Fashion is Dead, Long live Merch

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Die Kommunikation hat sich – im Gegensatz zur Produktion von Mode – innerhalb der letzten Jahrzehnte enorm entwickelt. Über Kollektionen wird heute „live“ auf Snapchat, Instagram und Co. berichtet, nicht wie zu Anfangszeiten der Haute Couture, erst Wochen später, in Form von Mode-Illustrationen, welche erst Wochen später in Magazinen veröffentlicht wurden.

Mit dem „See Now, Buy Now“ System versucht die Modebranche erstaunlich spät die klaffende Lücke zwischen Produktion und Kommunikation wieder zu verkleinern. Innerhalb des letzten Jahres haben viele Designer Anpassungen angekündigt und umgesetzt, darunter Balenciaga, Balmain, Alexander Wang, Tom Ford, Marcelo Burlon etc.

Doch der Einfluss der Beschleunigung fängt schon viel früher an – vor Produktion, Präsentation und Distribution: bei der Kreativität des Designers. „Das unerbittliche Tempo zerstört jegliche Form der Kreativität“, so Raf Simons in einem Telegraph Interview (2016).

Doch killt das rasante Tempo wirklich die Kreativität? Klar, es bleibt weniger Zeit für Schnitt, Material-Auswahl und die Entwicklung von der ersten Idee bis zum fertigen, tragbaren Designpiece. Doch ist das überhaupt noch zeitgemäß? Noch relevant?

Der Konsum von Mode hat sich verändert. Man klickt sich heute durch Mode. Klick, Next Look, Klick, Next Look. Es bleibt wenig Zeit, um sich genauer mit den Teilen einer Kollektion zu befassen, weder auf der Seite des Designers noch auf der Seite des Konsumenten.

Es geht um den „instagramable“ Moment. Und der wird heute durch ein gelbes, einfaches, plakatives Vetements DHL T-Shirt erreicht, nicht durch ein hochwertiges Designer-Piece, dessen Qualität erst beim tragen und genauen hinschauen deutlich wird.

Die Mode ist tot, lang lebe Merchandise. Teure T-Shirts und Hoodies mit Prints / Logos der Heroen unserer Zeit. Off-White, Vetements, Gosha Rubchinskiy – mit High Fashion – hat all das, laut Raf Simons, nicht mehr zu tun.

I’m sorry, but high fashion was always for a small environment. High fashion by nature used to be extreme. Right now we define a lot of things as high fashion, but they’re not high fashion. They’re clothes. They’re clothes on the runway with a nice little twist of styling and coloration. Everybody thinks it’s high fashion. Bullshit. There is very little high fashion, “ so Simons kürzlich in einem GQ-Interview.

Basics werden als Fläche für einfach zu verstehende Botschaften genutzt. Doch wo ist der Unterschied zwischen Vetements T-Shirt mit “STAFF” Print, produziert von Basic-Fabrikant HANES, und einem Saint Pablo Tour T-Shirt?

Da gibt es nicht mehr allzu viel Unterschiede. Mehr denn je wird in „Marke“ und den damit einhergehenden Status investiert, um Zugehörigkeit und Insider-Wissen zu demonstrieren. Hype Kids investieren in das Merchandise ihrer Fashion-Stars, nicht in High Fashion.

Ist die aktuelle Entwicklung grundsätzlich als negativ zu beurteilen? Nein, keinesfalls, sie ist die logische Konsequenz von Zeit und Konsum. Die neue Generation von Designern hat begriffen, worum es geht und setzt konsequent um.

Category: News

Tags: OFF-WHITE, Raf Simons, Vetements

Von: David Kurt Karl Roth

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