Die Wahrheit: Warum Snapchat das neue Instagram ist

Zum ersten Mal von Snapchat erfahren, habe ich, als „ein guter Freund“ mir begeistert erzählt hat, dass es eine App gibt, in der Mädchen ihm ungefilterte, unbearbeitete, SPONTAN und wirklich auf die Schnelle geschossene Nacktfotos schicken, die kurz nach dem Anschauen gelöscht werden – und sobald er das Foto per Screenshot speichert, würden die Mädchen das sehen. Stolz zeigte er mir stundenlang seine Screenshot-Sammlung. Ich war bestürzt.

Jetzt, Jahre später, habe ich Snapchat endlich verstanden, benutze es täglich und bin: begeistert. Ja, es ist tatsächlich das neue Instagram (und wer bis jetzt immer noch nicht bei Instagram ist, möge es bitte auch künftig bleiben lassen: es hat keinen SINN mehr)!

Warum Snapchat das neue DING ist, warum es so viel besser, weil zeitgemäßer ist, als die anderen großen Social Medias, wie Twitter, Facebook, YouTube und Instagram, musste mir allerdings erst nach stundenlangem Grübeln und dann binnen Sekunden EINFALLEN.

Es liegt natürlich an der Flüchtigkeit des ungestellten, des also zumindest fast wahren Augenblicks. Während die anderen Apps wohlmeinend gesagt eine Art Tagebuch sind, in denen man das Erlebte ex-post-factum ein wenig schöner macht, mit den ANDEREN teilt und dann Bitteschön für die Ewigkeit und das eigene Wohlbefinden ARCHIVIERT, erlaubt Snapchat eine unmittelbare TEILHABE. Denn wer nicht binnen 24 Stunden einen Snap gesehen hat, wird ihn NIEMALS sehen. Dann ist der nämlich für immer und ewig GELÖSCHT.

Also muss man sich reinklicken, jeden Tag, wenn man nichts VERPASSEN will. Und wer will schon was verpassen? Niemand! Ich jedenfalls nicht. Niemals. 

Und eben weil man dieses GEFÜHL des Verpassens aussticht, indem man zuschaut, nimmt man am Gesehenen so viel mehr teil, als an einem Facebook-Post oder einem zehnmal gefilterten Instagram-Bild. Vom Teilhabegefühl eines Tweets mal ganz abgesehen. Das ist etwa so hoch, wie das Gefühl, an der Entstehung eines Joghurtwerbungsslogans beteiligt gewesen zu sein, also nahe Null.

Dank Snapchat ist man also dabei, beim Leben der FREUNDE und der Menschen, die man gern als Freunde hätte. 

Klar, ein Live-Stream, also Periscope, ist noch NÄHER. Aber da könnte man ja maximal genau einen 24-Stunden Live Stream nämlich nur einer Person schauen. Und nur einen Freund wollen wir, also ich, ja eben auch nicht haben. Lieber mehr als einen und gerne auch welche, die uns wahrscheinlich gar nicht kennen – zum Beispiel @carljakob

Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

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