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Große Enttäuschung: SAINT LAURENT BY HEDI SLIMANE – Frühjahr/Sommer 2013 Kollektion

Wer sich im Frühjahr und Sommer des kommenden Jahres so kleiden möchte, wie reich geborene Möchtegernrockstars im Teenageralter anno 2005, möge sich bitte die komplette Menswear-Kollektion von SAINT LAUREN kaufen. Allen anderen empfehlen wir dringend, die Finger davon zu lassen.

Denn in den Jahren, in denen sich der neue SAINT LAURENT-Designer, Hedi Slimane, der fotografischen Lust an schmalbrüstigen Knaben hingab, hat sich die Männermode weiterentwickelt.

Die Zeit, in der Slimane die Männerkollektion des großen Modehauses DIOR erfunden und Karl Lagerfeld für diese scharf geschnittene, ultra-schmale Mode radikal abgenommen hat, ist vorbei. Mittlerweile beherrschen andere Player die Szene. Nicht zuletzt Slimanes Erzfeind Raf Simons, dessen Männermodekollektionen für JIL SANDER sich gar besser verkauften als die Damenmode – und der jetzt die Kreativ-Leitung bei DIOR übernommen hat. Letzteren Job hätte, so heißt es in Szene-Kreisen, auch Slimane gern gemacht. Doch das hat wohl Karl Lagerfeld verhindert, über den Slimane einst sagte, seine Meinung bedeute ihm nichts. Das wiederum hat den weißhaarigen Paten ziemlich geärgert, woraufhin er bei Bernard Arnault, Konzernchef von LVMH und damit Herrscher über DIOR und FENDI (Chefdesigner: Karl Lagerfeld), interveniert und eine Berufung Slimanes verhindert haben soll.  Slimane verweist seither mit Nachdruck darauf, dass er es war, der den Skinny-Look beim Mann etabliert hat – und eben nicht Raf Simons, sein Feind.

Vielleicht ist es diese Obsession mit dem eigenen Erbe, die Slimane blind werden lässt für aktuelle Trends, für geänderte Zeiten – und für neue Bilder vom Mann.

Denn mittlerweile sehen wir in der Männermode wieder kräftigere Silhouetten. Während bei Slimanes SAINT LAURENT-Designs für 2013 immer noch schmalschultrige Jungs enge Lederjacken tragen, rutscht in der restlichen Branche die Schulter auffällig nach außen, wird breit. Und während die gesamte Modewelt aktuell Sneakers trägt, empfiehlt Slimane für das kommende Jahr mal wieder Chelsea-Boots. Das wirkt alles ziemlich unmodern, ja fast schon anachronistisch und irgendwie eklig selbst-referentiell.

Was sollen wir groß sagen? Slimane ist – abseits von dem hervorragenden Gossip, den er produziert – eine ziemliche Enttäuschung.

Schade Schokolade. Aber vielleicht kommt da ja noch was. Irgendwann.*

* Nach diesem Blog-Post aber sicherlich keine Einladung zu einer SAINT LAURENT-Show, dessen sind wir uns bewusst.

Fotos: Hypebeast.com

FASHION SHOWS

 

Fashion Week-Kalender: BURBERRY schafft Saisons ab

Wir hatten es im Januar in London schon beobachtet: BURBERRY rückt vom klassischen Fashion-Week- und Verkaufs-Zyklus ab und ordnet seinen Kalender neu.

Ab September 2016 wird BURBERRY nur noch zweimal jährlich eine Modenschau zeigen, die saison-unahängig sein und sowohl Männer- als auch Damenmode zeigen wird. Die gezeigte Kollektion soll unmittelbar nach der Modenschau in den Stores erhältlich sein.

Das ist ein Novum in einer Branche, die sich sonst sklavisch an die Saisonteilung von Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter hält und in diesen Zeitläufen denkt.

Damit ist BURBERRY wieder mal Vorreiter in einer Branche, die sich in den vergangenen Jahren immer weiter zerklüftet hat. Städte wie New York, die jüngst wieder eine Trennung zwischen Männer- und Frauen-Fashion-Week eingeführt haben, sehen so eher alt aus.

Die Lücke zwischen Modenschau und Erhältlichkeit im Geschäft wird so ebenfalls geschlossen – sehr zum Leidwesen großer und schneller Kopisten wie ZARA und H&M.

Die Modenschau wird in dieser Entwicklung nicht mehr zum Bestellen dienen, sondern wohl noch mehr Verkaufs-, Blogger- und Promi-Event werden.

Unklar ist, wie sich die Rolle des Einkäufers, bis dato eine der Schlüsselfiguren der Branche, wandeln wird beziehungsweise wann und wo Einzelhändler Ware für ihre Geschäfte bestellen können.

BURBERRY Chef-Designer, CEO Und Vordenker Christopher Bailey sagt zu den Veränderungen:

“The changes we are making will allow us to build a closer connection between the experience that we create with our runway shows and the moment when people can physically explore the collections for themselves. Our shows have been evolving to close this gap for some time. From livestreams, to ordering straight from the runway to live social media campaigns, this is the latest step in a creative process that will continue to evolve.”

Wir stellen fest: BURBERRY ist mit seinen Innovationen den Marktteilnehmern mal wieder weit voraus. Christopher Bailey ist, was die Kommunikation seiner Kollektionen angeht, ein Visionär und kluger Beobachter von Zeitläufen. Ein wenig mehr von dieser Avantgarde-Denke würden wir uns auch für die nun saisonlosen BURBERRY-Kollektionen wünschen.

NEWS

 

Dov Charney gründet sein eigenes Label

Über den Fall Dov Charney haben wir hier oft berichtet.

Der Ex-Mastermind von AMERICAN APPAREL wurde aufgrund von Eskapaden (sexuellen Belästigungen etc.) und finanzieller Talfahrt des das von ihm gegründeten Unternehmens entlassen. Doch Dov kämpfte wie ein Löwe für seine Rückkehr.

Dov und seine Gefolgschaft demonstrierten vor der AA Zentrale. Anwälte wurden eingeschaltet, doch es half alles nichts, kürzlich wurde klar: „It’s not gonna happen“. Eine Rückkehr von King Dov zu American Apparel ist ausgeschlossen.

Daher gründet Charney jetzt einfach sein eigenes Label, bei dem man sich auf die Produktion von in den USA produzierten Basics konzertieren wird, so wie bei American Apparel.

Chad Hagan – einer der mutigen Investoren der neuen Marke, deren Name noch nicht kommuniziert wurde, sprach mit WWD über die Strategie:

„Wir wollten kein lustiges, x-beliebiges Online-Brand gründen, sondern das tun, was Dov am besten kann: Basics produzieren. Zielsetzung sind echte Stores. Erst im zweiten Schritt werden wir uns auch auf E-Commerce“ konzentrieren.“

Wir freuen uns schon auf neue Sex-Geschichtl aus Dov’s Office und fragwürdigen, schlüpfrigen Kampagnen.

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