Edward Hopper

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The woods are lovely, dark, and deep,

But I have promises to keep,

And miles to go before I sleep,

And miles to go before I sleep.

Ulf Küster, Kurator der Fondation Beyeler, zitiert Robert Frost und ich blicke auf “CAPE COD MORNING” – ein Werk von Edward Hopper, der ein enger Freund des amerikanischen Dichters war: Es zeigt eine junge Frau, die aus dem Fenster blickt, in die Ferne, die Augen zusammengekniffen, geblendet von der Morgensonne, im Hintergrund ein dichter, dunkler Wald. Typisch für Hopper, es bleibt Raum für Fantasie, denn unklar bleibt, auf was genau die Frau blickt. Und was verbirgt sich hinter dem Wald?

Bei Hopper ist das, was nicht zu sehen ist, mindestens genau so wichtig, wie es zu sehen gibt, so Kurator Küster. Ich versuche zu sehen, was nicht zu sehen ist, für einen Moment verliere ich mich in meinen Gedanken, streife durch das Weizenfeld wie Maximus in “Gladiator”, heroische, epochale Musik, tagträumend, bis es weitergeht zum nächsten, für die Ausstellung bedeutsamen Werk:

„Cape Ann Granite“ – ein Landschaftsbild aus dem Jahr 1928 – welches als Dauerleihgabe Eingang in die Sammlung der Fondation Beyeler fand. Ausgangspunkt für „Edward Hopper“, die bis  17. Mai 2020 laufende Ausstellung, in der die Fondation Beyeler sich in erster Linie mit den Landschaftsbildern Hoppers auseinandersetzt. Insgesamt werden 65 Werke von Hopper gezeigt, zu sehen sind Segelboote, Eisenbahnschienen, Felsen in der Brandung und einsam in der Landschaft stehende Häuser.

Hopper ist ein Meister darin die Weite und Unendlichkeit Amerikas darzustellen, in dem er nur einen kleinen Teil zeigt, oftmals wird in seinen ikonischen Öl-Bildern der Horizont verdeckt. Er erschafft horizontale Linien durch Bild-Elemente wie beispielsweise einer Eisenbahnschiene.

In Hoppers klar strukturierten Bildern gibt es trotz einfachen Ausbaus viel zu entdecken, daher lohnt sich ein langer, intensiver Blick: eine Straße, in der die damals typischen Strom-Leitungen fehlen. Zeichen dafür, dass die hier lebenden Bewohner den Anschluss verloren haben? Ein Haus ohne Türen und ein Landhaus ohne Fenster. Obwohl doch jeder weiß: „Jeder braucht mindestens ein Fenster.“

Der Einfluss von Hopper auf die zeitgenössische Fotografie und Film ist groß, ob Gregory Crewdson, der perfekt ausgeleuchtet, einsam-gespenstische Szenen erschafft, unwirklich, betörend schön wie die großen Gemälde Hoppers. Oder aber Wim Wenders, dem Regisseur und Fotograf, der als großer Verehrer des Malers gilt. Anlässlich der Ausstellung produzierte Wenders „Two or Three Things I know about Edward Hopper“ – einen 3d-Film (den es im Rahmen der Ausstellung zu sehen gibt) – der die Ikonen des US-Malers in Bewegtbild verwandelt.

Unterhaltsam, aber nicht zwingend notwendig, denn Edward Hopper lässt genug Platz, außerhalb des Bildrahmens, im Kopf des Betrachters, so dass unweigerlich Bilder entstehen, die man gesehen haben muss, besonders gut geht das in den nächsten Monaten in der Fondation

Category: #dandydiaryspace

Tags: Edward Hopper, Malerei, Surrealismus, Wim Wenders

Von: Pia Fatah

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