Das Zeitalter des Emoji-Chic

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Der Einfluss des Internets auf die Mode Ă€ußert sich nicht nur in all den Umstrukturierungen und Neuerungen, ĂŒber die wir in den letzten Monaten immer wieder berichtet haben.

Denn wĂ€hrend sich durch technische Neuerungen die Inszenierung von Shows, der Handel mit Kleidung und der Einfluss von Journalisten und Bloggern immer schneller Ă€ndern, sich PrioritĂ€ten verschieben und fĂŒr festgelegt geglaubte GrĂ¶ĂŸen und Werte im nĂ€chsten Moment vollkommen nichtig sind, hĂ€lt auch eine weniger ernste, aber fĂŒr große Teile der Kunden mindestens so relevante “Kultur” Einzug in die Mode: Die der Emojis nĂ€mlich.

SpĂ€testens seitdem wir hier auf Dandy Diary auch endlich mit Emojis arbeiten können (siehe oben), gibt es kein ZurĂŒck mehr. Dabei sind wir nicht die Einzigen und – zugegeben – auch nicht die Ersten.

Bereits 2014 zeigte man bei Moschino eine mit Smileys und Flaggen derart ĂŒberladene Kollektion, dass sich manch ein Besucher der Schau ob der Àsthetisch völlig indiskutablen, in ihrer Bedeutung aber nicht zu unterschĂ€tzenden Kombination schĂŒttelte.

Auf die Kollektion folgte dann eine ganze Welle an Produkten mit Emoji-Bezug aus der Modebranche. ZunÀchst griffen ASOS und Co. das Thema mit All Over-Emoji-Prints auf Sweatern und T-Shirts auf.

Zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte Versace schließlich eine App mit an das Logo der Marke angepassten Smileys. Wesentlich grĂ¶ĂŸere Aufmerksamkeit erhielt Kim Kardashian fĂŒr die gleiche Idee, die sie logischerweise Kimoji taufte und dank der ich jetzt meinen Freunden endlich ein Rendering des vor Öl glĂ€nzenden, ungeahnte Ausmaße annehmenden Hinterteils von Kanye Wests Gattin schicken kann.

Bis hierhin war das leider alles nicht so richtig stilvoll, was die Mode aus Emojis machte. Weder will ich in Moschino als Maskottchen fĂŒr VölkerverstĂ€ndigung und unreflektierten Weltfrieden rumlaufen, noch schicke ich meinen Freunden ein Abbild von Kim Kardashians Arsch – so schön die Vorstellung auch sein mag.

Weil Acne Studios ja aber sowas wie ein Garant fĂŒr guten Stil ist und wohl eine MarktlĂŒcke in der Kombination ihrer Kernkompetenz – dem guten Stil – und Emojis gesehen hat, gibt es sie aber jetzt endlich: Tragbare Teile fĂŒr Chat-sĂŒchtige und Internetkids.

Die vor OberflĂ€chlichkeit und PlastikĂ€sthetik glĂ€nzenden Smileys, Hotdogs und Schweinenasen, die, so hoffen wir, eine versteckte Hommage an das Dandy Diner sind, wurde von den Schweden geringfĂŒgig verĂ€ndert. Sie wirken jetzt nichtmehr ganz so billig. Ihren kindlichen Internetcharme haben sie nicht verloren.

Die Beziehung von Mode und Internet scheint an einem wichtigen Punkt angekommen zu sein: Noch ist es keine SelbstverstĂ€ndlichkeit, wie sehr die beiden Bereiche ineinander verwachsen oder das bereits sind. In fĂŒnf Jahren wird sich allerdings niemand mehr hinsetzen, um einen Artikel ĂŒber Emoji-Prints auf Klamotten schreiben, ist es bis dahin doch völlig selbstverstĂ€ndlich, dass das Internet und alles, was eben dazugehört, die wichtigste Inspirationsquelle, das effektivste Kommunikationsmittel und der gewinnbringendste Vertriebsweg fĂŒr Designer und Labels ist.

Soweit ist es aber noch nicht. Und deshalb ist in diesem Artikel auf Business of Fashion auch von einem “digital virus” die Rede, mit dem sich die Modebranche infiziert haben soll. Ganz so Schwarz malen kann man es natĂŒrlich nicht, ist ein Virus doch durch und durch negativ konnotiert und die digitale Welt ja eigentlich eine gute Sache. Von einem krankheitshaften Einfluss der digitalen Welt auf die Mode sollte und kann man aber dennoch sprechen. Und das ist nur gut so.

Category: Trends

Tags: Acne Studios, Emoji, MOSCHINO, Versace

Von: David Jenal

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