Im Interview: Craig Green

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Es gibt wenige Designer, die ich so sehr verehre, wie Craig Green.

Er wollte erst Künstler werden, sieht aus wie ein irischer Rugby-Spieler und gehört derzeit zu den weltweit stärksten Männermodedesignern.

Green hat – wie so viele andere erfolgreiche Modemacher – sein Handwerk auf dem renommierten Central Saint Martins College in London erlernt. Dort studierte der Brite erst Kunst, bevor er im MA Kurs der legendärn Louise Wilson endete.

Nach der Uni durchlief Craig Green die Kaderschmiede britischer Talente: Fashion East MEN, innerhalb von drei Shows bewies er dort sein Ausnahmetalent und wurde so zum Liebling von Kritikern wie Tim Blanks.

GREENs erste Soloshow – nach der Ära Fashion East MEN – beschrieb der “Business of Fashion” Redakteur euphorisch mit den Worten “A fashion moment! Craig Green geht keine Kompromisse ein, was seinen Idealismus angeht. Seine Designs sind immer große Gesten, sie sind poetisch und romantisch zu gleich.”

Neben Tim Blanks, uns, einer Vielzahl extrem wichtiger Einkäufer (Barneys, Dover Street Market, Opening Ceremony, Machine A) gehört auch das Björn Borg Team zu den Craig Green Groupies.

Sie fragten ihn, ob er sich eine Kooperation vorstellten konnte. Er konnte. So kam es, wie es kommen musste: erst die Kollaboration zwischen dem schwedischen Sportswear-Brand und dem britischen Modedesigner, dann ich, in Craig Green x Björn Borg Designs auf japanischen Felsen räkelnd und dann das: ein Dandy Diary Interview mit Craig Green:

Wie kam es zur Kooperation mit Björn Borg? Ist eine langfristige Kooperation geplant?

“Die Kollaboration mit Björn Borg ist ein einmaliges, exklusives Projekt. Es war großartig mit einer geschichtsträchtigen Marke wie Björn Borg zusammenarbeiten. Außerdem fand ich es spannend, dass ich der erste Modedesigner war, der mit ihnen einen Kollektion realisieren konnte, was mir wiederum eine große Freiheit gab. Es war meine erste Sportswear-Kollektion, die ich entwarf, daher auch in dieser Hinsicht speziell für mich.”

Du hast – unter anderem – Piqué-Stoffe verarbeitet. Ein Material, was wir aus dem Tennissport kennen, somit eine Referenz an die Geschichte der Marke Björn Borg darstellt. Hast du viel Zeit im Archiv von Björn Borg verbracht?

“Es war mir von Anfang wichtig auf die Heritage von Björn Borg einzugehen. Der Design-Prozess bei der Kollektionserstellung war ungewohnt, denn all die technischen und funktionalen Aspekte von Sportswear waren neu für mich”.

Während deines Studiums auf dem “Central Saint Martins” hast du ein Praktikum bei Walter van Beirendonck gemacht. Glaubst du, dass Beirendonck deine Ästhetik beeinflusst hat. Und gibt es noch andere Designer, die du für ihr Schaffen respektierst?

“Walter van Beirendonck war schon immer einer meiner ‘Design-Heroes’, daher war ich sehr glücklich, ihm im Rahmen meines Praktikums zu assistieren. Er hat mir viel bei gebracht. Seine  wichtigste Lektion: gehe niemals Kompromisse ein.”

Du lässt dich oftmals von Subkulturen beeinflussen. Die letzten Mode-Subkulturen (Sea Punk, Health Goth) kamen aus dem Internet. Ist die Straße tot? Werden wir zukünftig keine Subkulturen mehr erleben, die aus Clubs kommen?

“Subkulturen kommen und gehen heutzutage in einem rasanten Tempo. Sie sind – in ihrem Tempo – ein Produkt unser schnelllebigen Zeit – in der Art- und Weise, wie sie wachsen und innerhalb kurzer Zeit wieder in sich zerfallen. Man hat das Gefühl, dass heute die Zeit und Raum fehlt, damit sich bestimmte Bewegungen entwickeln können, wie das noch vor Jahren der Fall war. Doch das ist nicht grundsätzlich negativ zu bewerten. Es ist nur anders. Aus einer neuen, anderen Situation werden neue, andere Dinge entstehen. Doch es – fraglos – der Tod der Subkultur im herkömmlichen Sinne.”

Du bist von Uniformen besessen. Warum?

“In meiner MA Collection ging es um die Beziehung zwischen Workwear und religiöser Kleidung, beziehungsweise deren Parallelen: utilitaristisch, beide sind Funktionsbekleidung, doch auf komplette unterschiedliche Art- und Weise. Ich war schon immer fasziniert von der Idee von Uniformität und der gemeinschaftliche Art sich zu kleiden.”

Würdest du dich selbst als “seasonal designer” beschreiben? Modejournalisten haben in letzter Zeit viel über den Druck geschrieben, dem Designer ausgesetzt sind (zu viele Kollektionen in zu kurzer Zeit entwerfen). Glaubst du das Saison-Modell  ist hilfreich oder eher hinderlich im kreativen Schaffensprozess?

“Der saisonale, traditionelle Weg spielt in meinem Kreativ-Prozess nicht wirklich eine Rolle, es geht mehr um eine Idee oder Gefühl. Ich glaube nicht, dass es noch Sinn macht, ausschließlich saisonal zu arbeiten. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der meine Designs zu verschiedenen Zeiten, überall, rund um den Globus, verkauft werden.”

Bevor du zur Mode kamst, hast du Kunst studiert. Glaubst du, dass du irgendwann komplett zurückkehrst zur Kunst? Müde von der Mode?

“Es ist schwer sich von der Mode gelangweilt zu fühlen. Denn sie ist so schnell und verändert sich beständig, wie kaum eine andere Branche. Das ist der Grund, warum sich bei vielen Menschen eine Art “Sucht” entwickeln kann. Außerdem kann ich – auch wenn ich der Mode – arbeite noch immer die Kunst in mein Werk einfließen lassen, durch Installationen, Kampagnen etc.”

Du hast mal in einem Interview gesagt, dass du nicht verstehen kannst, warum nicht mehr Studenten mutig genug sind, nach ihrem Abschluss ihr eigenes Label zu gründen. Siehst du das noch immer so?

Der finanzielle Druck auf Studenten wird immer größer, daher fällt die Entscheidung verständlicherweise immer schwerer sein eigenes Label zu gründen. Ich hatte Glück, bekam Stipendium und wurde frühzeitig von NEWGEN und FASHION EAST unterstützt, daher konnte ich mein eigenes Label gründen.

Category: News

Tags: Björn Borg, Craig Green

Von: David Kurt Karl Roth

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