Im Grusel-Dschungel: Kenzo x H&M

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Die Kooperationen von H&M mit gro├čen Designern und Modeh├Ąusern waren einmal eine gute Sache. Die Zusammenarbeiten mit Marni, Margiela und allen voran Comme des Garcons waren stilvolle, besondere Kollektionen aus der Hand legend├Ąrer Modesch├Âpfer, und das zu einem mehr als vertretbarem Preis.

Sp├Ątestens seit H&M im Herbst letzten Jahres gemeinsame Sache mit der Hausmarke aller Prolls, Balmain, gemacht hat, sieht das anders aus:┬ádie Zusammenarbeiten sind unter modischen Gesichtspunkten kaum zu vertreten, stilistisch eine wirklich gro├če Katastrophe und irgendwie sehr offensichtlich der Versuch, dem kleinen Mann mit kleinem Geldbeutel┬áein bisschen Glamour bieten zu k├Ânnen.

Die seit gestern erh├Ąltliche Koop mit Kenzo reiht sich da ganz gro├čartig ein. Gibt es f├╝r Frauen sogar noch einige tragbare Teile, ist die komplette M├Ąnnerkollektion eine gruselige, m├Âchtegern-popstarm├Ą├čige Ansammlung untragbarer Stofffetzen, die sich ohne Legitimation Mode nennen. Schien Stil den Kenzo-Designern schon immer eher Fremdwort als Maxime zu sein, dachten sie sich dieses Mal: es muss maximal schei├če werden. MAXIMAL.

Passend zur Kollektion gab es, nat├╝rlich, ein gro├čes Launch-Event, f├╝r das mal wieder eine eigentlich ehrenvolle Institution der Berliner Kunstwelt ihre R├Ąumlichkeiten zur Verf├╝gung stellte: die Kunstwerke in der Auguststra├če sollten am Mittwochabend der Ort sein, an dem die Welt zugrunde geht. Dass sich Galerien und nun sogar museale Einrichtungen f├╝r Events und Dinners gro├čer Mode-und Lifestylemarken hergeben, ist ganz abgesehen von der Qualit├Ąt der jeweiligen Veranstaltung eine zweifelhafte Entwicklung, die nicht zuletzt die zwischen den Veranstaltungen gezeigte Kunst ziemlich abwertet.

Die Kenzo-Veranstaltung war in hohem Ma├če unangenehm. Wo sonst Werke gro├čer internationaler K├╝nstler stehen und h├Ąngen, stand dieses Mal eine H&M-Filiale im Mikroformat, angef├╝llt mit den peinlichen Design-Erg├╝ssen aus dem Kenzo-HQ. Das eigentlich Krude an der Sache: es ging nicht etwa darum, der Presse vorab einen exklusiven Blick auf die Kollektion zu bieten, nein: man konnte die Teile direkt vor Ort kaufen, sich in ekelhafte H&M-T├╝ten stopfen lassen und dann selig nach Hause tragen. Man wird also EINGELADEN, (war ich nat├╝rlich nicht, aber die G├Ąstenlisten-Hostesse war, wie immer bei solchen Veranstaltungen: reichlich nachl├Ąssig) um etwas zu KAUFEN. Dass im gesamten Planungsprozess niemandem der Irrsinn dessen aufgefallen zu sein scheint, ist schon sehr verwunderlich.

Ebenso verwunderlich ist nat├╝rlich die Masse an Bloggern und sonst wie mit der Modewelt verbandelten Idioten, die sich mit Schwerstarbeit zwischen den Kleiderstangen dr├Ąngelten, einen Haufen Schrott ├╝ber dem Arm, nur um ihn kurz danach zum nahen Kassencounter zu schleppen und ihn dort f├╝r einen schmalen Taler zu erstehen. “Designer”-Mode im Kleiderschrank, endlich!

Mit der Zusammenarbeit von Kenzo und H&M ist ein neues Peinlichkeitslevel erreicht. Die Marke aus Paris ist schon lange nichts mehr als Statussymbol auf Privatschul-h├Âfen und Edeldiskotheken. Ja, so eine Marke hat ihre Daseinsberechtigung. Schei├če ist sie trotzdem. Welcome to the jungle.

Category: News

Tags: H&M, Kenzo

Von: David Jenal

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