Das tragen Clinton und Trump

So wirklich viel gibt es ja nicht zu berichten über die Kleidung von Politikern, ist sie doch ob festgefahrener Etiquette ziemlich eintönig. Im US-Präsidentschaftswahlkampf ist aber nichts mehr egal – auch nicht die Klamotte.

Hillary Clinton scheint das zu wissen und trägt deshalb fast ausschließlich Fabrikate US-amerikanischer Designer. Es gilt ja schließlich, das eigene Land zu repräsentieren. Um dabei möglichst gut auszusehen, hat sich die Kandidatin der Demokraten die wohl Prominenteste aller möglichen Beraterinnen ausgesucht: Die große Anna Wintour steht Clinton in Stilfragen zur Seite und stellt die Outfits für wichtige Pressetermine und Reden zusammen.

Mit einer Ausnahme scheint die Vogue-Chefredakteurin gut mit ihrem neuen Nebenjob klarzukommen: Während einer ihrer Reden über die ungleiche und unfaire Verteilung von Gehältern trug Clinton eine 12.000,- Dollar teure Jacke von Armani – eigentlich keine allzu große Sache, mitten im Präsidentschaftswahlkampf aber natürlich ein Affront und gefundenes Fressen für die Gegenseite.

Auf der kämpft bekanntlich Donald Trump und trägt dafür seit Jahren ausschließlich Anzüge von Brioni. Im 2004 erschienen Buch “Trump: Think Like a Billionaire” ist zu lesen, dass Trump die Ware kostenlos von dem italienschen Traditionshaus zur Verfügung gestellt bekommt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Ob Justin O’Shea, seit einem halben Jahr Creative Director bei Brioni, Trumps verbale Ergüsse nicht mit seinem eigenen Wertegefüge vereinbaren konnte oder welch anderen Grund die Beendigung des Sponsoring hat, weiß ich nicht. So oder so zahlt Trump um die 6000 € für einen seiner Anzüge. Dass er dafür von den Demokraten und dem Wahlvolk nicht stärker kritisiert wird, liegt wohl an der vollkommen uncharmanten und stillosen Art und Weise, mit der Trump die feinen italienischen Anzüge trägt. Wirklich erkennen, welch edler Zwirn Donalds unförmigen Körper verhüllt, kann man nicht.

Interessant ist, dass die wenigsten Politiker kostenlos Kleidung zur Verfügung gestellt bekommen; und das trotz ihrer großen Medienpräsenz und Wirkung und Strahlkraft auf Generationen, die sich nicht mit Instagram-Posts und Blogeinträgen erreichen lassen. Ein Grund könnte die Furcht auf Seiten der Politiker vor Kritik und Häme wegen der unerlaubten oder zumindest unsittlichen Annahme von Geschenken sein. Aus einem kostenlosen Anzug wird in Zeiten, in denen das laute und populistische Wort mehr zu gelten scheint als Fakten und Zahlen, schnell ein Korruptionsvorwurf.

Auf Geschenke von Modelabels verlassen sich also die wenigsten Politiker, umso mehr aber auf die fachkundige Einschätzung und Beratung von Stylisten. Zumindest in der Spitzenpolitik arbeiten die allermeisten Abgeordneten und Regierungsmitglieder mit eben solchen zusammen. Wirklich Spaß machen tut der Job wahrscheinlich nicht – geht es doch an erster Stelle um das Kaschieren der dicken Politiker-Körper und weniger um das kreativste Outfit. Wichtig ist das Styling aber trotzdem. Denn jeder stilistische Fehltritt, jede schlecht gebundene Krawatte und jedes zu teuer erscheinende Teil kostet Clinton und Trump wohl ab jetzt Stimmen.

Category: News

Tags: anna wintour, brioni, Donald Trump, Hillary Clinton

Von: David Jenal

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