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Im Interview: Grandmaster Flash

Da sitzt er also, der Erfinder des Hip Hop. Im Kinderland, einer Spielecke im Düsseldorfer Flughafen, hat er sich hingesetzt. Sein Begleiter auch. Die spielenden Kinder machen einen Bogen um die beiden, einen großen. Sie kennenn ihn sicher nicht, wissen nicht, dass der grimmig guckende Mann sich seit Jahrzehnten Grandmaster Flash nennt und weltbekannt ist. Es sei ihnen verziehen, sie sind ja noch Kinder.

Als ich mit 40-minütiger Verspätung und um Entschuldigung bittend ankomme, dreht eben dieser grimmig guckende Mann, diese Legende, seinen Kopf weg von mir, schaut demonstrativ in eine andere Richtung und verzieht dabei seine Lippen zu einem Schmollen. Diese Geste ist sicher negativ gemeint. Ich tue, als hätte ich das nicht bemerkt.

Zwei Tage soll ich Grandmaster Flash und seinen Begleiter, der sich Rocker nennt, aber eigentlich William heißt, begleiten – und unser Einstand hätte nicht beschissener sein können.

Die Fahrt in unser Dortmunder Hotel dauert über eine Stunde. Währenddessen sagen weder der Grandmaster, noch William auch nur ein Wort. Ihre Sonnenbrillen behalten sie an, obwohl die Mercedes-Limousine getönte Scheiben hat. Ich sehe unser Gespräch schon scheitern, will die gereizte Stimmung jedoch nicht weiter anheizen und schweige ebenfalls.

In Dortmund angekommen, zerrt der Grandmaster seine fünf Koffer auf einen dieser goldfarbenen Transportwagen, die in Hotellobbys herumstehen. Keiner der Portiers traut sich, ihm zu helfen. Flashs Laune ist sichtlich übel, das merkt hier jeder. Er fährt wortlos hinauf in den vierten Stock, in seine Suite mit der Nummer 402.

Als Flash weg ist, bricht William sein Schweigen und erzählt, dass Flash müde ist. In zwei Stunden würde er zum Soundcheck fahren, dann würde sicher alles besser werden. William geht auf sein Zimmer und ich auf meins.

Nach zwei Stunden kommt der Anruf: Flash will zum Soundcheck. Ich flitze die Treppen des Hotels hinunter, weil das schneller geht, als auf den Fahrstuhl zu warten – und weil ich nur ungern dem Flashmaster schon im Lift begegnet wäre.

Ich wartet noch drei Minuten im Auto, dann kommen Flash und William. Meine Eisbrecherfrage ist denkbar simpel.

Jakob: Mr Flash, did you get some sleep?

Flash: No.

Nun gut. Das war natürlich unklug, ihn mit einer Ja/Nein-Frage zu konfrontieren. Die Fahrt ist glücklicherweise nach nur zwei Minuten vorüber. Wir treffen am “Daddy Blatzheim” ein, einem Club im Dortmunder Westfalenpark, direkt am See gelegen und irgendwie viel zu idyllisch für den Auftritt eines Hip Hop-Superstars aus New York.

Im Club schliesst Flash seinen Laptop, ein MacBook, an, dreht die Lautstärke der Anlage etwas zu weit auf und scratcht ein wenig auf einer von zwei Schallplatten herum. Zwei Mikrofone lässt er aufbauen, eins links und eins rechts von ihm, jeweils etwa auf Schulterhöhe. Immer wenn er etwas in eines der Mikros sagen möchte, muss er sich leicht nach unten beugen. Keiner der Techniker spricht ihn an. Wenn sie etwas wissen wollen, fragen sie William. Doch dann das: Einer der anwesenden Menschen traut sich und fragt: “Do you need something else?” und meint damit ein weiteres Mikrofon, ein Kabel oder vielleicht etwas von diesem starken Gewebeklebeband. Flashs Antwort überrascht alle, sogar William: “Maybe you could bring me some fried chicken and some rice.” – Der Erfinder des Hip Hop möchte also Hünchen mit Reis. Da hätte man ja nun wirklich auch selbst drauf kommen können.

Die Servicekräfte flitzen los und besorgen innerhalb kürzester Zeit zwei Teller mit dem gewünschten Essen. Nachdem Flash und William aufgegessen haben, ist der Soundcheck vorbei – und ich sehe meine Chance für einen erneuten Gesprächsbeginn.

Jakob: Mr Flash, Sie legen heute Abend mit Hilfe eines MacBooks auf, brauchen also nicht hunderte von Schallplatten. Was transportieren Sie stattdessen in Ihren fünf Koffern?

