Interview mit Eric Winkler (EEE TEE)

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Foto: Nils Müller

Kurz nach meiner Anfrage treffe ich Eric, Jahrgang 1980, Urberliner, Performance-Künstler, Vater. Aktuell betreibt er den Online-Shop EEE TEE, in dem er seine Kunst in Form von selbstgestalteten Shirts, teilweise in Kooperation mit Künstler-Freunden, anbietet.

Verabredet sind wir in einem kleinen Café nahe dem Görlitzer Bahnhof, finden es dann beide doch etwas zu langweilig und beschließen nach einem anderem Ausschau zu halten. Gemeinsam stiefeln wir also durch den verregneten Wrangelkiez, dessen herbstliche Tristesse von Erics gelbem Regenschirm visuell aufgeheitert wird. Wir kommen ins Gespräch; nebenbei erzählt er mir, er habe bis vor kurzem selbst noch hier gelebt, im Kiez der irgendwo zwischen Junkie und Hipster fluktuiert und damit ein interessantes Abbild der sozialen Schere innerhalb Berlins bietet. Letztlich finden wir leider doch nichts anderes, schade, und setzen uns doch in unseren ursprünglichen Treffpunkt – immerhin konnten wir uns schon mal kennenlernen.

Juliana Huxtable; Foto: Vitali Gelwich

Wir sprechen über seinen Werdegang. Nach dem Abschluss seines Studiums brauchte er erstmal Zeit, sich von der Bürokratie im Künstler-Gewerbe frei zu machen und zu generieren, was er als „Kreativ-Sicherheit“ beschreibt. Das institutionelle Bildungssystem habe ihn darauf getrimmt, sich auf eine stagnierte professionelle Außenwirkung zu konzentrieren. Konkret hieße das: eine professionelle Website, Zuarbeitung von potenziellen Ausstellern, Bewerbung auf finanzielle Mittel. Schnell habe er dabei gemerkt, dass er sich im Einheitsbrei verliere, ein System unterstützt, das eine identische Vermarktung von Künstlern fordert und begünstigt, dabei den eigenen Charakter aber gänzlich abstreift.

„Ich fand den Gedanken cool, sich zu fragen: Wie kann ich der Welt dienen, nicht die Welt mir?“

2019, Lampe, 'untitled', "Sweet Bath Couture" in der Nacktkantine, Berlin

2019, "Eee Tee Marzahn", fliegender Straßenstand, Foto: Eric

Schnell entstand daher ein Wandel zurück zu einer eigenen Form der Ausstellungsplattform mit dem Gedanken: Was braucht mein Umfeld? Welche Themen sind für mein Umfeld von Bedeutung? Wie kann ich letztlich damit aber auch ökonomischen Gewinn machen?

Die Idee, in den Bereich der Mode einzusteigen, war dabei sehr naheliegend für ihn. In den 90ern dem Punk verschrieben, hatte er bereits Erfahrung insbesondere in der Arbeit mit Bleiche, zu der er nun wieder zurückfand.

„Kunst definiert sich für mich daraus, wofür man als Künstler einsteht, seinem Auftreten, was man sagt und wie man mit Menschen umgeht; mit dem was man materialisiert und kreiert. Das bildet den Körper, der die Kunst ausmacht.“

2017, Robben & Winkler, catwalk performance, Galerie im Turm, Foto: Stefan Hähnel

Eine Melange von Kunst und Fashion fand dann in seiner Einzelausstellung statt. Hierfür mietete Eric Laster des legendären Berliner Auto-Verleihs „Robben & Wientjes“, deren Ladefläche auf ein gleiches Level gehoben wurden und so einen Catwalk für seine Models in gebleichten Jeans-Capes improvisierten. Hieraus entstand für ihn die Idee eines ersten Labels: Robben & Winkler. Dieses stellt für ihn, so erzählt er mir, nämlich seit jeher ein Wahrzeichen von Berlin dar. Ein Wahrzeichen, in dem sich der Schmelzigel Berlin manifestiert. Nicht-Exklusiv, nicht lokal. Egal welche Herkunft, welche Orientierung oder welches Wohlstandsniveau – alles trifft sich bei Robben & Wientjes. Für ihn sei das Unternehmen ein Garant für Mobilität, die sonst niemand eingeräumt habe, insbesondere in den 80ern. Somit wollte er Robben & Wientjes mit seiner Performance ein Zeichen setzen.

