First Fashion Week Review

🙀🤘🏼

Seit mehr als unglaublichen fünf! Monaten befinde ich mich nun schon im Dandy Diary Dienst. Als ich im bitterkalten Februar mit zwei Koffern und dem Fernbus nach Berlin reiste, hatte ich nicht nur die legendäre Opening Party mit an den Decken hängenden Schafsköpfen verpasst, sondern auch die damit einhergehende Berliner Fashion Week. Doch für jeden modeinteressierten Menschen, der sich abends im Bett den Livestream der internationalen Modenschauen anschaut, ist es nun Mal das Maß der Dinge den kreativen Prozess eines Designers live über den Laufsteg stolzieren zu sehen. Nun war es also endlich Sommer und ich bereit. Für mein aller aller erstes Fashion-Week Erlebnis.

Nachdem ich den Montag Vormittag mit einigen Erledigungen verbrachte, fuhr ich mit Flagge, Stickern und Postern die den Aufdruck „DANDY DIARY GLÖÖCKLER“ trugen auf die Insel der Jugend. Ich nahm ein Taxi, wollte schnell da sein und war gestresst, weil der Taxifahrer es eben nicht war. Schließlich wollte ich pünktlich alles für den Prince of Pompöös vorbereiten, damit er ja bitte kein Problem mit der Location und der Deko, für die ja ich zuständig war, hatte.

Den Rest des Tages klebte ich eben diese Plakate an jede mögliche Stelle der idyllischen Location und wurde dabei regelmäßig mit mitleidigen Blicken der Insel-Crew angeschaut. Der eigens gemachte Stress stand mir auf der Stirn.  Um 10 nach 10 jedoch fand ich mich dann endlich draußen an einem Tisch zwischen feierwütigen Kitty-Cheng Barkeepern sitzen, die mir teils belustigt teils verwirrt dabei zuschauten, wie ich mir pinke Plastiknägel auf die Finger klebte. Doch ich hatte mir in aller frühe noch ein pinkes Motorola Klapp Handy ganz nach 2000er Queen Paris Hilton besorgt und so waren mir die Blicke der Berliner Cool Kids recht egal. Schließlich brachten sie mir dann – vermutlich auch aus Mitleid – einen Gin Tonic an den Tisch.

Natürlich war letzten Endes alles noch viel pompöser als ich es mir vorgestellt hatte. Botox wurde gespritzt, der rote Teppich rollte sich rechtzeitig über die Brücke und der erste ließ sich ein kleines Einhorn auf den Oberarm tätowieren.

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Als ich am nächsten Tag gegen 13 Uhr dann völlig verkatert aufwachte – da ich im Gegensatz zu meinen Chefs nicht nach dem 0,0 Heineken gegriffen hatte – schaute ich zunächst an mir herunter. Schließlich stand ich bereits in der Schlange zu den Free Tattoos. Mit gemischten Gefühlen stellte ich aber schnell fest, dass sich auf meinem Oberarm keine Glööckler-Krone befand. Bis heute weiß ich nicht, ob ich das nun gut oder schlecht finden soll.

Nach dem langen und beschwerlichen Weg mit Bus und S Bahn von Neukölln zu mir nach Moabit, verbrachte ich den Rest des Tages im Bett. Um 18 Uhr aß ich ein trauriges Frühstück, bestehend aus Tee und trockenem Brot, raffte mich auf und fuhr – wieder mit der Bahn – zur Warschauer Straße.

Dort landete ich auf einem LIEBESKIND Event. Ich trank Cola Light, aß ein Eis und ließ meine ALLER-erste Modewoche dementsprechend sehr sehr ruhig angehen. Nach zwei, drei Flaschen Cola beschlossen wir dann doch noch zur IZAIO-Party zu gehen. Es war ja nun doch unsere allererste Fashion Week und wir wollten wirklich ALLES mitnehmen. Beim Anblick der Schlange („Ja, das ist alles Gästeliste.“) und nach 10 minütigem Alibi-Warten fuhren wir dann aber doch nachhause.

Am Mittwoch stand ich dann sehr früh auf, ignorierte das Chaos in meinem Zimmer und dachte daran, dass ich heute die liebe Lisa von Refinery29 per WhatsApp durch meinen Tag nehmen würde. Also machte ich mich auf den Weg zu meinem ersten Stop: dem ASOS-Frühstück, auf dem die SS18 Kollektion präsentiert wurde. Von da aus fuhr ich zur PREMIUM, wo ich um an einen Presseausweis zu gelangen zunächst beweisen musste, dass ich doch wirklich schreiben würde für Dandy Diary und generell alle sehr unfreundlich waren.

Dort traf ich dann jedoch meine Freunde und gemeinsam hörten wir uns an, was David Fischer, der Gründer des wohl größten Online Magazins „Highsnobiety“ über richtiges Nutzen von verschiedenen Plattformen zu sagen hatte. Es war spannend und nach dem wir seinen Worten gelauscht hatten, fuhren wir zur SEEK. Mit einem Shuttle-Bus, was sich als riesiger Fehler herausstellen sollte, da die Zeit drängte und kein Auto so recht fahren konnte, weil man eben nachmittags in Berlin doch schneller ist mit der U-Bahn. Aber nun, so war es eben und nach einer Viertelstunde auf der SEEK, die sich als deutlich cooler als die overposhed PREMIUM darstellen sollte, fuhr ich auch schon wieder zurück.

