Der Krokodilmann: Felipe Oliveira Baptista

1975, rund 1400 km vom portugiesischen Festland entfernt, auf den “Azoren”, kam Felipe Oliveira Baptista zur Welt.

Die Azoren musste er irgendwann schweren Herzens verlassen, um seiner Berufung – Modemacher – nachzugehen, denn die azorische Modebranche ist, nun ja, recht überschaubar.

Heute lebt und arbeitet Baptista in Paris. Sein Schaffen erlernte der LACOSTE Creative-Director auf der Londoner Kingston University, danach folgten Jobs bei Max Mara, Cerruti, Uniqlo und Christophe Lemaire, von dem er 2010 die Nachfolge bei LACOSTE antrat.

Felipe Oliveira Baptista zum Creative-Director zu machen, dürfte einer der besten Entscheidungen in der LACOSTE Firmengeschichte gewesen sein, gleich nach der, René Lacoste’s Spitznamen, das Krokodil, zum Logo, des 1933 gegründeten Labels zu machen.

Denn Baptista verpasst dem geschichtsträchtigen Label mit grafischen Elementen, cleanen Cuts und perfektem Tailoring einen zeitgemäßen Look.

Für seine AW 2016 Kollektion ließ sich Baptista von “The Royal Tenenbaums”, dem Meisterwerk von Wes Anderson, inspirieren. Er zeigte Sophistacted Sportswear mit einem Touch Oddness. Eine großartige Kollektion, die wir in New York Probe tragen durften, hier zu sehen.

Bevor Baptista sich einer neuen Kollektion widmet, verschwindet er erstmal für ein paar Tage in dem Archiv des französischen Modehauses. Doch egal welches Jahrzehnt der LACOSTE Geschichte ihn für eine neue Kollektion inspiriert. Seine Designs wirken immer kontemporär, teilweise gar futuristisch.

Für seine SS 2016 Show, die wir “live” während der New York Fashion Week zu sehen bekamen, beeinflusste den Modemacher die Olympische Ästhetik der 30er Jahre. LACOSTE wird für die anstehende Olympiade in Brasilien, bereits zum 2. Mal, die französischen Olympioniken ausstatten. Daher die Quelle der Inspiration.

LACOSTEs Creative-Director zitiert in seinen Entwürfen die französische, russische, schwedische Nationalfarben und Flaggen. Die Schnitte folgen der Geometrie der Fahnen. Baptista nimmt die Flaggen auseinander, setzt sie neu zusammen, lässt so einen Sinnbild für Universalität und Diversität entstehen.

Olympioniken, die nach dem Gewinn der Goldmedaille sich die Flagge ihres Landes über die Schulter legen, dann mit stolz geschwellter Brust eine Runde für das Volk drehen, sorgten für die Inspiration für eines der Highlights der LACOSTE SS 2016 Kollektion: Überwürfe in rot und silber.

Dass Baptista einer der begnadetsten Designer seiner Generation ist, hat sich bereits auch außerhalb von Paris herum gesprochen. Er dürfte mittlerweile ebenso viele Auszeichnungen in seiner Vitrine haben, wie der FC Bayern Meisterpokale im Vereinsheim.

Er gewann – anderem dem – den prestigeträchtigen ANDAM Award und auch bei dem Hyères Festival wurde er bereits ausgezeichnet. Wie bei vielen erfolgreichen Modedesignern steckt hinter Baptista jemand, der den Business Part übernimmt, ihm somit den Kopf frei hält. Baptistas “Pierre Bergé” ist seine Frau. Sehr modern.

In einem Interview wurde Baptista vor ein paar Jahren gefragt, ob es Regeln gibt, wie man den LACOSTE Klassiker, das Poloshirt, zu tragen hat. Seine Antwort: “niemals den Polokragen hochklappen.” So, jetzt wisst ihr Bescheid, der Krokodilmann hat gesprochen.

Wir wünschen uns noch mindestens 100x Jahre: Baptista x Lacoste.

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Category: Fashion Shows

Tags: Felipe Oliveira Baptista, lacoste, New York Fashion Week

Von: David Kurt Karl Roth

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