Große Kunst: ALEXANDER MCQUEEN “Savage Beauty” Retrospektive im Victoria & Albert Museum, London

Ich kann zwar IMMER noch nicht von einem “Fashion Moment” – davon habe ich bislang ohnehin nur gelesen und gehört, nie einen erlebt – sprechen, dennoch gehört die Alexander McQueen-Retrospektive, die ich jüngst im Londoner Victoria & Albert Museum gesehen habe, zu den absoluten und dann doch sehr raren Highlights meiner bisherigen Beschäftigung mit dieser “Mode”, von der immer alle reden.

In der in einer guten Stunde zu durchlebenden Ausstellung wird ein Großteil des Oeuvres und der düsteren Gedankenwelt von Alexander McQueen gezeigt: die Beschäftigung mit afrikanischen Stämmen, die Faszination für die Tierwelt – hier vor allem Geweihe, Panzer und Vögel –, Fetisch und Masken, Gothic, und immer wieder – und darauf liegt der Fokus vielleicht etwas zu stark – der romantisch verklärte Blick Richtung Tod.

Wie kreativ das Schaffen des britischen Designers tatsächlich war, zeigt die dichte, volle Ausstellung eindrucksvoll. Seine herausfordernden Couture-Kleider werden immer wieder in Kombination mit den nach wie vor atemberaubenden Videos seiner dramatischen Modenschauen gezeigt.

Dass McQueen in den 1990er Jahren als Kreativdirektor beim französischen Modehaus GIVENCHY wirtschaftlich nur versagen konnte, wird eigentlich ab seinen ersten Kollektionen als Absolvent der Mode-Uni Central Saint Martins: mit jeder Kollektion präsentierte er eine völlig neue Vision, die oft rein gar nichts mit der vorangegangenen Kollektion zu tun hatte, außer eben dem Drang, etwas radikal Neues zu schaffen. McQueens Entwürfe für GIVENCHY findet man in der Ausstellung übrigens nicht.

Auch seine Zeit als Schneider in der Savile Row, das hat schon VOGUE-Kritikerin Suzy Menkes angemerkt, wird nur minimal thematisiert. Dabei liegt hier wohl die Grundlage für McQueens dekonstruktives Arbeiten: das genaue Wissen um das Handwerk der Mode.

Dass Alexander McQueen mehr Künstler und Herausforderer denn schlichter Modedesigner war, wird in der Ausstellung mehr als deutlich. Die durch die großen Luxuskonzerne LVMH und PPR, zu letzterem gehörte übrigens auch McQueen, mittlerweile gänzlich auf Verwertbarkeit getrimmte Branche hat aktuell niemand vergleichbaren.

McQueen, der sich am 11. Februar 2010 das Leben nahm, war, das zeigt “Savage Beauty” schmerzlich, der letzte große Künstler der Mode. Eine Lagerfeld-Schau im Supermarkt ist gegen sein Werk nichts weiter als ein schlechter Scherz.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 2. August 2015. Tickets sind wohl sehr schwer zu bekommen. Der Aufwand sollte sich aber lohnen – auch übrigens für Personen, die sich sonst eher nicht für dieses “Mode” interessieren. Infos gibt es hier.

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Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

Fotos: Victoria & Albert Museum London

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