“Trend”, ein Begriff, auf den ein Großteil der Modemacher allergisch reagiert.

Wieso eigentlich?! Ein Trend früh genug zu erkennen, in einer Kollektion abzubilden, oder noch viel besser: zu setzen (eher selten der Fall; Ausnahmen: Prada, Raf Simons etc.) ist keinesfalls verwerflich, sondern sollte wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Modedesigners sein.

Doch die Begriffe “Trend” oder noch schlimmer: “trendy” klingen so fürchterlich trivial, so sehr nach GLAMOUR und Co., dass die wenigsten Modedesigner damit etwas zu tun haben wollen. Ihr künstlerisches Schaffen, so meinen nicht wenige, sei nicht abhängig von aktuellen Modetrends.

Doch auch bei denjenigen Designern, die glauben unabhängig zu arbeiten, wird man rückblickend höchstwahrscheinlich gut erkennen können, in welchem Jahrzehnt ihre Entwürfe erschaffen wurden.

Klar, es ist wichtig, seinen eigenen Stil zu finden. Doch zu den Frauen, die sich seit der 5. Klasse – unabhängig vom Zeitgeist – für immer auf Haarschnitt und Brillenmodell festlegen, will man doch auch nicht gehören, oder?

Wie stehen die jungen Designer der Berlin Fashion Week zum Thema Trend. Wir haben mal bei Julian Zigerli, Sadak, Bobby Kolade und Hien Le nachgefragt:

JULIAN ZIGERLI 

Wie wichtig sind dir Trends?

Fürs Business sehr wichtig, für den Design-Prozess und mein Leben eher unwichtig. Ich arbeite da sehr intuitiv.

Welche Rolle spielen Trends in deiner Arbeit? Wichtig oder belanglos?!

Es ist wichtig zu erkennen, wenn was kommt oder schon vorbei ist. Besonders wenn etwas schon sehr ausgelutscht ist interessiert es mich umso weniger und ich sträube mich automatisch dagegen wieder damit zu arbeiten. So stehen mir Trends bzw. verflossene Trends nicht im Weg bei meiner Arbeit. It all comes natural!

HIEN LE

Wie wichtig sind dir Trends?

Für mich persönlich nicht wichtig. Ich habe mich noch nie nach irgendwelchen Trends gerichtet, aber plötzlich immer wieder mal bemerkt, dass bestimmte Sachen plötzlich zum Trend werden, die ich selber schon Jahre zuvor gemacht oder getragen habe, ohne überhaupt daran zu denken, dass es ein Trend werden könnte.

Welche Rolle spielen Trends in deiner Arbeit? Wichtig oder belanglos?!

Ich denke, dass Trends schon eine allgemein wichtige Rolle in der Mode spielen, aber nicht direkt in meiner Arbeit.
Ich befasse mich nicht direkt mit Trends und richte mich beim Arbeiten auch nicht nach Trends… Das passiert eher unbewusst im Unterbewusstsein, wenn ich beim Ergebnis dann Parallelen zu aktuellen Trends oder Trendvorhersagen sehe.

BOBBY KOLADE

Wie wichtig sind dir Trends?

“Trend” ist einer der vielen Begriffe in der Branche, die ich gerne vermeide.

Welche Rolle spielen Trends in deiner Arbeit? Wichtig oder belanglos?!

Wenn man den Schwerpunkt auf Kreativität setzt und mit seiner Kollektion ein bestimmtes Gefühl oder eine Attitüde vermitteln möchte – dann haben Trends Hausverbot im Studio. Wir arbeiten sehr intuitiv und mit Bauchgefühl. Außerdem hat die Kundin von BOBBY KOLADE keine Zeit für Trends, sie ist sehr neugierig und macht ihr Ding.

Besonders aggressiv, jedoch auch mit interessanten Ansichten und Ansätzen, reagierte SADAK auf das Hassthema “Trend”. Hier seine Antwort, in Englisch, in Originalton, in voller Härte:

SADAK 

A “Trend” in 2015 is a marketing expression which occurs when a new design is accepted and sells in sufficient quantity in some markets, and then creates a demand from consumers across a broader market.

Basically nowadays a “Trend” is a result of marketing guerrillas who are a part of large luxury and non luxury brands companies like Gucci, Prada, Givenchy, H&M etc. whit a large financial background ,which can “predict” or determine what is “trend” for a next season ! Placing everywhere a garment on billboards, magazines, social medias for common people to see and “ think” thats a “trend”

SADAK ,me Sasa Kovacevic, say to all of that, FAKERY !!! I’m sorry but thats not TREND or STYLE SHIFT ! Unfortunately we are all not blind and its not all prewritten in magazines or on some fancy “it social media experts” Therefor a trend today in 2015 for me doesn’t mean anything nor it plays any role for my personality.  Its just invented term for consumers to buy more clothes.

For me the honest and true trend setter is a 22 year old kid who goes to Humana (vintage store) buys a blazer from 70s cuts the sleeves and collar off and rock the same blazer on the street without reading “trend predictions” from some self entitled “experts”.