Einbahnstraße “Body Shaming”

Auf Facebook, Instagram und Tumblr hat eine Aktivistengruppe (oder vielleicht auch nur eine Einzelperson mit sehr viel Freizeit und sehr wenigen Freunden) Fotos von fülligen bis fettleibigen Frauen und “Hangover”-Moppelchen Zach Galifianakis schlanker gephotoshopt.

Das gab natürlich mächtig Ärger in den sozialen Netzwerken und letztlich haben Facebook und Instagram die Seiten dann gelöscht – obwohl die Betreiber sagten, es gehe ihnen nicht darum, Hass zu säen. Sie wollten die gezeigten Personen vielmehr dazu anspornen, bestimmte “Health Goals” zu erreichen:

“Here at ThInnerBeauty we provide people with visible, achievable health goals. We do this by showing how much more beautiful they could look if they made the difficult, lifelong commitment to a regimen of personal fitness. This is a place where we can manipulate photos to highlight the difference between how they are and how they could be.” (Zitat: ThInner Beauty)

Wir finden das nachvollziehbar und absolut okay.

Als eine Website Celebrities Tattoos auf den Körper photoshoppte, fanden das ja schließlich auch alle total gut – und nannten den Macher einen Künstler. Letztlich ist das nichts anderes: es wird via Photoshop gezeigt, wie eine andere Ästhetik an einem Menschen aussehen könnte. Auch hier könnte man von “Body Shaming” sprechen und davon, dass ein untätowierter Körper dadurch als unschön gebrandmarkt würde. Doch das wäre natürlich ziemlicher Quatsch.

Nicht so bei den Dicken. Da gibt es sofort einen Aufschrei, Seiten werden gelöscht – und dann doch: Hass gesät. Nur eben von der anderen Seite.

Hätten die Aktivisten Magermodels ein paar Pfunde mehr auf die Hüften gephotoshopt, wäre der Applaus sicher groß gewesen. Man hätte sie gelobt dafür, ein bestimmtes Ideal zu stigmatisieren und ein “gesundes” Körperbild zu propagieren. Andersrum ist das dann jedoch nicht okay – und das ist das Perverse!

Man darf dabei nicht vergessen, dass in den westlichen Wohlstandsgesellschaften Untergewicht ein vergleichsweise kleines Problem ist: lediglich 2,1% der Bevölkerung in Deutschland haben einen Body-Mass-Index, der als untergewichtig gilt. 36,7%, also mehr als eine von drei Personen, leidet unter Präadipositas, also Übergewicht. Und 14,7% sind adipös, also fettleibig. Der Stand ist demnach: 51,4% Übergewichtige zu 2,1% Untergewichtige. (Quelle: Zensus 2009)

Einen Anreiz für ein tatsächlich gesünderes, weil dünneres Körperbild zu setzen, kann so schlecht also nicht sein. Dass so eine Initiative dann von der Web-Community schnell mundtot gemacht wird, ist nicht besonders hilfreich.

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Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

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