Dandy of the Week: Charles Schumann

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Warum wir Charles Schumann noch nicht zum „Dandy of the Week“ gekürt haben? Das können wir uns rückblickend selbst nicht so richtig erklären, vielleicht war einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt da? Der ist diese Woche in jedem Fall gekommen – Ehre wem Ehre gebührt. 

Der 78-jährige Schumann ist eine Legende und Stil-Ikone. Bevor Schuhmann zum bekanntesten Barkeeper Deutschlands wurde, besuchte er, zu mindestens kurz, ein bischöfliches Gymnasium in Regensburg, arbeitete beim Bundesgrenzschutz und in einer Hühnerbraterei, bevor er einen wunderbaren Ort, an dem alles möglich schien, für sich entdeckte: das Nachtleben.

Anfang der 1970er ging Charles Schumann nach Südfrankreich, wo er seinen Spitznamen „Charles“ verpasst bekam und Erfahrung in diversen Discotheken und Nachtlokalen, darunter ein sagenumwobener Striptease-Club an der spanischen Grenze, sammelte.

Statt Priestertum,  wie es sich sein Vater gewünscht hätte,  also „Deutschlands most sexy Barmann“. 1982 eröffnete „Charles“ die „Schumann’s American Bar“, in der sich Künstler, Journalisten, Filmemacher und Literaten auf einen von „Charles“ gemixten Whiskey Sour trafen.

Der bei Schumann ohne Schnickschnack auskommt, da „muss nicht unnötig herumgepanscht werden“. In Sachen Stil hält es Schumann wie die Japaner „Ein Teller ist perfekt, wenn man nichts mehr wegnehmen kann“ – eine Weisheit, die Schumann, Tokio-Liebhaber und Yohji Yamamoto Freund, auf alle Lebensbereiche überträgt.

Er wohnt in seinen Anzügen, trägt offenes Hemd, Sakkos und Hosen über viele Jahre hinweg, die meisten davon handgefertigt vom Schneider, oder aber von Baldessarini, der Marke, für die Schumann zum wichtigsten Werbegesicht wurde. Schumann ist Baldessarini.

Viele halten ihn bis heute für Werner Baldessarini höchstpersönlich, der ebenfalls ein lässiger Typ ist, jedoch nicht ganz so schöne Haare, wie der „Charles“ hat. 1991 brachte Charles Schumann das Buch „American Bar“ raus – heute ein Klassiker in der Barszene. 

All jenen jungen, Vollbart tragenden, Flaschen durch die Luft wirbelnden, sich selbst zum Mixologen hoch stilisierenden Männern wünschen wir ein wenig mehr so zu sein wie „Charles“. Weniger und stilvoller – das wäre schön – das würde dem Nachtleben gut tun.

Wenn Schumann nicht im „Schumann’s“ hinter der Bar steht, dann boxt er (3x in der Woche), spielt Fussball (1x in der Woche) oder surft in Biarritz (so oft es eben geht). Er soll ein Raubein sein, teils schroff im Umgang, ein Provokateur, so heißt es.

Als wir vor Jahren im „Schumann’s“ ganz bodenständig Bratkartoffeln essen waren, war er tatsächlich da, der Rockstar Charles Schumann. Anzug, silbergraues Haar, grantelnd, einmal quer durch das „Schumann’s“ brüllend. Er enttäuschte uns nicht. Eine Legende.

Charles, herzlichen Glückwunsch zum „Dandy of the Week“, wir hoffen du nimmst den Preis an.

Category: #dandydiaryspace

Tags: Charles Schumann

Von: David Kurt Karl Roth

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