Flash: Da sind Schuhe und T-Shirts drin.

Jakob: Wie viele Paar Schuhe haben Sie für ihren einwöchigen Europatrip dabei?

Flash: Das weiß ich nicht genau, aber einige sind das schon. Die Schuhe müssen immer zum Outfit passen, verstehst du?

Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, es sei Zufall, dass der Grandmaster eine dunkelblaue Flexfit-Schirmmütze, ein dunkelblaues, eher weites T-Shirt und dunkelblaue Nike-Sportschuhe trägt.

Jakob: Sie waren schon früher dafür bekannt, sich viele Gedanken über Ihre Outfits zu machen. Sie trugen Lederhosen und Ledermützen, vieles davon maßgeschneidert.

Flash: Ja, die Sachen waren extrem. Aber so haben wir die Leute auf uns aufmerksam gemacht. Heute achte ich immer noch darauf, dass meine Kleidung zusammenpasst. Deshalb habe ich auch mehrere Koffer dabei, damit ich auswählen kann, was ich anziehe. Das ist wichtig.

Das Gespräch wird unterbrochen. Der Grandmaster fordert Wasser, William Ananassaft. Beides wird gebracht. Flash ist unzufrieden, er möchte raumtemperiertes, stilles Wasser von Evian. Gleich zwei Kellner laufen los und bringen es wenig später. Während er wartet, schweigt der Hip Hop-Erfinder. Als das Wasser gebracht wird, füllt Flash sich sein Glas zur Hälfte und verlangt dann Eiswürfel. Sein Wunsch wird kommentarlos erfüllt.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen heutigen Hip Hop-Stars und den Koriphäen von früher: Flash braucht keine Magnum-Flaschen Champagner, ihm reicht ein simples Wasser, um seinen Status deutlich zu machen. Ich bin tief beeindruckt. Unser Gespräch geht weiter.

Jakob: Was werden Sie heute Abend bei der Show anziehen?

Flash: Das Gleiche wie jetzt, in weiß.

Jakob: Ist die Zeit der wilden Verkleidungen für Sie also endgültig vorbei?

Flash: Ich bin über 50. Das mit den wilden Outfits können die Jungen machen.

Wenn man ihn so anschaut, wirkt Grandmaster Flash längst nicht so alt. Eher wie Mitte 30. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass man selten 52-Jährige mit farblich abgestimmter Mütze, Shirt und Schuhen sieht.

Jakob: Im Gegensatz zu vielen Ihrer Kollegen verzichten Sie heute auf Accessoires wie dicke Uhren, Platinketten und Goldzähne. Warum?

Flash: Ich trage gerne mal eine Kette, aber diese Angeberei brauche ich nicht. Das habe ich nicht nötig. Die Leute wissen wer ich bin, ich muss nicht mehr auf mich aufmerksam machen.

Jakob: Momentan sind die 1990er Jahre wieder sehr angesagt. Glauben Sie an eine Rückkehr von Latzhosen und ultra-weiten T-Shirts?

Flash: Ich glaube, dass vieles von dem, was wir früher anhatten, wieder zurückkommt. Aber Latzhosen? Komm schon.

Flash lacht kurz und kehlig, zum ersten Mal. Dann steht er auf und geht. Er möchte ins Hotel gefahren werden und schlafen. Ich gehe mit William ins Restaurant. Er möchte nicht über Mode sprechen, also sprechen wir über Filme.

Kurz vor 1 Uhr nachts taucht Grandmaster Flash in der Hotellobby auf. Er trägt eine schneeweiße Schirmmütze mit geradem Schild, ein schneeweißes, großes T-Shirt, Jeans und weiße Sneakers. Er sieht aus wie beim Soundcheck, nur in weiß. Wir fahren in den Club.

Jakob: Wie viele dieser farblich abgestimmten Outfits haben Sie dabei?

Flash: Ich weiß es nicht, aber definitiv mehr, als du an diesen zwei Tagen sehen wirst.

Flash scheint etwas angespannt und die Fahrt ist gleich vorüber, mir bleibt eine letzte Frage, bevor der Grandmaster zum DJ-Pult gebracht wird.

Jakob: Sind Nike Airs die bequemsten Turnschuhe der Welt?

Flash: Nein, aber die besten.

Wir halten vor dem Club, Flashs Tür wird von einem großen Security-Mann geöffnet, ein Kamera-Team wartet. Ich beeile mich mit dem Pulk mitzulaufen, den Anschluss nicht zu verlieren. Zwei Security-Männer bahnen sich und dem Grandmaster und irgendwie auch mir eine Schneise durch den Club. Der Veranstalter wollte es so, Flash sollte direkt durch die Menschenmenge zum DJ-Pult laufen. Spaß scheint das dem Erfinder des Hip Hop nicht zu machen.

