Design Made in Mainz: SUCUK & BRATWURST im Interview

Wer sich heute mit zeitgenössischem Design beschäftigt, denkt wahrscheinlich nicht zuerst an Mainz. Wir finden, das ist ein Fehler.

Das blutjunge Design-Studio SUCUK & BRATWURST agiert aus der Stadt am Rhein, wurde mit dem Designpreis des Landes Rheinland Pfalz ausgezeichnet und entwirft von dort aus Grafiken für Medienmarken wie 032c, Live From Earth und zuletzt auch Dandy Diary, Ausstellungen in deutschen Museen und schließlich eine Vorlesungsreihe an deutschen Kunsthochschulen. Design made in Mainz.

Wir haben die – Entschuldigung, das muss jetzt sein – Würste Denis, Alessandro, David und Lukas zu ihrem Werdegang befragt. 

Ich beginne mit der dümmsten Frage, die mir eingefallen ist: Sucuk oder Bratwurst?

Alle: Sucuk.

Wie ist Eure Agentur entstanden?

Denis: Lukas und Alessandro haben sich im Kindergarten in der Marienkäfergruppe kennengelernt, wo ich irgendwann auch dazugekommen bin. David kenne ich aus der Schule.

Wir haben also alle eine lange Verbindung und schon zusammen abgehangen, bevor wir 2012 mit unserem tumblr-Blog angefangen haben. Dort wurden dann eigene „Internet-inspirierte“ Sachen hochgeladen.

Wir hatten einfach Lust in diese Richtung zu gehen, bis dann plötzlich spezifische Anfragen kamen, die sich an unseren Stil richteten.

Waren das Fotomontagen oder bereits Design?

Denis: Wir haben schon zu Beginn Grafik sowie Render gemacht, aber auch Fotomontagen und einfache Fotos.

Wer hat den Impuls gesetzt, tatsächlich produktiv zu werden und den tumblr zu etwas Ernstem zu machen?

Denis: Sachen zu sehen, die ansprechend waren, hat uns zunächst gemeinsam motiviert, auch etwas Eigenes zu machen. Wir waren alle gleichermaßen interessiert, was den Stil angeht und die damit verbundenen Möglichkeiten. Nachdem wir mit den Fotomontagen und Grafiken begonnen hatten, hat sich David intensiv mit 3D befasst, was wir alle sehr spannend fanden. David hat dann einfach sein Wissen weitergegeben.

Was zeichnet Euch heute als Agentur aus? Was macht Ihr generell mittlerweile?

Denis:  Größtenteils 3D, Grafikdesign. Dennoch zeichnet uns meiner Meinung nach aus, dass wir so vielfältig sind. Denn abgesehen davon, designen wir unter anderem auch Klamotten, sowohl unsere eigenen, als auch Grafiken für zum Beispiel 032c und Merch für die Tour von Rin.

Lukas: Wir machen alles.

Alessandro: Wir bekommen mittlerweile auch Anfragen für Dinge, die wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gemacht haben. Erst während des Entwicklungsprozess lernen wir im Grunde, wie das dann funktioniert. Das erweitert natürlich unsere eigene Definition der Agentur.

Wie geht Ihr nun mit dem schnellen Erfolg um, fühlt Ihr Euch noch frei genug in Eurer Kunst?

Denis: Natürlich ist ein Beruf daraus geworden. Das bedeutet, dass es auch mal viel werden kann. Wenn man sich aber reinhängt, hat man am Ende ja wieder Luft und Zeit für genau die Dinge, die man tun will. Wir schaffen es gut, da einen Ausgleich zu finden.

Ihr bereut es also nicht, dieses breite Spektrum an Angeboten geschaffen zu haben?

Denis: Nein, auf keinen Fall. Wir arbeiten ja auch an Projekten, wo wir viel freier und selbstständiger sind. Das sehe ich dann auch nicht unbedingt als „Job“ im Sinne von „müssen“.

