Hemmungslos und moralbefreit: Zara kopiert Künstler

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Dass bei Zara die Originalität der Entwürfe nicht oberste Maxime sind, ist nichts Neues. Mit welcher Arroganz und Dreistigkeit der Fast-Fashion-Konzern aber jetzt vorgeht, ist beeindruckend im schlechtesten Sinn.

Für eine ganze Reihe von pseudo-hippen Pins, Prints, und Patches hat man sich das in Spanien ansässige Unternehmen offenbar an der Leistung gleich mehrerer Künstler und Illustratoren bedient.

Dass sich Zara ganz offensichtlich und absichtlich an den Entwürfen großer Modehäuser orientiert, ist seit Anbeginn der Fast-Fashion-Ära gang und gäbe. Das ist angesichts der Umsätze in Millionenhöhe, die Gucci, Prada und Konsorten weiterhin machen und einem absolut nicht mehr zeitgemäßen, da im Vergleich zur ersten Präsentation ganz sechs Monate hinterherhinkenden Verkaufsstart zumindest ein Stück weit nachvollziehbar. Sicher: Die feine Art ist das nicht. Verständlich und bis zu einem gewissen Punkt vertretbar ist das Vorgehen aber letztendlich doch, geben die Luxushäuser den Discountern durch den langen Zeitraum zwischen Veröffentlichung und Verkauf erst die Möglichkeit, zu Kopieren und das Produkt als erster auf dem Markt zu haben.

Der Fall der mehr als 20 Künstler, die sich jetzt von Zara hintergangen und betrogen fühlen, unterscheidet sich davon aber grundlegend. Zum Einen stammen die Illustrationen von einzelnen, unabhängigen Künstlern, die weit davon entfernt sind, ein Millionenunternehmen mit noch größerem Konzern im Rücken zu sein. Zum Anderen wäre zumindest ein Teil der Künstler einem Verkauf des eigenen Erzeugnisses an Zara sicher nicht abgeneigt gewesen: Das eigene Design auf abertausenden T-Shirts und Pins zu wissen, erfüllt garantiert jeden nicht völlig auf dem linken Indie-Trip hängengebliebenen Zeichner mit Stolz.

Den Entwürfen der großen Designer und Modehäuser ist eine breite Öffentlichkeit ohnehin sicher – den unabhängigen und weitestgehend unbekannten Künstlern nicht. Insofern ist deren Verärgerung, die sie hier auch nochmal deutlich kommunizieren, mehr als nachvollziehbar. Der Umsatz von Zara lag im letzten Jahr bei unfassbaren 20,9 Milliarden Euro. Schwer vorstellbar, dass davon nicht wenigstens ein paar Tausender für diejenigen übrig bleiben, die es nötig hätten und mit deren Leistung die Kette letztendlich das Geld verdient.

Kopie und Original verschwimmen immer mehr und die Urheberrechtsfrage ist im digitalen Zeitalter sowieso nur noch sehr schwer zu beantworten. Vor einem Jahr war die Berliner Künstlerin Sarah Illenberger in einen ähnlichen Fall mit H&M verwickelt, nachdem die Schweden eines ihrer Werke kopiert hatten. Sie zeigte sich damals entspannt und realistisch.

Wer seine Inhalte im Internet zur Verfügung stellt, muss davon ausgehen, dass sie weiterverbreitet und für nicht vorhersehbare Zwecke verwendet werden. Eine Dreistigkeit wie die, die sich Zara nun erlaubt hat, muss und kann man aber nicht erwarten. Eine Entschuldigung und Geld eigentlich schon. Es wird wohl nichts von Beidem geben.

Category: News

Tags: Kopie, künstler, Zara

Von: David Jenal

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