Neben seinem schon aufgebauten MacBook und den beiden Plattenspielern steht Evian-Wasser, kein Champagner. Flash trinkt während seines Sets keinen Schluck Alkohol. Das Publikum schon. 90 Minuten dauert Grandmaster Flashs Ritt quer durch die Musikgeschichte. Er spielt Hip Hop-Klassiker, Mallorca-Techno, Nummer 1-Hits und irgendwie all diese Songs, die man irgendwoher kennt. Immer wieder ruft er ins Mikrofon, ruft “Put your hands up” und “Make some noise”, wobei er das Wort “noise” in drei lange Silben dehnt “no-hoi-se”.

Direkt nach seinem letzten Track geht der Grandmaster vom DJ-Pult, wieder bewacht von Securitys. Ein Fan reicht ihm eine CD und einen Edding. Flash signiert. Dann geht er durch die Hintertür aus dem Club.

Wir fahren ins Hotel. Flash ist müde, es ist halb drei. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen, elf Uhr.

Am Sonntagmorgen ist die Stimmung schlecht, es regnet. William ist schon da und räumt seinen einzelnen Koffer in den großen Kofferraum der Mercedes-Limousine, in der noch eine Menge Platz ist, Platz für die fünf Koffer von Grandmaster Flash. Der aber lässt auf sich warten.

Nach zwanzig Minuten kommt Flash, lässt seine Koffer in den Wagen räumen, nimmt auf der Rückbank platz und spricht wiedermal kein Wort. Vielleicht bekommt ihm das Fliegen nicht, und deshalb ist er vor und nach Flügen so mies gelaunt, denke ich und stelle selbstverständlich keine Frage. Dabei hätte ich noch so viel wissen wollen: Wer hatte die Idee mit den Judas Priest-artigen Kostümen, damals in den 1980er Jahren? Wer hat die Outfits designt? Wurde der Grandmaster jemals für schwul gehalten, wenn er im engen gelben Lederanzug und der SM-Mütze auf dem Kopf durch die Straßen New Yorks gelaufen ist? Hat der Grandmaster wirklich dafür gesorgt, dass die Kangol-Mützen zum festen Bestandteil der Hip Hop-Kultur wurden? Und was hat seine Mutter eigentlich zu all diesen tuntigen Outfits gesagt?

All diese Fragen müssen warten, auf ein nächstes Mal. Denn Flash ist nicht bereit zu reden. Aber er darf das, er hat Hip Hop erfunden. Wenn er nicht will, muss er nicht reden. Vielleicht ist er auch einfach noch sauer, weil ich ihn am Vortag habe im Kinderland warten lassen.

Angekommen am Düsseldorfer Flughafen packt William die Koffer auf einen Wagen. Flash zieht seine Ray Ban-Wayfarer Sonnenbrille ab, gibt mir die Hand und sagt bevor er geht: “Let’s talk next time.”

Ich werde ihn darauf festnageln.

 

Bilder: native-instruments.com, blogue.us, details.com

 

 

VIDEO

 

Im Interview: Patta & Bas Kosters

Am letzten Tag unseres CANON “come and see” Trips in Amsterdam haben wir erst Tim von PATTA in seinem Store getroffen, später noch BAS KOSTERS in seinem Studio.

Patta ist “das” Streetwear-Brand aus Amsterdam. Vor Jahren begann das Patta-Team damit Sneaker aus den USA nach Holland zu importieren. Heute wird nicht nur Mode verkauft, sondern auch entworfen. Sie kooperierten bereits mit Nike, Adidas, Asics und, und, und.

Ein ebenfalls wichtiges Brand aus Amsterdam ist Bas Kosters (wenn auch eine komplett andere Ästhetik und Welt, als das tragbare Streetwear-Brand Patta). Wir sprachen mit Kosters über seine anstehende Ausstellung, Penis-Prints und seine Monster-Kollektion.

TRENDS

 

Soft Hardcore: Der Siegeszug der Metal-Hipness

Spätestens, seitdem es Kiss-Bassist Gene Simmons vor zwei Jahren verkündete, ist Rock offiziell tot. In musikalischer Hinsicht sind Hiphop, elektronische Musik und naturgemäß Pop tonangebend. Und auch auf subkultureller, modischer und gesellschaftlicher Ebene schien Rock mehr und mehr stiefmütterlich behandelt, ja, nahezu bedeutungslos. Bis jetzt.

