Innovativ bis peinlich: Die Modelabels deutscher Rapper

Im Zuge des nicht enden wollenden 90er Jahre Revivals, das nicht nur die Mode beschäftigt, sondern auch die Musik, kam es zu einem gigantischen Hip Hop Comeback in den letzten Jahren.

Während in den Nineties die Stars des Hip Hop modisch vor allem durch tiefsitzende Hosen und schwere Goldketten auffielen, sind es heute Rapper wie A$AP Rocky, Travi$ Scott oder Kanye West, die den Hip Hop Look neu definieren.

Es kommt zu einer nie dagewesenen Fusion von Hip Hop und Highfashion. Was getragen, designt oder besungen, bzw. gerappt wird, gilt als cool. Und auch in Deutschland beeinflussen die Größen des Genres den Stil von Millionen von Kids.

Was in Amerika nicht erst seit der allgegenwärtigen Kooperation von Mr. West und Adidas Alltagsgeschäft ist, sondern schon Jay Z mit ROCAWEAR vormachte, wird immer mehr auch in hierzlande zur Normalität:

Hip Hop Künstler, die eigene Modelinien launchen. Doch nicht immer geht das gut. Von erstzunehmenden Kollektionen bis hin zu gruseligen Entwürfen, die mit Mode soviel zu tun haben, wie Milli Vanilli mit Live-Musik, ist alles dabei.

Gute-Laune-Rapper Cro sorgte mit VIOVIO für eines der ersten Labels dieser Art in Deutschland:

Nachdem VIOVIO lange Zeit mit immer gleichen Prints langweilte, scheint sich das Stuttgarter Design-Team mittlerweile mehr Gedanken zu machen:

VIOVIO Kollektionen wirken durchdachter, das Konzept stringent, die einzelnen Teile detailreicher. Aufwändig produzierte Imagevideos runden das Konzept ab, die Vertriebsstruktur ist ganz ohne Retailer und nur mit Onlineshop und Pop Up Bus zumindest in Deutschland eine Seltenheit.

Sicher hat auch die Zusammenarbeit mit KANGAROOS, mit denen auch wir schon kooperierten, zur Credibility des Labels beigetragen: Die Kollabo-Sneaker und zugehörige Capsule Collection schafften es damals gar bis in die Königsklasse, in den Pariser Top-Retailer COLETTE.

Und auch der Act unser letzten Dandy Diary Fashion Week Opening Party, Haftbefehl, mischt im Mode-Business mit. Der Offenbacher hat mit Hilfe der Münchner Jungs von Beastin mit „Chabos IIVII“ ein durchaus ernstzunehmendes Streewear-Label geschaffen.

Inspiration für die erste Kollektion war der Film  „La Haine“ (dt.: Hass), der die miserablen Zustände in französischen Vorstädten thematisiert und Einblick in die Jugendkultur Frankreichs in den Nineties gibt.

Ein auf Hoodies gestickter, stilisierter Hahn – seit jeher Symbol von Frankreich und auch auf den Trikots der Équipe Tricolore zu finden – gehört ebenso zur Kollektion wie Trainingsanzüge, Trikots und Bucket Hats.

Styling und Ausleuchtung des Lookbooks der hessisch-bayerischen Liaison sind extrem gelungen und stehen der Kunst von lange im Streetwear-Game aktiven Labels in nichts nach.

Jegliches Gespür für Trends, Ästhetik und Stil in jeglicher Form scheint Rüpel-Rappel Fler abhanden gekommen zu sein:

Sein Label Maskulin ist prollig wie einfallslos. Der Berliner, der gerne durch Deutschtümelei und Äußerungen rechts der Mitte auffällt, hat modisch ähnlich viel zu bieten wie ein 14-jähriger, der in seiner Freizeit gerne T-Shirts mit seinem in Photoshop gebastelten Logo bedruckt.

Schamlos und bedient sich Fler bei Marcelo Burlon, Alpha Industries und anderen „Größen“ der Streetwear-Szene, um schlechte Kopien zu “entwerfen”.

Modische Sünden diesen Außmaßes können uns natürlich nicht gefallen, daher: Finger von Maskulin lassen und lieber bei den Chabos (hier) oder bei Viovio (hier) shoppen.

Text: David Jenal

Category: Lookbooks

Tags: Haftbefehl, VioVio

Von: David Kurt Karl Roth

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