Fehler und Absicht: Der Mark Jacobes Pulli

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Sie ist Digitalredakteurin bei HELMUT LANG, war maßgeblich am Relaunch der großen Marke beteiligt. Sie ist Künstlerin, mit einer Followerschaft von rund 128k auf Instagram, obwohl sie die App in einem Interview mit der New York Times (NYT) als „schlimm, einzigartig, toll, eine schlimme Sache“ bezeichnete.

Jetzt kooperiert Ava Nirui, besser bekannt als @avanope mit dem New Yorker Label MARC JACOBS. Dafür durfte sie die weißen Sweatshirts der Marke mit dem falsch geschriebenen Markennamen besticken. Nur warum?

Ende 2015, in der ersten Hochphase von VETEMENTS, war das junge Label so frech sich das „C“ aus dem CHAMPION-Logo zu greifen, es um 90 Grad zu drehen, daraus ein V zu formen um es anschließend auf dunkle Hoodies zu drucken und diese für 700$ das Stück zu verscherbeln. Ava Nirui regte sich dann sehr über dieses Vorgehen auf. „Eine Marke, die gerade erst heraus kommt, hat nicht das Recht so viel Geld dafür zu nehmen“, findet sie. (NYT)

Kurzerhand nimmt sie sich also das „C“ aus dem Champions-Logo, das VETEMENTS ja so schlecht behandelt hatte, und tauschte es gegen den Anfangsbuchstaben der Schriftzüge großer Luxusmarken aus. Louis Vuitton, Dior, Versace. Nur wenige wurden verschont. Anschließend postet sie ein Bild der Sweatshirts auf ihrem Instagram-Account.

im in today’s @NYTIMES! i look mad as hell but this is too cool!

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Dieses Bild ging viral, all ihre Follower wollten solch einen C-Hoodie haben. Die Leute kommentierten, drängten @avanope dazu, doch bitte einen Online-Shop zu eröffnen und diese geniale Idee zu verkaufen. Doch sich jetzt wie VETEMENTS zu benehmen, das war nie der Plan.

In erster Linie wäre die Aktion schließlich ein Kommentar dazu gewesen, wie besessen wir als Gesellschaft von materiellen Dingen wären und wie wir einfach ein Logo auf etwas knallen könnten und sich dadurch der gesamte Wert des Gegenstandes total verändere, erklärt sie im Interview mit SSENSE.

Viele ihrer Follower, noch viel mehr die Medien, die darüber berichteten, hätten das alles falsch verstanden. „Ich versuche nicht eine Modemarke zu starten. Ich versuche Leuten unangenehm zu werden.“ Und weil sie ja nicht wollte, taten es eben andere. Und die Idee der Künstlerin, ihr Kommentar zur materiell ausgerichteten Gesellschaft, wurde in anderen Online-Shops angeboten und verkauft. “Bootlegging my bootleg of a bootleg,”wie Ava Nirui es beschreibt. (NYT)

Auch für ihre kommende Zusammenarbeit mit Marc Jacobs orientiert sich die Künstlerin an der Bootleg-Ästhetik.Wie wir von türkischen Basaren und den Ständen am Goldstrand wissen, sind die dort zum Verkauf stehenden Fake-Louis Vuitton Taschen und Moschino iPhone-Hüllen an irgendeiner Stelle Mangelware – manchmal fehlt ein Buchstabe, oft ein kleines Detail, das letztendlich den entscheidenen Unterschied zwischen Original und Fake kennzeichnet. So machte Nirui auch aus Marc Jacobs – Mark Jacobes. Eine aufmerksamkeitswirkende Strategie, mit der ja bereits eine andere Übermarke Anfang des Jahres arbeitete – als aus GUCCI kurzerhand GUCCY wurde.

Am kommenden Montag kommt die Kooperation zwischen Insta-Girl und Label in die Läden.

Is this real life ?!?!?!?! @marcjacobs

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Category: News

Tags: Avanope, Champion, Helmut Lang, marc jacobs, New York Times, Vetements

Von: Angelika Watta

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