Denn: Die Metal-Ästhetik und mit ihr die Logos und Artworks von dem Genre zugehörigen Bands sind angesagter denn je. Justin Bieber trägt regelmäßig T-Shirts mit Metallica-Prints, Supreme hat bereits mehrfach mit Black Sabbath eine Kooperation herausgebracht, deren Käufer vermutlich noch nie auch nur einen Song der Band gehört haben. Und eine mehr als offensichtliche Iron-Maiden-Referenz gab es bereits bei Balenciaga zu bestaunen.

Flammen-Motive, über deren modische Relevanz wir bereits hier berichtet haben, sind vor allem dank Vetements wieder und völlig unerwartet mehr als hip, ebenso wie Schriftzüge in Fraktur und ein religiös-mystisch anmutender Vibe. Die Fraktur hat Kanye West mit seinem Merch zu „The Life of Pablo“ kurzerhand zumindest halbwegs von ihrem in der rechten Szene verorteten Image befreit. Und Rick Owens vertritt seit Jahren hoch erfolgreich eine verrucht-rockige Stimmung, die nicht mehr nur im Berghain gut anbekommt.

Die Rückkehr einer in ihren Grundzügen maskulin-aggressiven Ästhetik hängt mit Sicherheit mit dem sich wandelnden Männerbild zusammen, über das Adriano Sack und Frederik Schwilden bereits an dieser Stelle schrieben. Während die für Männer typischen, vor Kraft strotzenden und prolligen Eigenschaften mehr und mehr verloren gehen, findet auf ästhetischer und stilistischer Ebene eine Kompensation eben dessen statt: Tattoos, Bärte, gestählte Körper und auch der Metal-Szene entlehnte Codes und Motive lassen den vermeintlich geschwächten Mann weiterhin stark erscheinen. Zumindest von außen.

Dazu kommt ein Grundproblem, mit dem sich alle Designer konfrontiert sehen: Dem Aussterben der Subkulturen. Während es in den vergangenen Jahrzehnten unter Jugendlichen zum guten Ton gehörte, sich von der Masse abzugrenzen, einer Subkultur zuzugehören und so Rebellion und das Anders-Sein zu üben, wollen Jugendliche mittlerweile – zumindest laut der letzten Sinus-Studie – Mainstream sein.

Daraus lässt sich nunmal reichlich wenig Inspiration ziehen. Und so wird auch weiterhin auf bereits vorhandene und bereits totgeglaubte Strömungen und Stile zurückgegriffen werden müssen. Das ist aber völlig in Ordnung, besonders dann, wenn es doch so gut und lässig aussieht wie die Metal-Ästhetik.

Text: David Jenal

NEWS

 

Dandy Diary Travel Diary: De Pijp

Unser CANON “come and see” Trip hat uns auch in das hippe Amsterdamer Viertel De Pijp geführt.

Früher war der – südlich vom Grachtengürtel gelegene Stadtteil – ein Arbeiterviertel. Nirgendwo gibt es heute in Amsterdam derart unterschiedliche Bars, Restaurants und Boutiquen. De Pijp soll – so berichten die stolzen Bewohner – die größte Kneipendichte Amsterdams haben. Korrekt (Wir haben das überprüft).

De Pijp ist definitiv der Ort in Amsterdam, an dem man die interessantesten Personen auf der Straße sieht, daher lohnt sich ein Bier in einem der schönen Cafés in der Sonne, mit Blick auf die Straße, um sich inspirieren zu lassen. Falls ihr nach De Pijp kommt, solltet ihr auf jeden Fall auch dem Albert Cuyp Markt einen Besuch abstatten.

LOOKS

SPECIAL

 

Fler, DHL und die Polizei: Die absurden Auswüchse des Vetements-Hypes

DHL-Paketwägen, bisher nichts mehr als knallgelbe Schandflecken im sowieso schon hässlichen Berliner Straßenverkehr, avancierten in den vergangenen Wochen und Monaten zu einem extrem beliebten Instagram-Motiv, stets versehen mit #vetements und einem sich lächerlich machenden Emoji. Schuld an all dem ist ein einfaches, gelbes und mit dem DHL-Logo bedrucktes T-Shirt, das zu einem völlig überzogenen, aber das Produkt definierenden Preis von DEM Label der Stunde, Vetements, angeboten wird.

Das T-Shirt ist das am kontroversesten diskutierte Teil der Saison und dank seines Preises von ca. 250€ ein wahrer „Moneymaker“. Vor allem aber ist das Shirt ein geniales Marketing-Tool. Für eine ähnliche Social-Media-Präsenz müssen andere Labels hunderte Influencer mit Samples überhäufen. Vetements muss das nicht. Vetements hat DHL.