„Du hast nicht nur ne Skulptur gemacht, die für sich selbst wirkt, sondern gibst einen kleinen Gedanken weg, der darauf verweist, für was du als Künstler einstehst.“

2017, Robben&Winkler, Schuh Edition, Foto: Eric

2017, Robben&Winkler, Schuh Edition, Foto: Eric

Durch seinen Wunsch, mehr über die Fashion-Industrie zu lernen macht er sich schließlich auf eine Reise nach Belgrad, um den Produktionsweg damalig produzierter Caps nachzuzeichnen. Hier lernt er einen lokalen Schumacher kennen und nach kurzer Zeit entsteht der Prototyp eines Schuhs. Dafür fertigte der Schuhmacher einen Lederschuh an, der anschließend mit Erics gebleichtem Jeansstoff überzogen wurde. Für knapp zwei Jahre gab Eric seine Schuhe als offene Edition heraus, jedoch niemals bei Retailern, wie er betont. Das hätte letztlich den Preis zerstört. Wichtig war ihm hierbei ein partnerschaftlicher Gedanke, wie er es beschreibt: Er gab den Schuh zu einem guten Preis raus und dabei seine Arbeit, einen Teil seiner Idee und Performance, an andere ab. Es ging ihm nicht um kommerziellen Gewinn, klar habe er etwas an den Schuhen verdient, wichtiger sei aber gewesen, das Leben von Menschen zu bereichern, indem man ihnen ein gutes Produkt anbietet, mit dem sie sich wohlfühlen.

„Ich hätte niemals gedacht, dass ich irgendwann mal auf der Straße Shirts verkaufe“

2019, EEE TEE

2019, EEE TEE, getragen von Nina Emge

Auf Robben & Winkler folgt schließlich EEE TEE, seine aktuelle Performance in Form von selbst-gebleichten Shirts, die Eric in seinem Online-Shop oder an wechselnden Locations auf der Straße anbietet. Die eigentliche Performance liegt für ihn hierbei im Prozess: Vom Bleichen der Shirts über den Verkauf auf der Straße als fliegender Händler bis zum Tragen der Shirts. Die Idee sei ihm relativ spontan gekommen, wie er berichtet. Eigentlich bleichte er nur ein paar Shirts, um diese seiner Schwester als Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Schließlich kreierte er 20 weitere und zog im Juni mit diesen auf die Straße, wo er sie im Schatten eines Flohmarktes erstmals anbot. Innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, glühte anschließend sein Handy vor lauter Nachfrage. Das Potenzial wurde erkannt; Eric veranstalte wöchentlich EEE TEE Präsentation an wechselnden Straßenecken, immer spontan und ohne Genehmigung, lediglich über Instagram kommuniziert. Nun gingen die Shirts online.

„Ich finde: Ästhetik ist Gebrauchswert. Wenn sich jemand Kunst nur rein dekorativ anschaut –okay, dann hat man schon viel gewonnen. Noch besser aber, wenn jemand versucht, hinter ihre Fassade zu blicken“.

2019, "Happy Peeing", Flamingo Berlin, permant installierte & hand glasierte Fliesen in einem non-profit art-space

2019, Happy Chilling

Abseits der Mode verarbeitet Eric aktuell außerdem selbstgestaltete Fliesen, die auch bei seiner kommenden Ausstellung im Kunstraum POP;68 der Kölner Galerie Ruttkowski;68 zum Einsatz kommen werden. Diese wird am 7. Dezember dieses Jahres eröffnen. Inhaltlich wird er sich performativ mit seiner vom Kunstmarkt unabhängigen Geschäftstüchtigkeit an die Öffentlichkeit wenden. Diese drückt sich für ihn vor allem ästhetisch aus. Entsprechend wird er in der Ausstellung tragbare Arbeiten mit bildhauerischen und malerischen Aspekten fusionieren.

Damit schenkt Eric einem eher traditionellen Kunstcharakter –oder wie er ihn mit einem Augenzwinkern nennt: seiner „dekorativen Gebrauchsfähigkeit“– Aufmerksamkeit.

Denn, pragmatisch betrachtet, interessierten sich Sammler zwar oft für offensiv politische Kunst, was für das Zuhause oder den eigenen Körper jedoch letztlich zähle, sei die Ästhetik.

Category: Lookbooks

Von: Fabian Alexander Stammen

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