Alessandro: Generell ist es ein großes Privileg unter Freunden arbeiten zu können, die sehr dazu beitragen, dass man Spaß bei der Arbeit hat.

Wie weitreichend geht das?

Alessandro: Seitdem wir arbeiten, haben wir viele Leute kennengelernt, von denen wir einige mittlerweile zu unseren Freunden zählen können. Wenn man in diesem Kontext miteinander abhängt, lernen sich alle untereinander kennen und so entstehen auch außerhalb spannende Projekte.

Lukas: Ein Netzwerk von Freunden, die ähnliche Richtungen gehen, gibt einem auch die Freiheit, falls ein Job nicht passt, diesen weiterzuleiten. Das funktioniert wunderbar, denn so entsteht ein gegenseitiges Helfen und Antreiben.

Vom Zusammenarbeiten mit den besten Freunden, seid Ihr über den Preis für Design 2014 des Landes Rheinland-Pfalz, die Etablierung in der momentan entstehenden Jugendkultur, bei Vorlesungen und Workshops an deutschen Kunstuniversitäten und Hochschulen gelandet. Das klingt alles schon irgendwie zu schön um wahr zu sein. Hattet Ihr bereits eine Vorstellung über die Dimension?

Denis: Nun ja, wir haben vorher auch schon zusammengearbeitet und freie Projekte gemacht, die funktioniert haben. Heute verdienen wir damit halt Geld.

Es war wirklich nie so richtig geplant, aber währenddessen haben wir gemerkt, dass wir unter Beobachtung standen, dass es immer mehr wurde und umso mehr wir gemacht haben, umso größer wurde alles.

Ihr wohnt in Mainz, dennoch seid ihr vor allem in Berlin tätig, wie auch in ganz Deutschland und Europa. Wie geht dies einher? Ist der Standort bei diesem Grad der Vernetzung mittlerweile egal?

Alessandro: Zunächst wollten wir so schnell wie möglich aus Mainz raus, denn wir kannten hier jede Ecke und im Allgemeinen ist es eine kleine Stadt. Wir waren zu dieser Zeit schon viel in Berlin unterwegs und haben dort viele Leute kennengelernt.

Momentan sind wir noch in Mainz und gerade hängen wir auch viel in Weinstuben ab, genießen also ein bisschen die Region. Es ist cool, das haben wir damals so nicht wahrgenommen, Mainz ist sehr entspannt.

Allerdings denke ich, dass wir bald aus Mainz wegziehen werden, da in Berlin mehrere unserer Kunden sind und da letztlich mehr geht.

Wir möchten also raus, aber ob wir in Berlin bleiben wollen, wissen wir noch nicht. Ich könnte mir auch gut vorstellen, nochmal weiterzuziehen.

Lukas: Der Standort ist tatsächlich bei unserer Tätigkeit nicht sehr wichtig.

Mainz ist Teil des Rhein Main Gebiets, eine Region, die auch durch die Städte Frankfurt, Offenbach, Darmstadt immer mehr ihren eigenen Charakter entwickelt. Wo seht Ihr dabei Eure Rolle und verspürt Ihr Verantwortung?

Alessandro: Ja, definitiv. Wir haben bereits Partys in Berlin organisiert und möchten auch die Musikrichtungen, die bei uns in der Region noch nicht sehr bekannt sind, etablieren. Das bedeutet, Partys anzubieten, auf die wir auch selbst gehen würden und natürlich auch gehen.

Lukas: In Frankfurt und Umgebung gehen die Leute vor allem auf Techno-Veranstaltungen, wir möchten jedoch auch abseits davon eine Plattform bieten.

Denis: Man merkt, dass die Menschen in vor allem in Frankfurt Lust darauf haben. Beispielsweise auch die Schirn kümmert sich in letzter Zeit sehr, dass etwas in dieser Richtung entsteht.

Wie ist Eure Arbeitsweise, habt Ihr eine konkrete Aufgabenverteilung nach Fähigkeiten?

Lukas: Es verschwimmt alles sehr, letztlich trägt das zu unserem einheitlichen Look bei.

