Dandy of the Week: Virgil Abloh

Virgil Abloh ist Kreativdirektor von Kanye West, mit seinem eigenen Label »Off White« schwer erfolgreich und neben Demna Gvasalia einer der vielversprechendsten Designer dieses Jahres. Und jetzt auch unser Dandy of the Week.

Doch wer ist Abloh eigentlich und, die viel wichtigere Frage: wie hat er es geschafft, innerhalb von drei Jahren ein international bekanntes, Luxus neu definierendes und tonangebendes Modelabel aufzubauen, dass in den wichtigsten Stores dieser Welt hängt und außerdem gerade selbst einen Laden nach dem anderen aufmacht?

Studiert hat der gebürtige US-Amerikaner zunächst Bauwesen, dazu einen Master in Architektur. An seiner Universität wurde während Ablohs Studium ein Gebäude von Rem Koolhaas fertiggestellt, dass, wie Virgil heute sagt, sein Interesse an Mode das erste Mal geweckt hat.

Im Alter von 22 Jahren wurde er dann Kreativdirektor von Kanye West. Die Position hat er nun seit 14 Jahren inne und es gibt, soviel ist sicher, schlechtere Karriereeinstiege. Welche Aufgaben Abloh für West und dessen Kreativ-Agentur Donda übernimmt, darüber bewahrt er aber Stillschweigen. Was auch sonst. Er wird wohl eine bedeutende Rolle gespielt haben bei etlichen Entscheidungen hinsichtlich Albumcovern, Merchandise und Bühnenshows.

2009 waren West und Abloh gemeinsam Praktikanten bei Fendi in Rom. Ja, das klingt einigermaßen absurd, hat aber letztendlich dazu geführt, dass drei Jahre später »Pyrex Vision«, Ablohs erstes eigenes Label, vorgestellt wurde.

Pyrex Vision wurde schnell bei Colette in Paris und Storm in Kopenhagen verkauft und Abloh eine immer wichtigere Stimme in der Mode. “We saw kids from Harlem presenting Rick Owens and Raf Simons in a different way that connected directly to culture and Pyrex Vision became the aesthetic of that,” sagt der Designer über die Marke, die nur ein Jahr nach ihrer Gründung einer größeren Sache, einer größeren Vision zum Opfer fiel: Off White.

Seit drei Jahren gibt es das Label nun und in dieser kurzen Zeit hat es sich einen festen Platz im dichten Kalender der Pariser Modewoche erarbeitet, 600.000 Instagram-Follower angesammelt, Gigi Hadid und Rihanna als Fans gewonnen und mit dem diagonal schwarz-weiß gestreiften Print auf Lederjacken, T-Shirts und Hoodies einen visuellen Anker geschaffen, der ganz ohne Logo und Schriftzug funktioniert.

Die Verkaufszahlen und Umsätze werden, wie könnte es anders sein, verschwiegen. Fest steht aber, dass die Verkäufe im letzten Jahr um 100% gestiegen sind, sprich: sich verdoppelt haben. Weltweit hängen die Teile von Off White in 220 Stores. Europa macht momentan 40% des Marktes aus, den Rest verteilt sich zu gleichen Teilen auf Amerika und Asien.

Es gab Zusammenarbeiten mit Umbro, Moncler und Midnight Studios, mittlerweile ist eine Frauenkollektion fester Bestandteil von Off White. Bei alldem sieht sich Abloh weiterhin als Künstler mit dem Ziel, ein härterer Kapitalist zu werden. Auch das ist vielleicht ausschlaggebend für seinen Erfolg. Bei aller Leidenschaft und großen Visionen muss die Mode am Ende verkauft werden. Und das wird sie in diesem Fall ganz hervorragend. Es sind eigene Stores in New York, Toronto, Seoul und ein zweiter in Hong Kong geplant, wo es bereits eine Filiale gibt. Die Dependance in Tokio wurde kürzlich eröffnet. Im engeren Team des Labels arbeiten mittlerweile 14 Leute.

Dass die Grenze zwischen Streetwear und High Fashion immer verwischt, ist nichts Neues. An der Aufweichung der einst strikten Abtrennung arbeiten Labels und Designer wie Gosha Rubchinskiy, Wood Wood oder Supreme seit Jahren. Virgil Abloh ist es mit Off White aber als erstes gelungen, den Look von der Straße zu Luxus zu machen und sich nicht einfach nur in der Grauzone zwischen diesen zwei vermeintlichen Gegensätzen zu positionieren: “With fashion you have to choose if you’re high-end, contemporary or streetwear, men’s or women’s. Off-White is between black and white, there is no choice. It’s the idea that I wouldn’t decide, which relates more to the consumer,” sagt er. Die Kunden beschreibt er oft als ein Paar: er trägt Supreme, sie Celine und beide teilen sich einen Kleiderschrank, in dem High und Low nicht nur aufeinandertreffen, sondern harmonieren.

Ein nächstes, großes Ziel hat Abloh selbstverständlich auch schon: er will an der Spitze eines der großen Luxushäuser stehen, denn: er glaubt fest an die Re-Kreation dieser geschichtsträchtigen Marken und führt dafür Beispiel wie Alessandro Michele bei Gucci und Demna Gvasalia bei Balenciaga ins Feld.

Die Ernennung zum Kreativdirektor bei einem großen Haus wäre nicht nur der nächste Schritt für Virgil Abloh, sondern auch sowas wie ein finaler Ritterschlag und die Erkenntnis, dass sein Ansatz genau der richtige ist, will man im Jahr 2016 Mode machen: wissen, was der Kunde will und nicht auf vermeintlich festgelegten Mustern und Grenzen beharren.  Streetwear ist Luxus. Und Virgil Abloh einer der spannendsten Designer dieser Zeit.

Category: Special

Tags: Dandy of the Week, Virgil Abloh

Von: David Jenal

Instagram