Im Interview : LITTLE SIMZ

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Interview mit britischer Musikgröße (X) – done that! LITTLE SIMZ. Bis es zu dem Interview kam, hat es ein paar Wochen gedauert, Bestätigung durch ihren Manager, dann mehrfach Zeit und Ort des Interviews geändert, doch schlussendlich ende ich in einer Wohnung, spärlich eingerichtet mit einem großen Esstisch, ein bisschen Kunst an den Wänden und einem blauen Sofa aus Samt, und warte auf unser Gespräch.

„Hellooooo“ – begrüße ich Little Simz, die 24-jährige Musikerin, die von mehr als 120k Followern auf Instagram verehrt wird, gelobt von den Größten Kendrick Lamar und Jay-Z, einer der Stars der britischen Szene, rechts neben ihr: ihre Tour-Managerin am MacBook. Ich war, das muss ich zugeben, etwas nervös, bevor ich mich zu unserem Treffen aufmachte – der britische Akzent (wieviel % versteht man?) und Star-Allüren? Auf dem Weg zum Ort des Geschehens gab ich mir selbst einen kleinen Ted-Talk, in dem ich mir mein eventuelles Scheitern bereits im Voraus zu verzeihen versuchte. Doch „all good“ – Simbi – wie Little Simz sich privat nennt – ist keine zweite Mariah Carey und überraschenderweise selbst für mich gut zu verstehen – trotz North London Akzent.

Ihr im März erscheinendes Album nennt sich „Grey Area“, der Titel beschreibt eine Zeit im Leben der Künstlerin, in der sie sich verloren fühlte. Sie schrieb es, nachdem sie die Tour mit den Gorillaz beendete, zur Ruhe kam und Zeit zur Reflexion hatte. Die Songs sind schonungslos, ehrlich und zeigen ihre verletzliche Seite. Ich wollte von ihr wissen, wie schwer das ist, solch intime Songs zu schreiben, die ihr Innerstes widerspiegeln.

Simbi schaut mich mit großen Augen an, vor ihr auf dem Tisch steht ein leerer „Coffee to go“ und eine Packung Tipps, sie erklärt mir, dass ihre Musik schon immer von einem sehr persönlichen Standpunkt kam, nie schrieb sie, um ein Image aufrecht zu erhalten. Doch sie macht die Musik nicht nur für sich, erläutert sie. Ich bin nicht die Einzige, die sich Zeit von Zeit verloren fühlt. Sie ist eine Künstlerin und die Kunst ihr Medium Dinge zu verarbeiten und sich auszudrücken, dass sie dies in der Öffentlichkeit macht und mit vielen Menschen teilt, geht lediglich damit einher.

„ It´s hard to talk about these things, but at the same time it´s a way of healing for me.“

Ich durfte ihr Album vorab hören, dabei fiel auf, sie lässt sich in keine Schublade stecken. Es ist kein Gangster-Rap Album, sie spricht nicht über Geld, Drogen, Macht. Die Beats wechseln selbst im gleichen Song von starken Bässen zu melodischen, leisen Tönen. Simz entspricht nicht dem Stereotyp Female Rapper und gerade dass man sie irgendwie einfangen, festhalten und verstehen möchte bringt einen dazu die Lyrics und ihre Gedanken fassen zu wollen. Ist sie sich darüber bewusst und möchte genau so wirken?

„ Well I am definitely not a female rapper, I am just a musician“

Ihre Musik ist universell, zu groß für ein Genre. Jetzt mit 24 Jahren, reflektiert sie über die vergangenen Jahre. Sie sagt, dass sie niemand darauf vorbereiten konnte so jung in diese Position zu kommen. Vor allem wie schwer es in seinen Zwanzigern ist, durch den Alltag zu navigieren, gerade mit ihrem Background und sich dabei irgendeine Art Normalität aufrecht zu halten. Darum geht es in ihren Songs und sie macht nochmal deutlich, diese Probleme und Gefühle hat jeder. Nicht nur sie, sondern jeder in diesem Alter hat Probleme, sei es im Job, in der Familie oder der Beziehung. Aus dem Grund sagt sie, ihre Musik ist universell, jeder kann sich mit ihr identifizieren.

„I can Trashtalk all day, thats easy. But it´s not saying anything.“

Auch wenn der Ausgangspunkt ihres Albums eine Reihe von negativen Ereignissen war, kam es schlussendlich zu einem positiven, produktiven Ergebnis. Sie möchte in Erinnerung bleiben, ihre Musik ist Kunst und eben kein Hit in den Charts, die für ein paar Wochen in Dauerschleife gespielt wird bis ihn keiner mehr hören kann. Wenn sie sich etwas wünschen könnte, sei es, dass das Album zum Soundtrack eines Lebensabschnitts für einige wird. Genau wie dies beispielsweise für sie „Miseducation“ von Lauryn Hill war.

