Dandy of the Week: Leon Löwentraut

Er ist jung, erfolgreich, ein ziemlicher Snob und bis in die Haarspritzen arrogant. Und genau deshalb jetzt unser Dandy of the Week: Leon Löwentraut.

Der 18-jährige ist nicht nur Düsseldorfer – was man auf den ersten Blick sieht – sondern auch ein verheißungsvoller Nachwuchskünstler, ja, sogar “der neue Picasso”, will man der reißerischen Kunstpresse Glauben schenken.

Im Alter von acht Jahren nahm er nach Aufforderung seiner Mutter das erste Mal den Pinsel in die Hand. Dass Malen seine große Leidenschaft ist, war aber  wohl nicht von Anfang an klar: laut eigener Aussage musste er erst noch Motocross fahren, Schach spielen und weitere, weniger nennenswerte Sportarten ausüben, bis er in der Kunst seine Lebenserfüllung fand. Motorcross, Schach, Kunst: besser geht es kaum.

Die Kunst betreibt er heute recht erfolgreich. Sein öffentliches Auftreten, die akkurat nach hinten gegelten rotblonden Haare, die Best Of-Privatschule-Outfits und seine himmelschreiende Arroganz, vom Spiegel journalistisch korrekt mit “leicht extravagant” umschrieben, all das ist ihm dabei wohl sehr behilflich. Logischerweise.

Und so steht er Nachts in seinem Atelier im Keller seines Elternhauses, malt stundenlang und hört dabei klassische Musik. Dass alles im Alter von 18 Jahren ist so verdammt cool und alle alters-und generationstypischen Stereotype überwindend, man kann ihm eigentlich nichts mehr übel nehmen.

Seine Kunst nennt Löwentraut “Expressiv-Abstrakt” und sagt ansonsten Dinge wie: “Ich bin schon mit acht Jahren in Restaurants gegangen und habe gesagt: hier, das sind meine Bilder, und wenn ihr mal richtig geile Bilder haben wollt, eine Wertanlage sucht, dann investiert in meine Bilder.”

Mit 17 Jahren stellte er das erste Mal in London aus. Bald folgte eine Ausstellung in Singapur und eine Galerie in Basel verkaufte kürzlich alle Werke, die sie von Löwentraut zeigte.

Löwentrauts Bilder bedienen einen Markt, der sich momentan offensichtlich nichts mehr wünscht als großformatige und schrille Bilder. Die erwecken nämlich Aufmerksamkeit, wenn sie in den Vorstadtvillen und Neubau-Apartments ihrer Käufer hängen, die nur so darauf warten, auf ihre Kunstsammlung (oder zumindest ihren neuen Löwentraut) angesprochen zu werden. Ein paar bunte Quadrate von Richter oder eine nebelige Landschaftaufnahme von Gursky machen beim totalen Laien im Zweifel weniger Eindruck. Und das will ja nun wirklich niemand.

Leon Löwentraut will übrigens gerne eine Kunstakademie besuchen, um “neue Techniken zu lernen”. An der renommierten Kunstakademie in Düsseldorf wurde er zuletzt abgelehnt. Schade eigentlich.

Category: Special

Tags: Leon Löwentraut

Von: David Jenal

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