Der Sinn der Arbeit und die Liebe

Die Werbekampagne mit dem vierfachen, lasziv bis schlicht geil geöffneten Frauenmund und diesen, mir nur allzu bekannten, eher runden Comic-Zähnen und das Wort “Liebe” haben mich sofort angezogen, mich reingezogen – erst in die Flughafenbuchhandlung, dann ins Heft.

Das NEON Magazin hat sich einen Relaunch verpasst, wirkt auf den ersten Blick sofort stärker, moderner und präziser – und das wollte ich mir mal genauer angucken. Außerdem wollte ich ein wenig lernen, über die Liebe. Wie sie geht oder eben auch nicht.

Hängengeblieben bin ich dann aber doch zuallererst am Titelthema der aktuellen, brandneuen Ausgabe. Darin geht es um die Arbeit, jedoch nicht die an der Liebe, sondern um den Job, den Beruf, diese Sache also, mit der man das Geld verdient, um sich eine Beziehung mit einem schönen Mädchen leisten zu können.

Der Sinn der Arbeit, meiner Arbeit, ist somit klar umrissen.

In dem Artikel stellen sich eigentlich alle Protagonisten die Sinnfrage: Warum arbeite ich? Viele Jobs, steht dort, seien Bullshit-Jobs, also eigentlich unnötige Berufe, die Tätigkeiten vorgaukeln, um in das 40-Stunden-Korsett einer Vollzeitstelle zu passen. Das ist natürlich der blanke Horror – und glücklicherweise meilenweit entfernt von meiner Lebensrealität.

David und ich arbeiten an Dandy Diary und jetzt bald dem Dandy Diner zwar sicher mindestens 40 Stunden in der Woche, das jedoch mit klarer Mission (die Revolution!) und vor allem mit Spaß und eben ohne auf die Uhr zu schauen. Außerdem arbeiten wir montags, dienstags und mittwochs meist mehr, als am darauffolgenden Dandy-Wochenende, das – wer uns kennt, weiß das – immer genau am Donnerstag beginnt. Wer penibel Stunden zählen möchte, könnte die vielen Stunden, die wir in Restaurants, bei Shop-Openings, auf Produkt-Launch-Partys und in einschlägigen Szene-Bars verbringen, sicherlich auch zumindest in Teilen unserer Arbeit zuschreiben, aber das wäre irgendwie auch nur die halbe Wahrheit. Es macht schlicht zu viel Spaß, um als klassische Arbeit durchzugehen.

Ähnlich dürfte es wohl auch dem Kurator Hans Ulrich Obrist gehen, der im Gespräch mit dieser wirklich guten NEON-Ausgabe sagt, er würde “nie etwas tun, was nicht mit Arbeit zu tun hat”.

Das lässt sich als erfolgreicher Kurator sicher leichter sagen, denn als Kassierer im Netto-Markt. Und als Mode-Blogger sowieso.

Und bevor ich jetzt auf Knien rutschend dem lieben Herrgott für meinen Traumberuf danke, widme ich mich lieber schnell wieder dem Thema Liebe, das nur ein paar Seiten weiter verhandelt wird – und sich mir nicht ganz so leicht erschließt wie die so genannte Arbeitswelt.

Foto: EyeCandyBerlin

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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