Hood Couture

🥊🥊
© Balenciaga

Als paradoxes Symbol von Konter-Kultur verwebt der Hoodie Anonymität und Statement zugleich in leichten Sweat-Stoff und wird damit zu einem gesellschaftlichen Prisma: hinein strahlt man Identität; was er letztlich ausspuckt, sind Wahrnehmung und Reaktion der Gesellschaft. Denn unter der nonchalanten Ästhetik des Hoodies lauert das hässliche Gesicht sozialer Ungerechtigkeit.

Für den ein oder anderen mag der Hoodie das perfekte Mittel sein, sich unsichtbar zu machen. Einfach, weil man in der breiten Masse untergeht, sich anonymisiert. Gleichermaßen demonstriert er damit deutlich komplexe Metaebenen weißer Privilegien.

So ist der Hoodie ein bekanntes Symbol des Silicon Valleys. Hier sitzt die lässige US-Elite in Sachen Software-Entwicklung und trägt Kapuze als Zeichen gegen das Stigma traditioneller Unternehmenskultur. In schwarzen Communities ist es hingegen der Hoodie, der zum Stigma wird und zum Zweck von Racial Profiling instrumentalisiert wird. Traurige Prominienz erhielt 2012 die Ermordung Trayvon Martins, einem 17-jähriger Schüler, der von einem Mitglied der örtlichen Nachbarschaftswache erschossen wurde, weil er sich „auffällig verhielt“–also einen Hoodie trug. Anschließend hatte der TV-Moderator Geraldo Rivera schwarze Jugendliche dazu aufgerufen, keine Kapuzenpullover mehr zu tragen, um sich nicht in Gefahr zu bringen, was auf heftige Kritik stieß. Der Todesschütze wurde letztlich nicht verurteilt und habe nur aus Notwehr gehandelt, was zur Entstehung der BlackLivesMatter-Bewegung führte, die den Hoodie zu einem Symbol von Widerstand, Ungerechtigkeit und rassistischen Stereotypen etablierte.

Modehistorisch kroch der Prototyp des Hoodies bereits im Mittelalter aus der Fashion-Ursuppe hervor – damals noch als Gugel bezeichnet. Sie war fester Bestandteil der formellen Kleidung des Klerus, letztlich aber nicht mehr als eine Kapuze, die an ein Schulter-umspannendes Cape genäht war.

In seiner heutigen Erscheinungsform trat er dann erst wieder in den 1930ern auf –wie auch heute noch produziert von Champion– und konzipiert als wetterfeste Kleidung für Arbeiter und Boxer. Von hier aus gelang er in den Hip-Hop und um die 1990er durch Marken wie American Apparel in den Mainstream. Mithilfe von Marken wie Supreme und Vetements erklomm der Hoodie in den letzten Jahren die Stufen des (zweifelhaften) Luxus Fashion-Olymps und ist seitdem ein fester Bestandteil kontemporärer Streetwear.

Trotz seiner gefühlten Omnipräsenz ist der Hoodie also weit mehr, als nur ein Basic im Kleiderschrank. In seine Textur sind Schweiß, Blut und Rassismus verwoben, was ihn zum politisch und sozial geladensten aller Kleidungsstücke macht. Ein Status, der ihm nun auch eine eigene Ausstellung in Rotterdam verschafft hat.

Category: #dandydiaryspace

Tags: BlackLivesMatter, Vetements

Von: Fabian Alexander Stammen

Instagram