Holding out for a Hero

🦹‍♂️🦹‍♂️

Ein paar Steroide hier, eine komplett neue Botox-Visage da – schon sind Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger wieder fit für die aktuellen Fortsetzungen der Kult-Filme Terminator und Rambo. Parallelen zum Ettiketenschwindel an der Fleischwursttheke mögen aufkommen, wenn die alteingesessenen Muskel-Mimen wieder schwerbewaffnet über die Leinwand flitzen und massakrieren, was bei drei nicht auf den Bäumen sitzt. Ebenso gammlig wie das menschgewordene Formfleisch ist allerdings auch das Klischee des muskelbepackten Heroen, der die Jungfrau in Nöten errettet. Wie sehen dagegen aber zeitgemäße männliche Filmhelden in einer Ära aus, die von toxischer Maskulinität, Genderfluidität und Mut zum Dadbod geprägt sind?

Zugegeben, Abweichungen von der „Norm“ gab es auch schon in Zeiten, zu denen sich das Stereotyp des muskelmassigen Helden etablierte. Die Star Wars-Saga war hier insbesondere federführend und präsentierte schon in den späten Siebzigern männliche Protagonisten, die erst noch in die Schuhe des Filmhelden wachsen mussten. Selbst nicht frei von Fehlern und gezeichnet von emotionsgeladenen Backstories, scheuten sie sich auch nicht davor, Gefühle zu zeigen. Ein Maßstab, der auch heute definitiv noch von Relevanz ist und zunehmend wieder an Bedeutung gewinnt.

Ein positives Beispiel hierfür wären zum Beispiel die Superhelden der Marvel-Reihe. Während Thor beispielweise in seinem Debüt-Film 2011 noch alle draufgängerischen Prollo-Vorurteile bediente, sah es bei seinem letzten Auftritt in Endgame schon etwas anders aus: Vom Verlust seines Bruders und seiner Heimat schwer traumatisiert, lässt er sich gehen, gerät gänzlich aus der Form und verliert sämtlichen Hang zum Heldentum. Ein Umdenken hat stattgefunden, hin zur realitätsgetreuen Darstellung eines gebrochenen Menschen, dem die glänzende Rüstung des Retters in der Not (buchstäblich) nicht mehr passt.

Ähnliche Motive zeigte auch der letzte Film der Star Wars-Saga. Während wir Luke Skywalkers Aufstieg hin zum (schon tendenziell etwas softeren) Helden in der klassischen Trilogie mitverfolgten, sah nun alles nicht mehr so rosig aus: Ebenfalls durch Verluste traumatisiert hatte sich Luke ins Exil begeben und damit den Aufstieg des Bösen zumindest passiv begünstigt ( David Cameron, anyone?). Von der jungen Generation ans Cyborg-Händchen genommen, kehrt er letztlich aber doch aus der galaktischen Rente zurück und stellt sich dem Imperium. Das jedoch nicht als hochstilisierte und wild mordende Ein-Mann-Armee, sondern mit Köpfchen und List.

Zu guter Letzt ein etwas polarisierender Kandidat: der Joker. Und bevor ich mich später dem Mann mit pathologisch rau-tiefer Stimme im schwarzen Latexanzug stellen muss (was zugegeben in Berlin relativ häufig vorkommt): Sicherlich ist der Joker kein Held im klassischen Sinne und erst recht kein Vorbild. Ein interessantes Beispiel des aktuellen Trends ist er aber allenfalls. Als Ewig-Geächteter in einer sozial gespaltenen Stadt sucht er letztlich nur nach Anschluss. Mit jeder Anfeindung entfernt er sich zusehends von der Gesellschaft, bis er schließlich manifestiert, als was sie ihn sieht: einen Clown und ein Monster.

Wie sieht also zusammenfassend das Bild eines zeitgemäßen Filmhelden aus?

Während sich die klassischen Heroes Monstern in verschiedensten Formen stellten, kämpft der Held von heute einen erbitterten Kampf gegen seine inneren Dämonen; das macht ihn authentisch, das macht ihn relatable. Wo damals ziellos um sich geballert wurde, ist heute Schläue und Rationalität gefragt. Er ist in der Lage, seine Gefühle zu zeigen und mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren, anstatt zu blinder Gewalt zu greifen. Er ist –schlichtweg– eine (mehr oder weniger normale) Person, deren Komplexität über das Volumen ihres Bizeps‘ hinausgeht. Und seien wir ehrlich: Wer außer Brigitte Nielsen will schon einen John Rambo in seinem Umfeld?

Category: Trends

Tags: Marvel, Rambo, Star Wars, Terminator

Von: Fabian Alexander Stammen

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