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Flotter Dreier: Stefano Pilati neuer Designer bei ERMENEGILDO ZEGNA und AGNONA

Wir wissen nicht genau, wie es Stefano Pilati ging, als er bei der großen Designer-Rochade zu Beginn des Jahres leer ausging. Wir erinnern uns: Jil Sander löste Raf Simons bei JIL SANDER ab, Simons ging zu DIOR und folgte dort auf den gefeuerten John Galliano. Bei YVES SAINT LAURENT (YSL) wurde Pilati durch Hedi Slimane ersetzt, der kurzerhand das YVES aus dem Markennamen strich. Am Ende hatten alle neue Jobs – nur einer nicht. Stefano Pilati.

Das muss den von uns hoch verehrten Pilati ziemlich gewurmt haben. Und dann sagte auch noch Yves Saint Laurents Loverboy Pierre Bergé, er sei glücklich, dass Pilati nicht länger Designer bei YSL sei. Alles nicht so schön.

Vielleicht liegt es an diesen Kränkungen, dass Pilati sich jetzt als Designer für gleich zwei Labels bestätigen ließ: Der in Paris lebende Italiener wird nach Mailand ziehen und dort ab dem 1. Januar 2013 als Leiter der Designabteilung die Menswear von ERMENEGILDO ZEGNA und als Creative Director die Womenswear-Linie der Luxusmarke AGNONA verantworten. Mhh. Nun ja.

Auf uns wirkt das ein wenig, als käme ein sitzengelassener Mann mit gleich zwei Frauen im Arm bei seiner Ex langspaziert.

Leider sind diese beiden Bräute in seinem Arm ein wenig heruntergekommen und bei weitem nicht so attraktiv, wie die Dame, die ihn verschmäht hat. Kann aber auch sein, dass wir uns täuschen – und ZEGNA und AGNONA zwei irre geile Top-Bräute sind. Wir werden sehen.

SPECIAL

LOOKBOOKS

 

Chris Brown x SNIPES – Capsule Collection

Nachdem SNIPES neulich schon mit dem Rapper Machine Gun Kelly kollaborierte, geht es nun mit Chris Brown in die nächste Runde. Passend zum Style des Sängers gibt es eine Capsule Collection mit Kapuzenpullovern in pastelblau und rosa, einem astreinen Jogginganzug, der selbst jeden Ost-Londoner Halbstarken Stolz machen würde und einem Trikot-Jersey. Alles auf den Punkt genau zeitgemäß. So macht man das heutzutage.

Der Sänger, der – glaubt man der Legende (was wir ja immer sehr gern tun) – in einer Tankstelle aufwuchs, mit 15 Jahren entdeckt wurde und dann schnell seinen ersten Nummer 1-Hit hatte, sagt zur Zusammenarbeit mit dem Streetwear-Label: „SNIPES fördert Kreativität und versteht, dass Künstler sich entwicklen. Mir als Künstler ermöglichst das mit einer Lifestyle-Brand ohne Kompromissen zu arbeiten und meine Kreativität zum Ausdruck zu bringen.“

Im zur Kollektion erscheinenden Video zeigt Brown dann auch gleich mal, wie GENAU er seine Kreativität zum Ausdruck bringt: er tanzt extrem smooth durch die Gegend, junglet durch die nächtliche Großstadt und malt ein Graffiti auf eine Leinwand.

Die Chris Brown x SNIPES-Kollektion ist ab dem 6. Juni online auf www.snipes.com und in ausgewählten SNIPES-Stores erhältlich. 

 

NEWS

 

NikeLab x Olivier Rousteing oder: Das Übertreffen der eigenen Stillosigkeit

Dass Olivier Rousteing, Kreativdirektor bei Balmain, sich bei uns mit seinen Entwürfen in der Vergangenheit nur mittelmäßig beliebt gemacht hat, ist kein Geheimnis. Die Zusammenarbeit von Balmain und H&M war in jeglicher Hinsicht ein Verbrechen an der Modebranche und eine Zumutung für jeden stilbewussten Bewohner dieser Erde. Und auch im Tagesgeschäft bei Balmain beweist Rousteing wenig Gespür, dafür aber regelmäßig seine große Liebe zu Gold, Protz, Zweireihern und V-Ausschnitten.

