Fashion Week: Berlin stellt sich selbst ein Bein

Die Berliner Fashion Week gefällt sich als aufsteigendes Talent der internationalen Modewochen. Veranstalter, Designer und Prominente beschwören gerne die Erzählung vom Underdog, der schon bald ebenso wichtig sein wird, wie New York, Mailand und Paris. Doch ob es jemals so weit kommen wird, ist heute fraglicher denn je.

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Bis vor wenigen Tagen gab es keine offizielle Ankündigung über den Termin für die Berliner Fashion Week, die im Frühjahr 2011 stattfinden soll. Der Termin für die, bei den vergangenen Modewochen zeitgleich stattfindende, Modemesse Bread & Butter war da schon längst veröffentlicht. Dem interessierten Beobachter war also schon länger klar, wann die Berliner Fashion Week allem Anschein nach stattfinden würde: vom 18. bis zum 23. Januar 2011.

Mit Dandy Diary wird nicht gesprochen

Von offizieller Seite jedoch wurde nichts kommuniziert. Auf eine Anfrage von Dandy Diary reagierte die ausführende Agentur IMG abweisend: Jede Saison müsse neu entschieden werden, in welchen Medien die Veranstaltung positioniert werde. Auf die gestellten Fragen werde daher nicht geantwortet. Nicht einmal das Datum wollte Sprecher Daniel Aubke bestätigen. Mit Dandy Diary wird nicht gesprochen.

Das ist beachtlich, zumal die großen Modewochen im Ausland schon seit längerem mit neuen Medien generell und Bloggern im Speziellen zusammenarbeiten. Berlin hängt sich dahingehend selbst ab und verharrt im autoritären System der prädemokratisierten Modeberichterstattung.

Der Grund für die Anfrage bei IMG jedoch war ein anderer: Die Berliner Fashion Week findet zeitgleich mit den Pariser Männerschauen statt. Die internationale Aufmerksamkeit wird so unnötigerweise geteilt. Nicht nur für die Designer ist dieser Umstand unglücklich – auch für die Journalisten. Die müssen sich nämlich entscheiden, wo sie hinfahren und worüber sie berichten.

“Hinderlich für die Modestadt”

„In der Tat bleiben viele internationale Journalisten wegen der Überschneidung Berlin fern“, sagt Dr. Alfons Kaiser, einflussreicher Modekritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Doppel-Belastung hält er für „ärgerlich“: „Das ist hinderlich für die Karriere der Modestadt.“

„Die Männermode deutscher Designer wird zum Provinzthema gemacht, über das ausschließlich in Deutschland berichtet wird“, klagt die PR-Agentin eines deutschen Labels, die ungenannt bleiben möchte. Mehr internationale Presse würde der gesamten Berliner Fasion Week gut tun. Doch die großen internationalen Publikationen werden sich Ende Januar wohl primär mit den wesentlich aufregenderen Entwürfen aus Paris befassen.

Zukunft ungewiss

Hinzu kommt, dass die Berliner Fashion Week im Januar zum letzten Mal auf dem Bebelplatz stattfinden wird. Der Wirtschaftsausschuss von Berlin Mitte hat bereits seit längerem den Beschluss gefasst, dass die Veranstaltung im Januar 2011 zum letzten Mal an diesem geschichtsträchtigen Ort stattfinden darf. Seit Ende 2009 wurden bereits mehr als zehn Standorte geprüft. Eine Alternative wurde allem Anschein nach noch nicht gefunden. Langsam wird die Zeit knapp – auf allen Ebenen.

Category: Fashion Week Berlin

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Von: Carl Jakob Haupt

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