George Nebieridze

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„Nothing is staged“ betont der in Berlin lebende Fotograf George Nebieridze immer wieder in zahlreichen Interviews. Seine Bilder sind ungefiltert, zeigen oftmals skurrile Situationen, unbefangene Momente.

Eine Frau, die sich beim Kochen das T-Shirt über den Kopf zieht, so dass man zwar nicht mehr ihr Gesicht, dafür aber – auch schön – ihren Brüste zu Gesicht bekommt. Vier Männer in Boxershorts im Kreis sitzend, liegend. Afterparty!

„Ich finde Dinge wie Drogen, Gay Culture und sexuelle Befreiung sehr fotogen.“, erklärt George dem METAL Magazine. „Vielleicht liegt meine Faszination daran, dass ich aus einem Land komme, wo diese Dinge ein Tabuthema darstellen”.

Der 27 – Jährige Fotograf stammt ursprünglich aus Georgien, Tbilisi. Einer Gegend, die spätestens seitdem heroischen Aufstieg der Gvasalia Brüder auch unter Modejüngern bekannt sein dürfte. Aufgewachsen ist er in einer Künstlerfamilie: Sein Vater ist Maler und Musiker, seine Mutter ebenfalls Künstlerin und sein Bruder drückte dem kleinen Geroge bereits mit 14 das erste Mal eine Digicam in die Hand. Seitdem ist die Fotografie ein Thema, das ihn komplett einnimmt. Bereits als Teenie-Boy hatte George seine Kamera immer dabei und fing scheinbar willkürlich „komische“ Momente ein, wie er sie beschreibt.

“Nothing is staged.”

Nach dem Bachelor in Soziologie zog es George nach Berlin. Nach einem Jahr in BIG B widmete er sich seinem eigenen Fotobuch: ’15, mit dem er sein Jahr in der Stadt dokumentiert. Das Close-up eines Europazeichens auf einem Kennzeichen, Schattenspiele auf Hauswänden, Zigaretten auf Partys, blaue Flecken auf Oberarmen und Blumen auf dem Balkon.

“’15 is ein Porträt von mir, von dem was mich ausmacht, selbst wenn es keine Fotos von mir selbst beinhaltet. Ich versuche meine Angewohnheiten und Bräuche und Verlangen zu reflektieren und zusammen zu packen.”

Mittlerweile wohnt er seit vier Jahren in Berlin. Seinen Heimatort verließ der damalige Student vor allem deshalb, weil „die Gesellschaft die einfachsten Anzeichen von Freiheit immer noch als Tabu betrachtet“, wie er es dem I-D Magazine erklärt.

Der junge Fotograf begriff sehr schnell, dass es da draußen mehr geben muss, mehr als die eingefahrenen Geschlechterrollen, die Feier von Diversität, keine Homophobie und Diskriminierung.”

So zog es ihn aus seiner postsowjetischen Heimat ins vergleichsweise freie Berlin, „Nach Berlin zu ziehen war für mich ein Akt der Rettung und plötzlich wurde ich von Dingen begeistert, die ich früher nie gefühlt hatte.“ erklärt er SLEEK. 

Auch in weiteren Projekten stellt sich immer wieder die besondere Beziehung des Fotografen zu seiner Wahlheimat heraus. Unter dem Titel „Nobody’s from Berlin in Berlin“ schoss er Leute, die er auf Partys, auf der Straße oder in Parks traf und sammelte diese. Immer wieder betont er, dass es die Menschen sind, die diese Stadt so besonders machen.

„Ich empfinde diese Vielfalt als extrem attraktiv und schön. Eine Sache, die ich ganz sicher sagen kann, dass diese Leute die richtigen Berliner sind, die Individuellen, die die diese Szene kreieren und die Kultur hier zu dem machen, was sie ist. Berlin wäre nur eine andere graue industrielle Stadt ohne Charakter – ohne uns.“, erklärt er i-D.

Im November letzten Jahres kehrte er dann zum ersten Mal zurück nach Tbilisi, der Hauptsadtregion seines Heimatlandes, im den rund ein Viertel der Bevölkerung von Georgien leben. Der Grund für seine Reise: „The Fruit“, seine Ausstellung der Bilder, die er vor seiner Zeit in Berlin in Tbilisi geschossen hat.

Dabei handelt es sich um rund 70 Bilder, welche in der Zeit von 2006 bis 2013 von dem Fotografen aufgenommen wurde. „Ich spreche viel über Rassismus, Homophobie und Gewalt, was leider alles noch sehr weit verbreitet ist in Georgien. Aber in dieser Serie möchte ich die hellere Seite von Georgien zeigen.“, erzählt er im Gespräch mit dem Calvert Journal.

 

Bilder von Exzessen, Partynächten und Afterhours, dabei immer seine Freunde im Fokus, die seinen Bildern eine Intimität verleihen. Diese Vertrautheit findet sich nicht nur in FRUIT, sondern auch in ’15 und in den Dokumentationen auf seinem Blog wieder. Ein weiteres wiederkehrendes Element stellen die Bilder von scheinbar wahllos fotografierter Natur, Architektur und Details aus dem Alltag dar, die neben den Party-Shots für eine ausgleichende Harmonie sorgen.

„Ich weiß, dass ich noch so viele Menschen, Situationen fotografieren möchte”, erklärt George I-D. „Es ist faszinierend wieviele inspirierende Menschen nach Berlin und kommen und gehen, es ein nicht enden wollender Strom an Einfluss. Es ist unglaublich, es wird immer mehr und mehr.”

Category: Special

Tags: Berlin, George Nebieridze

Von: Angelika Watta

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