Die Mode-Elite auf Klassenfahrt im Kanzleramt

Wie schwer es selbst Modeexperten und Brancheninsidern fällt, sich in politischen Kontexten angemessen zu kleiden, hat jüngst ein Empfang im Bundeskanzleramt gezeigt.

Die Bundeskanzlerin hatte eine Delegation der deutschen Modeindustrie empfangen. Der Empfang sollte den Beginn eines Meinungsaustausches zwischen Bundesregierung, Branchenvertretern und dem Fashion Council Germany markieren.

Tatsächlich wurde es aber zu einer ehrfürchtigen Verneigung vor der ewigen Kanzlerin, Vogue Chefredakteurin Christiane Arp verbeugte sich tatsächlich vor Angela Merkel, und zu einer Lektion in Sachen Demut. Denn während die Modebranche sich gern abfällig über die schlechten Anzüge der männlichen Politiker oder die mutlosen Kleider der Politikerinnen äußern und jeder ungefragt einen Tipp parat hat, machte sie es selbst nicht besser.

Die Modeherren trugen am Bauch spannende Sakkos, knittrige Anzüge, zu lange Hosen, zu enge Hosen, braune Schuhe, schmutzige Schuhe schlampig hochgeschobene Hemdsärmel, schimmernde Turnschuhe und T-Shirts mit Aufschrift.

Die Frauen trugen über die Schultern gelegte Jacken (Wirklich, Elisabeth von Thurn und Taxi!? Immer noch, Chrissie Arp!?), Ethno-Zelte, Leggins unter Rock und Logo-Shirts mit Glitzer.

Am besten sah am Ende tatsächlich die Kanzlerin aus.

… und während auf den Laufstegen der Modewelt aktuell der Wirklichkeit angemessen mehr und mehr Models unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe zu sehen sind, zeigt sich die deutsche Modeelite auffällig einseitg gecastet. Immerhin scheint eine Frauenquote von knapp fünfzig Prozent eingehalten worden zu sein. Puh!

Category: Fashion Shows

Von: Carl Jakob Haupt

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