Als wäre das nicht schon mehr als zu viel des Guten, hat der junge Olivier sich jetzt auch noch an Nike vergriffen. Für deren Innovations-Ableger NikeLab hat Franzose Fußballschuhe, Trainingsjacken und Tops gestaltet, die unter dem Einfluss von Rousteing sichtlich gelitten haben.

Viel Gold, unzählige Kordeln und Schnüre, Glanz-Effekte und Reißverschlüsse lassen die eigentlich mehr als tragbaren Nike-Produkte aussehen wie ein Best Of von Defshop, dem wohl stillosesten aller Online-Shops.

Warum Nike sich auf das Experiment, das auf stilistischer Ebene vollkommen nach hinten losgegangen ist, eingelassen hat, liegt auf der Hand: Der prollig-maskuline Style von Rousteing erfreut sich weiterhin größter Beliebtheit. Verkaufen wird sich die Kollektion blendend. Denn neben dem einfach Fußvolk sind vor allem Profi-Kicker von Prunk und Protz mehr als angetan. Ein “echter” Fußballer wurde bereits in der stillosesten aller Trainingsmonturen gesichtet: Cristiano Ronaldo posierte bereits für das Lookbook der Zusammenarbeit von Olivier und Nike. Na dann.

VIDEO

TRENDS

 

Soft Hardcore: Der Siegeszug der Metal-Hipness

Spätestens, seitdem es Kiss-Bassist Gene Simmons vor zwei Jahren verkündete, ist Rock offiziell tot. In musikalischer Hinsicht sind Hiphop, elektronische Musik und naturgemäß Pop tonangebend. Und auch auf subkultureller, modischer und gesellschaftlicher Ebene schien Rock mehr und mehr stiefmütterlich behandelt, ja, nahezu bedeutungslos. Bis jetzt.

Denn: Die Metal-Ästhetik und mit ihr die Logos und Artworks von dem Genre zugehörigen Bands sind angesagter denn je. Justin Bieber trägt regelmäßig T-Shirts mit Metallica-Prints, Supreme hat bereits mehrfach mit Black Sabbath eine Kooperation herausgebracht, deren Käufer vermutlich noch nie auch nur einen Song der Band gehört haben. Und eine mehr als offensichtliche Iron-Maiden-Referenz gab es bereits bei Balenciaga zu bestaunen.

Flammen-Motive, über deren modische Relevanz wir bereits hier berichtet haben, sind vor allem dank Vetements wieder und völlig unerwartet mehr als hip, ebenso wie Schriftzüge in Fraktur und ein religiös-mystisch anmutender Vibe. Die Fraktur hat Kanye West mit seinem Merch zu „The Life of Pablo“ kurzerhand zumindest halbwegs von ihrem in der rechten Szene verorteten Image befreit. Und Rick Owens vertritt seit Jahren hoch erfolgreich eine verrucht-rockige Stimmung, die nicht mehr nur im Berghain gut anbekommt.

Die Rückkehr einer in ihren Grundzügen maskulin-aggressiven Ästhetik hängt mit Sicherheit mit dem sich wandelnden Männerbild zusammen, über das Adriano Sack und Frederik Schwilden bereits an dieser Stelle schrieben. Während die für Männer typischen, vor Kraft strotzenden und prolligen Eigenschaften mehr und mehr verloren gehen, findet auf ästhetischer und stilistischer Ebene eine Kompensation eben dessen statt: Tattoos, Bärte, gestählte Körper und auch der Metal-Szene entlehnte Codes und Motive lassen den vermeintlich geschwächten Mann weiterhin stark erscheinen. Zumindest von außen.

Dazu kommt ein Grundproblem, mit dem sich alle Designer konfrontiert sehen: Dem Aussterben der Subkulturen. Während es in den vergangenen Jahrzehnten unter Jugendlichen zum guten Ton gehörte, sich von der Masse abzugrenzen, einer Subkultur zuzugehören und so Rebellion und das Anders-Sein zu üben, wollen Jugendliche mittlerweile – zumindest laut der letzten Sinus-Studie – Mainstream sein.

Daraus lässt sich nunmal reichlich wenig Inspiration ziehen. Und so wird auch weiterhin auf bereits vorhandene und bereits totgeglaubte Strömungen und Stile zurückgegriffen werden müssen. Das ist aber völlig in Ordnung, besonders dann, wenn es doch so gut und lässig aussieht wie die Metal-Ästhetik.

Text: David Jenal

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