Die Reaktionen auf ein so provokantes Shirt verwundern wenig. Wesentlich merkwürdiger ist die Adaption der Marke durch einen Rapper, der bisher nicht durch Stil-oder Trendbewusstsein geglänzt hat und über dessen modische Fehltritte wir an dieser Stelle schon einmal berichtet haben: Fler. Der Berliner, der in Auftritt und Sprache stets wie eine ungute Mischung aus Lutz Bachmann und Bushido wirkt, scheint Vetements völlig verfallen zu sein und trägt seit neuestem in Interviews und auf diversen Instagram-Posts ausschließlich von Demna Gvasalia und seinem Team entworfene Hoodies. Und natürlich die Teile seines eigenen Labels „Maskulin“, was die ganze Sache nicht wirklich besser macht.

Den absurden und fast schon satirisch daherkommenden Höhepunkt des Rummels um das Label besiegelt die anstehende Strafverfolgung eines Stuttgarter Vetements-Jüngers, der aufgrund seines Regenmantels des französischen Brands mit der Aufschrift „Polizei“ von eben jenem Exekutivorgan auf offener Straße angesprochen wurde.

Die Beamten konfiszierten den Mantel kurz darauf, der Vetements-Fan wartet nun auf die Reaktion der Justiz, denn: „Wer unbefugt inländische oder ausländische Uniformen, Amtskleidungen oder Amtsabzeichen trägt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Kollege Alfons Kaiser von der F.A.Z. hat anlässlich dieses so unglaublich deutschen und kleinlich-komischen Vorfalls ein hervorragendes Interview mit dem Übeltäter geführt, das es hier zu lesen gibt.

Ob des Hypes vergisst offensichtlich die ganze Branche, zu hinterfragen, ob Vetements wirklich so rule-breaking und revolutionär ist, wie man es überall lesen kann. Sicher, Shows in Asia-Restaurants und Stripclubs gefallen uns sehr. Aber ob man bei einer Preispolitik, die die Gruppe der potenziellen Käufer von vornherein auf ein Minimum einschränkt, von Demokratisierung und Revolution sprechen kann, ist dann doch mehr als fraglich.

LOOKBOOKS

 

Jungdesigner lehnt sich mit Kollektion gegen Ausbeutung von Praktikanten auf

Ein Absolvent der Parsons School of Design in New York, der auf den nicht nur aus popkultureller Sicht fantastischen Namen Jongyeol Bae hört, hat seine Abschlusskollektion komplett einem der großen, aber wenig diskutierten Probleme der Modebranche gewidmet: Den unbezahlten Praktika.

Die Kollektion heißt “NO PAY? NO INTERN! NO FASHION!“ und kommuniziert das Thema sehr plakativ, teilweise fast schon billig und einfach. Statements wie „Ban unpaid intern shit“ oder „Talent Passion Labor Stole“ sind keine literarischen Höhenflüge, treffen den Nagel aber auf den Kopf.

Unbezahlte, teils jahrelange Praktika sind in der Branche Standard und ein Paradebeispiel für Chancenungleichheit. Für zahlreiche, mit Sicherheit qualifizierte und motivierte Interessierte ist es schlicht nicht möglich, für einen längeren Zeitraum auf Gehalt zu verzichten. Ein liquides Elternhaus ist in aller Regel Vorraussetzung für ein Praktikum in der Mode. Damit beraubt sich die Branche nicht nur selbst zahlreicher Talente, sondern eben diesen Talenten auch die Chancen, die sie mehr als verdient hätten.

Eine komplett einseitige Betrachtung hilft hier allerdings auch nicht weiter. Vielen jungen, aufstrebenden Designern stehen schlicht nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung, um Praktikanten bezahlen zu können. Aber: Bei etlichen Labels sind die Kassen voll, die Taschen der Praktikanten weiterhin leer.

Ein kurzer Blick in seinen Lebenslauf offenbart, dass Jongyeol Bae mit seiner Kollektion vermutlich aus Erfahrung spricht. Er hat in seiner kurzen aber vermutlich intensiven Mode-Karriere einen riesigen Haufen Praktika-Erfahrung angesammelt.

Das hat immerhin dazu geführt, dass seine Abschlusskollektion auch abseits der richtigen und wichtigen Statements durchaus gelungen ist. Farben, Schnitte und Artworks sind sehr fein aufeinander abgestimmt. Für Jongyeol ist die Praktikanten-Schufterei damit hoffentlich beendet. Wir wünschen es ihm von Herzen.

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Nichts sehen, nichts hren, nichts sagen von wegen. Dran bleiben! @allthedog pic @maxmotel

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