Illustration statt Shootings: VOGUE ITALIA

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Die VOGUE erschien erstmalig 1892 in New York. Damals noch ohne Hochglanzfotos, die Entwürfe der Modeschöpfer wurden in Form von Illustrationen gezeigt. Ein paar Jahrzehnte später, Januar 2020, entschließt sich Emanuele Farneti, der Chefredakteur der italienischen VOGUE, wieder genau dorthin zurückzukehren: eine VOGUE – ausschließlich illustriert, die komplett ohne Shootings auskommt.

Es ist die erste VOGUE in der Ära der Hochglanzfotos deren Cover illustriert ist. Grund für diesen außergewöhnlichen Schritt: die brutalst schlechte Klimabilanz von teuren Fotoshootings – so erläutert Farneti im Vorwort der Januar Ausgabe der italienischen VGOGUE: “One hundred and fifty people involved. About twenty flights and a dozen or so train journeys. Forty cars on standby. Sixty international deliveries. Lights switched on for at least ten hours nonstop, partly powered by gasoline-fuelled generators. Food waste from the catering services. Plastic to wrap the garments. Electricity to recharge phones, cameras …”

Das gesparte Geld, so Farneti, komme der Restauration der Fondazione Querini Stampalia zu Gute, einem historischen Haus in Venedig, das während der Flut letzten November stark beschädigt wurde. Eine gute Tat, außerdem ein PR-Coup, denn die Welt berichtet über die von David Salle, Vanessa Beecroft, Cassi Namoda, Milo Manara und Delphine Desane illustrierte VOGUE, doch, da Bedarf es keinen hellseherischen Fähigkeiten, wird auch die italienische Vogue zukünftig nicht auf ihre Shootings verzichten.

Denn die VOGUE ohne die aufwendig produzierten Modestrecken wäre wie Queen ohne Freddy Mercury. Ohne Magie, ohne Zauber. Illustrationen statt Shootings – es wird bei einem einmaligen Experiment, einem PR-Stunt, einem kurzen Ritt auf der Sustainable-Welle bleiben – langfristig gesehen wäre eine konsequente Rückkehr zur Illustration – zurück zu den Anfängen von Mode-Zeitschriften – rückwärtsgewandt.

Die VOGUE ITALIA, so wird im Rahmen der Illu-Issue, stolz verkündet, wird fortan als einer der ersten Condé Nast Publikationen auf 100% kompostabele Plastik-Verpackungen setzen. Löblich, doch noch konsequenter, langfristiger gedacht als als eine öffentlichkeitswirksame One-Off-Action wäre der komplett Verzicht auf den Druck von Hochglanz-Modemagazinen, nur noch digital Inhalte veröffentlichen, das wäre wahrhaft zukunftsorientiert, außerdem würden keine Ressourcen mehr für Druck und Verpackung verschwendet.

Magazine müssten nicht mehr verschickt werden – das ist gut für die CO2-Bilanz – und außerdem müsste man nicht mehr Unmengen an Magazinen produzieren lassen, die keiner lesen will, nur um die Auflage und damit die Anzeigenpreise hochzutreiben. Das wäre doch “very sustainable”.

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Category: #dandydiaryspace

Tags: VOGUE Italia, Vogue Italy

Von: David Kurt Karl Roth

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