Langsam verstand ich das Stress-Problem während der Modewoche, das ja alle Blogger, Influencer und Modemenschen dauernd thematisierten. Schnell zog ich mich um, aß einen Fertigsalat und machte mich auf den Weg zu meiner aller aller ersten Modenschau. Bei der auch gleich der Name des Labels geändert wurde. In einem emotionalen schwarz-weiß Video berichteten die Holy-Ghost Designerinnen, über ihren Werdegang, weinten ein wenig und präsentierten ihre Kollektion schließlich unter dem Namen: MYKKE HOFMANN.

Ich saß in der dritten Reihe, sah nicht viel und versuchte zu realisieren, dass dies ja nun das wäre, wovon mein 15-Jähriges Ich immer geträumt hatte. Anschließend ging es zur NYLON-Party, wo jeder war, ich wieder nur Cola (und einen einzigen Vodka-Soda trank) und zu 2000er Musik tanzte. Es war sehr voll und um halbzwei fuhren wir nach einer Hummustasche auch schon wieder nachhause.

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Der Donnerstag begann für mich mit der HIEN LE Show. Ich traf David im Kaufhaus Jandorf, zwängte mich auf Platz 26,5 in die erste Reihe und genoss erneut das Gefühl, das ich bereits am Vortag hatte und dass mich so sehr an meine Teenie-Sehnsüchte erinnerte, als ich durch Lookbook scrollte und die Streetstyle Seiten der Glamour an meine Pinnwand heftete.

Die Show war so toll, dass ich danach einen Sekt trank und mir anschließend Burger und Süßkartoffeln, die vor Fett nur so trieften, gegönnt hatte. Anschließend sah ich mir die LAST HEIRS Präsentation an, die mir persönlich besonders gefiel. Das Thema war „Work-Wear“ und dementsprechend nähten, shooteten und malten die Models während sie für die Kameras der Gäste posierten. Auch ich schoß dann einige Polaroids, unter anderem von Patrick Mason, dessen Show ich auf der Alternative Fashion Week gesehen hatte und ging weiter zur coGallery.

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Dort zeigte das Kaltblut-Magazin den Modemacher Nico Sutor. Auch diese gefiel mir gut und Sofia, mit der ich wieder einmal unterwegs war, erkannte auch sofort einige ehemalige Topmodel-Kandidaten, die in den White Rooms der Torstraße posierten.

Ein wenig melancholisch und auch ein wenig froh, wache ich am Freitag Morgen um ach Uhr auf. Schließlich war dies der letzte Tag dieser vollbepackten Woche. Ich zog mich an und um und fuhr mit der Bahn ins Kaufhaus, um mir VLADIMIR KARALEEV anzuschauen. Es war 10 Uhr und der Runway wurde mit lautem Techno beschallt. Doch man verzieh dem Designer schnell, denn die Show war schön und gut und das beste, was ich bisher auf der Berliner Modewoche gesehen hatte. Anschließend fuhr ich zum Berliner Modesalon, ging auf die Terrasse, die einen umwerfenden Blick auf das leicht poshe Berlin zeigte, wo sich die gesamte deutsche Modebranche auf Sekt und eine heimliche Zigarette trafen.

Unter anderem präsentierte die VOGUE dort Designer wie WILLIAM FAN, FOMME oder auch DAWID TOMASZEWSKI und LALA BERLIN.

Nachdem ich mir genug Mode angeschaut hatte, fuhr ich nachhause, tauschte meine hohen Schuhe gegen Jeans und Adiletten und gab meinen Film, gefüllt mit guten Bildern von der bisherigen Woche. So hoffte ich zumindest. Nach meinem kurzen Spaziergang über die Turmstraße zog ich mich schnell um und fuhr zur MARINA HOERMANSEDER Show.

Das schönste Outfit hatte übrigens Gia (Lala Berlin) an. Nach der Show, die natürlich von zahlreichen Gürteln und Röcken und kulturellen (russischen) Einflüssen geprägt war, musste ich dann auch fix ein Polaroid von Gia + Dandy Jakob, bevor es wieder anfangen würde zu regnen.

Zu Michael Sontag schaffte ich es dann doch nicht mehr, nahm stattdessen einige „Marina-Drinks“ mit Suzie Grime, während diese sich live auf Instagram mit ihren Followern unterhielt. Schließlich traf ich niemand minderen als Teenie-Idol Facehunter auf der Zeit-Magazin Party in Köpenick und konnte noch einen kurzen Blick auf Thomas Hayo im Katerblau werfen. Um 9 Uhr morgens war ich zuhause und fiel zufrieden und erschöpft von all den modischen Endrücken zurück in meine Leo-Bettwäsche. Meine allererste Fashion Week: check.

Category: Special

Tags: Modesalon

Von: Carl Jakob Haupt

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