wunsch ist es schon länger dem Ganzen eine tiefere Bedeutung zu geben, ich arbeite gerade sehr intensiv mit Mateusz von Motz zusammen, der auch Künstler ist und unter anderem bei Juergen Teller studiert hat, an einem persönlichen Projekt, wo wir in dem Hotel seiner Eltern in Polen auf Usedom, wo er es sich nach dem Tod seines Vaters zur Aufgabe gemacht hat ein Kunstprojekt umzusetzen – einen neuen Raum für Kreative  und Künstler zu schaffen! Das ganze Projekt läuft unter dem Namen „Sad Artist Club“ und wir inszenieren an und mit den Hotel Gästen verschiedene „Hairart“ Styles und stecken sie in Klamotten, die sein Vater über 30 Jahre gesammelt hat. Am Ende wird daraus ein Kunstbuch. Es öffnet nochmal eine ganz neue Perspektive sich kreativ zu entfalten und über einen längeren Zeitraum an etwas Großem zusammenzuarbeiten.

Inwiefern hat dich die Meme-Culture bei deinem Style beeinflusst?

Bis jetzt is der einzige Meme-Einfluss Tom Galle und die Sucuk & Bratwurst Boys. Haha! Sonst eher nicht!

Oder inwiefern siehst du deine eigenen Kreationen sogar als eine Art des Memes an? (Wenig Platz, die Aussage muss sitzen…)

Ich bekomme durch diese Frage lustigerweise eine neue Idee das ganze Thema mal aufzugreifen und meine persönlichen Memes auf Köpfe zu bringen.

 

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💸 @tomgalle @ilonadesmet #consumerfriendly #tb #makeup

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So jetzt ist Vorstellungskraft gefragt: Wie glaubst du würde dein Hair & Make-Up heute ohne den Einfluss des Internets aussehen? Gibt es auch Kulturen aus der Prä-Internet-Zeit, die deinen heutigen Stil beeinflussen?

Also mich hat schon immer die Zeit der 50er – 80er  sehr geprägt, zum Beispiel auch ganz stark David Bowie oder das LA der 70er  … oder der Zirkus und das Theater oder die Las Vegas Ästhetik der Tänzerinnen damals, genauso die alten Hollywood Diven der end 50er und 60er wie Brigitte Bardot oder Studio 54! Mich haben schon immer die Freaks  und Kreativen begeistert und inspiriert, Normalität langweilt mich in meinem privaten Leben wie auch in meiner Arbeit!

Die Hippies versuchten sich durch ihre langen Haare von der Elterngeneration abzugrenzen. Die Punks durch ihre Iros von der Obrigkeit. Glaubst du, dass Frisuren heute noch so eine Power haben können? Ein Statement gegen Konventionen? 

Definitiv, der Trend geht wieder ganz klar dahin sich von der Norm abzugrenzen und vielleicht auch immer mehr auch politische oder anderweitige Statements zu setzen!

Meine abschließende Frage: Wie viel Freiheit hast du bei Fotoshootings, beispielsweise für ein Magazin Cover? Wie viel kannst du von dir und deinen Ideen einbringen und bis zu welchem Grad musst du dich an die Vorgaben halten?

Mittlerweile werd ich überwiegend für meinen Style gebucht und natürlich für meine Qualität schnell und präzise zu arbeiten und das um zusetzen was die Kunden wollen. Ich arbeite natürlich nicht nur mit crazy Farben!

 

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🖤 #hairart for @tomblesch

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🔥HAIRART for FRANK pics and story by. amazing @vonmotz ♥️ 👉🏻 Hotel Project to be frank. Here is the story: My dad was a very intelligent guy but there was a small problem, he was autistic. For the last 25 Years he was collecting things, objects, crystals, occult and consciousness enhancing teachings from all over the world and stored them in his hotel. It was like a mission for him, he was researching these things his whole life. For instance, he designed machines to cleanse the surrounding energy or imported eight tons of crystals from the Himalayas to create a unique energy spot for our guests. Twenty years ago he was already inviting Gurus all the way from India whereas nobody in Poland even thought about higher consciousnesses, yoga or differing spiritual paths other than preached by the Catholic Church. Overnight my father died and my mom had a stroke. So I moved, with my own diagnosis of autism, back to Poland almost seven months ago. I moved back to help out dealing with this situation and to take care of the family business. The business was, and is, an hotel situated in an old villa on the island of Usedom opened in the 1910s. In my childhood days I was always an hotel boy there, helping out wherever I could. Owing to the family circumstances, I got promoted to be the hotelier – „Prezes“ as they would say in polish. Now I started to document all the things in the hotel – scanning things, take photographs, packing stuff and rearranging it – the full process of documentation. But not just the objects. Also the hotel rooms and even my guests. One of the first people I met after moving back was Frank. At the end of August, 29th, I jumped into my car and drove like crazy around the island to find a place for a new studio. Then I found him. I found the space I needed and we became friends. When I told him about my new home – the hotel project – he immediately booked a Room to be part of it. thank you Frank.

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Category: #dandydiaryspace

Tags: Hairart, Janina Zais, Sucuk & Bratwurst

Von: Lea Becker

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