Die vierte industrielle Revolution der Mode

3D-Druck, künstliche Intelligenz, biologisch hergestellte Materialien: Die Liste von technischen Innovationen, die sich in den nächsten Jahren irgendwie auf die Mode und unser Verständnis von ihr auswirken werden, ließe sich ewig fortsetzen.

Wie und überhaupt WAS genau passieren wird, darüber mutmaßen Viele. Die Wenigsten aber forschen und entwickeln aktiv verschiedene Produkte und Ideen. Um ein paar von diesen Ideen und Technologien soll es nun hier gehen.

Dass der 3D-Druck in den kommenden Jahren die Branche und ihre Strukturen tiefgreifend verändern wird, ist schon jetzt klar, schwebt die Technologie doch wie ein großes Fragezeichen über dem herkömmlichen Herstellungsprozess und dem klassischen Weg eines Kleidungsstücks: Designer – Produktion – Endverbraucher. Zwischen 2013 und 2018 werden sich die Kosten für einen gewöhnlichen 3D-Druck halbiert haben und schon jetzt gibt es Angebote von Adidas und Nike, bei der unter Zuhilfenahme der Technologie Schuhsohlen an die anatomischen Gegebenheiten beim Kunden angepasst werden können oder eben gleich passend ausgedruckt werden.

Die Möglichkeit, innerhalb weniger Minuten nicht nur eine Sohle, sondern eben auch ein Kleidungsstück nicht nur zu entwerfen, sondern gleich noch zu produzieren, führt im Umkehrschluss zu zwei Prognosen: Zum Einen dürfte es für die großen Luxushäuser zukünftig noch schwieriger werden, ihre Entwürfe zu schützen und sie als erstes auf dem freien Markt zu verkaufen. Zum Anderen, und dieser Punkt wiegt noch weitaus schwerer, könnte eine hinreichende Demokratisierung der Technik dazu führen, dass sich zukünftig einfach jeder selber seine Hoodies, Jeans und Jacken ausdruckt. Das Kapital der Modehäuser wären dann nicht mehr die fertigen Teile, sondern die Dateien der Designs – Geschäftsmodelle würden in sich zusammenfallen, andere aus dem Nichts entstehen.

Abseits des 3D-Druck beschäftigen sich Wissenschaftler mit unkonventionellen, meist biologischen Methoden zur Herstellung von Stoffen. Da gibt es Shrilk, ein aus Shrimps-Schalen und Milch-Proteinen hergestelltes, durchsichtiges Material, dass nur halb so viel wiegt wie Aluminium – aber genauso stabil. Oder Qmilk, ein aus sauerer Milch (ja, verdammt ekelhaft), gegen Feuer und Bakterien resistenter Stoff. Bei Modern Meadow in New York arbeitet man an der Herstellung von im Labor gewachsenem Leder.

Die Materialien gibt es also. Um längerfristig an marktfähigen Produkten arbeiten zu können, braucht es funktionierende Teams aus Forschern und Entwicklern, die das technische Wissen und in diesem Fall das innovative Material oder den Stoff mitbringen und einem Designer, der sich den Anforderungen an Kleidung und den Gegebenheiten des Marktes bewusst ist.

Beispiele für gelungene Zusammenarbeiten gibt es bereits jetzt. Levi’s hat sich für eine Jacke mit Google zusammengetan, wobei die “Jacquard”-Technologie des Unternehmens in die Jeansjacke eingenäht wurde und so dem Träger erlaubte, sein Smartphone über das Berühren seiner Jacke zu steuern. Adidas arbeitet beim Entwickeln neuer, funktionaler Materialien regelmäßig mit dem Chemie-Riesen BASF zusammen. Intel hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem New Yorker Label Chromat ein Kleid entwickelt, dass seinen Look je nach Puls, Atmung, Schweiß und Körpertemperatur der Trägerin ändert. Ein offensichtlicher Schweiß-Indikator ist vielleicht nicht das, was man sich unbedingt wünscht – egal, ob man das Kleid nun trägt oder daneben steht – interessant ist das alles aber trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen.

Abgesehen von die Herstellung von Kleidung betreffenden Neuerungen wird sich auch im Bereich der Vermarktung viel tun. Künstliche Intelligenzen könnten die Gewohnheiten der Kunden nicht nur wesentlich schneller, sondern auch sinniger analysieren und den Konzernen so helfen, ihre Marketingmaßnahmen effizienter zu gestalten.

Nötig sein dürfte das, glaubt zumindest Todd Harple, Chef der Innovations-Strategie bei Intel: “While a technology product like an iPhone can be marketed to 70-year-old men and 14-year-old girls alike, fashion designers “have your woman or man that you’re designing for — and that man isn’t everybody and that woman isn’t everybody.”

Dass es auch für Mode gut funktionierende Marketing-Konzepte gibt, hat Tedd zwischen seinen ganzen Mikrochips vielleicht nicht so ganz mitbekommen. Dass sich einiges ändern wird, damit hat er aber in jedem Fall Recht. Zum Glück – wir sind sehr gespannt.

Category: News

Tags: 3D, technische Materialien

Von: David Jenal

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