Im Interview: Bibi Bourelly

Sie hat “Bitch Better Have My Money” für Rihanna geschrieben, hängt mit Kanye West ab und auch sonst scheint sie eine höchst umtriebige junge Frau zu sein:

BIBI BOURELLY. Sie brach die Schule ab, zog aus Gründen der Selbstfindung mehrfach in die USA und wieder zurück nach Deutschland. Mittlerweile wohnt die gebürtige Berlinerin – wo sonst – im hippen Los Angeles und arbeitet dort an den nächsten großen Hits.

Wir trafen sie ein Tag nach ihrem Konzert im Prince Charles, um sie zu ihrem Dope-Konsum, ihren Kontakten nach ganz oben und Kopie-Vorwürfen zu befragen. Sie beantwortete unsere Fragen ausschließlich in einer etwas gewöhnungsbedürftigen, aber nicht humorfreien Mischung aus Englisch und Deutsch – dem Lesefluss zuliebe haben wir es hier bei einer Sprache belassen. Lest selbst:

Deine eigene Musik unterscheidet sich doch sehr stark von den von dir für andere Künstler geschriebenen Songs. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Ja. Meine eigenen Sachen sind wesentlich persönlicher und kommen direkt von meiner Seele. Bei den Liedern, die ich weggebe, weiß ich, dass sie nicht wirklich für mich sind. Ich fühle mich auch wesentliche eingeschränkter, wenn ich für andere Künstler schreibe. Und das, obwohl ich nicht gezielt für einzelne Personen schreibe, sondern aus bestehenden Songs ausgewählt wird.

Wie schwer ist es, eigene Songs abzugeben und die Interpretation dessen, was du geschrieben hast, anderen Künstlern zu überlassen?

Es ist hart und leicht zugleich. Es ist hart, weil es meine Lieder sind, die teils sehr persönlich sind. Aber es fühlt sich gut an, weil es eine Auszeichnung meiner Arbeit ist.

Wie kam der erste Kontakt mit Rihanna zustande?

Durch Kanye.

Wie kam der erste Kontakt zu Kanye zustande?

Durch einen Typen, den ich über meinen Manager kennengelernt habe. Ich war dann mit Kanye im Studio. Er ist ein sehr kreativer Mann.

Wie entscheidest du, was du auf der Bühne trägst? Arbeitest du mit Stylisten zusammen?

Ich entscheide das meistens selbst. Meine Bühnenoutfits unterscheiden sich auch nicht allzu stark von meiner Alltagskleidung. Aber manchmal ruft mich mein Stylist Moses aus New York an und sagt: Du sahst schrecklich aus, was machst du denn? Er hilft mir hin und wieder. In erster Linie ist er aber einfach ein guter Freund von mir.

Wo werden deiner Meinung nach Trends gesetzt? Haben die Straße und der Club als Geburtsstätten von Trends im Zeitalter des Internets ausgedient?

Ja. Das Internet ist heute wesentlich wichtiger. Ich habe den Großteil der Leute, mit denen ich heute zusammenarbeite, über das Internet kennengelernt.

Hast du eine Strategie zum Schreiben? Bis zu welchem Grad ist Alkohol dabei förderlich? Gibt es andere Rauschmittel, die beim Schreiben zuträglich sind?

Es geht eigentlich nur um den richtigen Vibe. Ich muss mich wohlfühlen, um zu schreiben. Normalerweise habe ich ein Glas Chardonnay neben mir, dimme die Lichter und dann geht es los. Ich mache ich Musik an und freestyle. Dadurch, dass ich dauernd Texte und einzelne Sätze in ein kleines Buch schreibe, schwirren ganz viele Wörter und Reime in meinem Kopf herum. Deshalb arbeite ich extrem schnell, wenn ich einmal vor dem Mikrofon sitze. Ich kann gar nicht anders.

Welche musikalischen Bewegungen findest du momentan spannend?

Ich konsumiere Musik nicht wirklich. Ich bin nie online und suche aktiv nach neuer Musik. Manchmal höre ich zufälligerweise ein gutes Lied in einem Laden, dass mich dann inspiriert. Mehr aber auch nicht. Wenn ich einzelne Künstler nennen müsste, die ich gut finde, wären das Spooky Black, Frank Ocean und Haim. Ich kann mich aber nicht wirklich festlegen, weil in meinem Kopf zu viel passiert.

Du zeigst dich gerne und oft mit Joint im Mund. Warum inszenierst du dich so?

Ich bin ein bisschen verrückt im Kopf und eine extrem nervöse Person. Es passiert jeden Tag soviel um mich herum, da brauche ich meistens ein bisschen Weed, um mich zu beruhigen. Und es ist einfach Teil des Lifestyles, den ich lebe. Es geht nicht um ein „Bad Girl“-Image, es gehört einfach zu mir. Wenn ich auf Fotos von mir nicht kiffen würde, würden meine Freunde sagen: Wo ist der Joint? Und, um ganz ehrlich zu sein: Seit zwei Jahren rauche ich richtig oft. Davor war ich nicht so gestresst und habe es nicht so sehr gebraucht.

Du hast die Schule abgebrochen, später dann in L.A. deinen Abschluss nachgeholt. Was ist das Problem des deutschen Schulsystems?

Die Schule bringt einem bei, wie man Regeln einhält und Aufträge ausführt. Was sie nicht fördert, ist das Hervorbringen neuer Ideen, die Entwicklung von Innovationen. Es geht nur darum, möglichst viel auswendig zu lernen. Die Schule unterstützt niemanden, der sagt: Ich möchte ein neues Auto entwickeln, und zwar nicht auf traditionelle Art und Weise. Es heißt dann: Nein, du kannst das nicht so machen. Es gibt DEN einen Weg, wie ein Auto entwickelt wird, und keinen anderen. Das ist scheiße.

Deine Mutter ist gestorben, als du sechs Jahre alt warst. Inwiefern hat sich dieser Moment auf deine heutige Stimmung und die Person, die du heute bist, ausgewirkt?

Als meine Mutter gestorben ist, habe ich zum ersten Mal Schmerz verstanden. Ich habe gelernt, wie kurz das Leben ist. Ich weiß, wie viel das Leben wert ist und aufgrund dieser Erfahrung bin ich der Mensch, der ich heute bin. Die Erfahrung war extrem wichtig für mich.

Es gibt Vorwürfe, dass „Bitch Better have my money“ von Just Brittany kopiert ist. Was sagst du dazu?

L-O-L.

Existieren denn Original und Kopie im Jahr 2016 überhaupt noch? Kann die Kopie origineller sein als das Original?

Nein, niemals, das ist doch Diebstahl! Wenn absichtlich kopiert wird, um Geld mit der Leistung eines anderen zu verdienen, ist es total beschissen. Wenn man sich inspirieren lässt, finde ich das in Ordnung. Man wird schließlich von so Vielem beeinflusst. Aber direkte Kopien sind für mich nichts mehr als Diebstahl!

Das Interview führte David Jenal.

Category: Special

Tags: Bibi Bourelly, Kanye West, Rihanna

Von: David Kurt Karl Roth

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