Vor einer Woche hat sie den ersten Song ihres Albums veröffentlicht. Er nennt sich „Selfish“ und kann samt Musikvideo auf Youtube gestreamt werden. Zu Beginn sowie am Ende des Videos sehen wir Simbi am Klavier, der Kamera den Rücken zugewendet. Ist das schon selfish? Sie macht Musik nur für sich, die Zuschauer hören aber sehen sie nicht. Es scheint fast als beobachtet man sie in einem intimen Moment. Man kommt sich vor als singt sie vor sich hin, nicht so, als würde sie einen neuen Track performen.

Musik, so Simz, war ein Mittel, dass sie nur für sich entdeckt hat, welches ihr hilft mit ihren Gedanken und Gefühlen umzugehen. Natürlich würde sie Musik machen, selbst wenn sich niemand dafür interessiert. Das hat sie schließlich die letzten 14 Jahre gemacht, fügt sie stolz hinzu. Erst jetzt, mit 24 fangen die Leute langsam an sich für ihre Kunst zu interessieren. Käme es ihr auf den Ruhm an, hätte sie längst aufgehört.

„ I´m not gonna lie, I´ve been definetly going through phases where I was pouring my heart out and no one is listening.“

In „Venom“ spricht sie aus der Sicht einer erfolgreichen Frau. Sie ist das Gift, die Gefahr für jene, die sie nicht einschätzen können, die sich von ihrem Erfolg bedroht fühlen. Dieses Gefühl kennen Frauen egal welcher Berufsgruppe. Eine Anspielung auf ihre Rolle in der von Männer dominierten Rap-Szene? So hat sie sich eine lange Zeit gefühlt, erklärt Simz, mit der Zeit hat sie jedoch entschieden, dies nicht mehr an sich heran zu lassen. Simbi hat erkannt, dass es nichts mit ihr zutun hat. Es ist die Unsicherheit ihres Gegenübers, nicht die Eigene.

„ With Venom anyway, it´s a Song for everyone but I just wanted women to know like, in whatever you do, don´t let these boys try it. You got this.“

„Das ist der beste Tour-Manager ever!“, so Little Simz, und schaut ihre Freundin am Kopf des Tisches an. Beide lachen sich warm an. Bei dem Titel würde man wahrscheinlich auch eher an einen Mann denken. Dabei ist es wichtig Labels zu brechen.
Sie kommt nochmal auf den Anfang des Interviews zurück, als ich sie als „Female Rapper“ bezeichnete. Hier beginnt das Problem sagt sie, wenn wir uns selbst so nennen, labeln wir uns selbst, machen es anderen leichter.

Besonders wenn sie Schwierigkeiten hat sich zu motivieren, kreativ zu sein, sucht sie den Kontakt zu ihrer Familie. Sie zwingt sich nicht zu arbeiten, wenn sie merkt, dass an diesem Tag nichts zustande kommt. Die Arbeit in Intervallen hilft ihr ebenso wie sich permanent selbst zu reflektieren und darauf zu achten, was ihr Gut tut. Gespräche mit ihrer besten Freundin, in denen es ausschließlich um ihr Leben geht und der Fokus mal nicht auf Simbi liegt, helfen ihr sich in diesem Trubel nicht zu verlieren. Auch wenn sie Zeit mit ihrem vier Jahre alten Neffen verbringt und für eine Zeit lang in seine Welt eintauchen kann, sind für sie essentiell.

Neben der Musik interessiert sie sich auch für andere Kunstformen, besonders für die Fotografie. Als sie beginnt darüber zu sprechen, merkt man, dass sie dafür brennt. Sie macht Bilder von Situationen, die ihre Aufmerksamkeit anregen, genau wie mein gelber Hoodie vor dieser weißen Wand sagt sie und zeigt auf mich. Für ihre Fotografie wäre Instagram prädestiniert. Hier zeigt sie sich jedoch sehr gefiltert, nicht privat, dort ist sie ausschließlich „Little Simz“. Manche Sachen möchte sie für sich behalten, wenn es passen sollte, veröffentlicht sie jedoch auch ihre Fotos, so Simz. Alle Cover dieses Albums hat sie selbst geschossen und freut sich, dass sie hier beide Leidenschaften miteinander verbinden kann.

Als wir uns verabschieden habe ich das Gefühl, Zeit mit einer guten, alten Bekannten verbracht zu haben. An diesem Tag hat sie noch viele weitere Interviews, das Interesse an der Britin ist groß und wir können gespannt sein, was die Zukunft für sie bringt.

Category: News

Von: Mara Simon

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