Denis: Ein Zusammenspiel, auch abhängig davon, wer Zeit und Lust hat sich besonders einem Projekt zu widmen.

Wenn man Hilfe braucht, sagt man: „Brudi, ich brauche unbedingt deine Hilfe.“

Jeder macht alles und jeder einzelne macht letztlich, was er am besten kann.

Jeder von uns ist in jeden Job involviert, trotzdem ist es schwer zu sagen, wer welchen Anteil hat. Was man jedoch auf jeden Fall sagen kann, ist dass David am meisten Ahnung von Technik hat und Luki sich um die Finanzen kümmert – davon hab ich zum Beispiel gar keine Ahnung.

Ich denke, wir lassen ein Gesamtprodukt entstehen, bei dem wir uns alle ergänzen.

Seht Ihr ein Risiko, dass Euer Schaffen irgendwann kein Spaß mehr ist, sondern nur noch Job?

Lukas: Es wird eigentlich immer lustiger.

Denis: Solange wir uns bewusst sind, in welche Richtung wir gehen wollen und man bemerkt, wenn etwas falsch oder unangenehm war, sehe ich da kein Problem. Ein Stück weit kann man es ja immer steuern. Wir wissen, dass so etwas passieren kann, aber wir wissen auch, wie man dem verbeugen kann.

Alessandro: Wir würden auch nur Projekte machen, hinter denen wir stehen.

Ihr habt dieses Jahr zum ersten Mal an deutschen Kunsthochschulen Workshops angeboten und Vorlesungen gehalten. Bisher wart ihr in an der Bauhaus Universität in Weimar und in Dortmund, hinzu kommen noch Mannheim und Hamburg. Wie lief das ab?

Denis: Wir haben Anfragen erhalten, fühlten uns sehr geehrt und wollten das gerne ausprobieren.

In Weimar haben wir zum Beispiel einen Workshop sowie einen Talk geleitet.

Der Workshop baute auf unserer Strecke für das superpaper auf, die wir zusammen mit Mirko Borsche verwirklicht haben. Damals hatten wir einfache Formen mit Bleistift auf Papier gezeichnet, diese eingescannt, in 3D gebaut und mit glossigen Details gerendert. Dieser Ansatz war gleichzeitig einfach und spannend, weswegen wir das gerne an andere Studierende weitergeben wollten. Beim den Talks haben hauptsächlich über unsere Entstehung und unsere Sachen geredet.

Für Live From Earth habt ihr sehr viel gemacht, wer ist da auf wen zugegangen?

David: In Mainz gibt es alle zwei Jahre eine unabhängige Buchmesse, die „aboutabout“.

Für deren Fanzine zum Thema „Helden“ haben wir diese glossigen Ketten gerendert, mit einem Zitat von Lgoony, den wir bei Instagram verlinkt haben.

So ist es er auf uns aufmerksam geworden und wir haben schließlich das Intrologo für sein Video zu „Wasser“ gestaltet, das von Live From Earth gedreht wurde. So entstand auch der Kontakt mit Max. 

Yung Hurn provoziert gerne, besonders für ihn habt Ihr auch eine provozierende Objektwahl getroffen. Geht Ihr da Hand in Hand oder auf seine Vorstellungen ein?

Denis: Das ist unterschiedlich. Teilweise gibt es klare Vorstellungen, bei dem Album und den Singlecovers war es aber sehr frei.

Ideen wurden im Schaffungsprozess natürlich diskutiert und somit ist das Produkt letztlich ein gemeinsames. Für das Album haben wir zum Beispiel zuerst an einen Grabstein gedacht, aber am Ende war die Urne doch passender.

Auf was freut Ihr Euch in der Zukunft?

Lukas: Wir freuen uns auf mehr Freiheiten, das wir machen können was wir wollen. Wir freuen uns, wenn es immer besser läuft.

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Das Interview führte Paul N. Morat.

Auf www.sucukundbratwurst.de gibt es diverse Arbeiten des Quartetts zu sehen.

Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

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