Im Interview: Trippie Redd

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Lil Peep und XXXtentacion sind im Himmel. 6ix9ine im Knast. Und Trippie Redd? Der sitzt im Zimmer des Berliner Waldorf Astoria und fragt seine Assistentin nach Essen: „KFC or Caesar Salad?!“, nimmt einen tiefen Zug von seinem Joint und begrüßt mich.

Ein Gespräch mit einem der letzten großen verbliebenen Künstler der Generation Soundcloud-Rap. Die grenzenlos, exzessiv leben – immer dabei: ihre Follower. Bei Trippie Redd, geboren Michael White, sind es aktuell 7 Millionen, die mitfiebern. Sie sind Teil des Kunstwerks.

Aufgewachsen ist Trippie in Canton, Ohio, der zweitgefährlichsten Kleinstadt der USA, dank seiner alleinerziehenden Mutter kam er schon früh mit Musik in Kontakt, mit Nas, Alicia Keys und Tupac, aber auch mit anderen Genres, wie Grunge, die ihn prägen.

Einflussreich auch seine Großmutter, die ihn christlich erzog. Kirchgänger ist er heute nicht mehr, erzählt Trippie, doch ab und zu greift er zur Bibel.

In seinem Song „Topanga“ verarbeitet Trippie seine von Religion geprägte Kindheit. Im Musikvideo zum Song inszeniert sich der Rapper als ein durchgeknallter Sektenführer, veröffentlicht in einer Zeit, in der Kanye West seine Sunday Services zur Kunstform erhebt, und trifft damit einmal mehr den Zeitgeist. Der Rapper, der zum Interview erst einmal einen Joint raucht, das klingt gefährlich nach Klischee, platter Inszenierung, jedoch in diesem Fall nicht der Fall. Denn bei Trippie Redd geht es natürlich nicht um bloßes breit, sondern fokussiert sein. „Ich habe ADHS“, so Trippie, „Weed hilft mir, dass ich mich auf eine Sache konzentrieren kann. Gerade wenn ich Musik produziere, mich in meinem kreativen Modus befinde, sind ein paar Joints extrem wichtig für mich“.

Im Mittelalter, da bin ich mir ziemlich sicher, hätte man Trippie Redd wohl für eine Hexe gehalten, verfolgt und gefoltert. Er trägt eine orangefarbene Beanie, darunter gefärbte Mini-Dreads, Face Tattoos und Grillz. „Du wirkst bisweilen wie ein Anime-Charakter“, bemerke ich. „Anime-Charaktere finde ich tatsächlich sehr inspirierend, ihre Looks, aber auch ihre Gesichtsausdrücke. Ich bin auch dabei meinen eigenen Anime-Comic zu produzieren“.

Auch für andere Künstler, Ski Mask the Slump God oder XXXtentacion, seiner Generation spielt Anime eine wichtige Rolle. Das eigene Aussehen wird von virtuellen Charakteren beeinflusst – ein spannendes , symbolträchtiges Phänomen. „Ich könnte mir vorstellen, dass ich zukünftig Anime-Charaktere in meine Shows integriere“, so der US-Rapper.

Wenn man sich Trippie Redd Interviews durchliest, dann fällt immer wieder ein Begriff: „versatile“ – auf deutsch: vielfältig. Der Allround-Künstler hat ein Rock-Album produziert, bedient sich in diversen Genres und will sich keinesfalls festlegen. In den letzten Jahren werden Elemente, die wir aus dem Hardcore oder Punk kennen, vermehrt im Hip Hop aufgegriffen, zum Beispiel „Moshpits“. „Ist das der Anfang des Endes von Hip Hop?“, will ich von Trippie wissen. „Nein, keinesfalls, das sind ja alles Sub-Genres vom Hip Hop. Das Genre ist größer denn je. Ich sehe keine Musikkultur, die in naher Zukunft größer als Hip Hop werden könnte“, so Tripple.

Der 20-jährige Rapper wurde schon früh mit dem Tod konfrontiert. Sein Bruder, der ihn prägte, ebenfalls Musik produzierte, starb bei einem Autounfall. Und sein Freund XXXtentaction, mit dem er unter anderem „FUCK LOVE“ schrieb, wurde erschossen.

Nach dem Tod von X wurde posthum noch ein komplettes Album veröffentlicht, seine Social Media Channels zur Promotion genutzt. Können Musiker – nach irdischem Ende – virtuell weiterleben, für immer? „Künstler können nur weiterleben, wenn sie zeitlebens äußerst produktiv waren und noch viele, unveröffentlichte Songs haben. Dann ist es durchaus vorstellbar, dass nach ihrem Ableben diverse Alben gedroppt werden“, so Trippie. „Ich würde mir auch wünschen, dass, wenn ich sterbe, weiterhin meine Musik veröffentlicht wird“.

Category: #dandydiaryspace

Tags: Trippie Redd, XXXtentacion

Von: David Kurt Karl Roth

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