Im Zeichen des Trikots

Mit Fußball haben wir – abgesehen von mittlerweile etlichen Berichten über den Stil der Profispieler abseits des Platzes und glanzvollen Siegen bei Adidas Fanatic – wenig am Hut. Wir haben sogar, um ehrlich zu sein, absolut keine Ahnung von dieser ja so populären Sportart und ihren Protagonisten, Abläufen und Eigenheiten.

Umso erfreuter waren wir, als man uns sagte, dass wir schon bald ein ganzes Wochenende lang im Zeichen des Fußballs, genauer gesagt: im Zeichen des Fußballtrikots, unterwegs sein würden. Für einige die Erfüllung großer Träume, die Stars direkt vor den eigenen Augen – für uns mehr Forschungsreise in unerschlossenes Gebiet.

Am just vergangenen Wochenende sollte es soweit sein und so machte ich mich (seien wir ehrlich: ich war erstmal auf mich alleine gestellt) am Samstag auf nach München. München, das ist die Heimat des ganz objektiv besten Fußballvereins in Deutschland. Soviel weiß auch ich. Und eben dieser Verein, der FC Bayern, ist am Samstag in besonderen Trikots – Achtung, jetzt kommt der Sportjournalist in mir durch – AUFGELAUFEN. Die Trikots waren nicht nur Grund meiner Reise, sondern sollen auch die Weltmeere und damit letztlich unsere ganz eigene Existenz retten, indem sie zu 100 Prozent aus recyceltem Ozeanmüll hergestellt werden.

Das ist wirklich mal eine gute Sache, und daher verzichtete nicht nur Hauptsponsor Telekom auf die sonst so gute Sichtbarkeit seines Logos, nein: auch der Gründer der Organisation “Parley of the Oceans”, die hinter den Trikots steht, reiste extra aus New York an und erzählte vor dem Spiel so ziemlich alles, was man über seine Mission und Vision wissen muss. Dass Paul Watson eine entscheidende Rolle für die Arbeit von Cyrill Gutsch, so der Name des Ozean-Retters, spielt. Dass besonders gute Kontakte zur Kunst-und Modewelt bestehen, die sehr hilfreich sind. Oder eben, dass auch Real Madrid für ein Spiel in einem Ozean-Trikot spielt und er ein kleines bisschen stolz ist. Und das zurecht.

Die Ausführungen von Cyrill waren spannend und aufschlussreich und um ehrlich zu sein sogar beeindruckender als das Spiel, das ich im Anschluss sehen durfte. Bayern und Hoffenheim trennten sich 1:1, Unentschieden, und auch ich war uneins mit mir selbst, ob das jetzt ein großes Sportereignis war oder eben einfach ein Fußballspiel, um das ziemlich viel Wirbel gemacht wird.

So oder so: das sollte es nicht gewesen sein. Am Sonntag ging es weiter nach Düsseldorf, denn dort wurde am Abend das neue Trikot der deutschen Nationalmannschaft vorgestellt. Diesmal ohne Ozeanmüll und Fußballspiel, dafür aber endlich mit dem großen und wichtigen Rest dieses Blogs und einer gewohnt eventigen Veranstaltung – natürlich in gewohnt urbaner Atmosphäre in einer ehemaligen Lagerhalle oder Fabrik oder zu was auch sonst all diese Hallen früher einmal dienlich waren, in denen heute Flohmärkte, Konzerte, Ausstellungen und nun auch Trikot-Präsentationen abgehalten werden.

Für die Premiere des neuen Trikots, das dem der Weltmeisterschaft 1990 entlehnt ist und laut Pressemitteilung Modefans wie uns an die Skateboard-Kultur erinnern soll, kam der Nationalspieler İlkay Gündoğan extra aus Manchester angereist, wo er derzeit spielt (habe ich gegoogelt). Vor der gesamtdeutschen Sportpresse und einem Haufen junger Fans, der sichtlich aufgeregt war angesichts ihres Idols, jonglierte er mit dem Ball, beantwortete ein paar Fragen und ward nie wieder gesehen.

Von Fußball verstehe ich jetzt immer noch nicht allzu viel. Das ist aber auch nicht weiter schlimm. Über Trikots weiß ich von nun an dafür umso mehr.

Category: News

Von: David Jenal

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