Dandy Diner: Jetzt sprechen die Architekten

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Von Architektur verstehen wir ja nicht allzu viel. Und das liegt nicht gar an mangelndem Interesse an Design und √Ąsthetik. Nein, der eigentliche Grund ist ein anderer: Wir sind f√ľr alles, was auch nur im Ansatz mit Zahlen, k√∂rperlicher Arbeit und Genauigkeit zu tun hat, absolut nicht zu gebrauchen. Zum Gl√ľck gibt es Menschen, die mit diesen Dingen so viel besser umgehen k√∂nnen als wir. Alex und Thomas von studio karhard¬ģ k√∂nnen das sogar richtig gut. Deshalb sind sie auch die Architekten unseres Dandy Diner. Dar√ľber, wie es dazu kam, ihre Arbeitsweise und anderen Projekten und ihren stadtweiten Ruf als ‚ÄěToiletten-K√∂nige‚Äú habe ich die zwei in ihrem h√∂chst stilvollen B√ľro direkt am Schlesischen Tor in Kreuzberg befragt.

Seit wann gibt es studio karhard¬ģ?

Seit 2003, also mittlerweile 13 Jahre. Architekten sind wir aber beide schon seit √ľber 20 Jahren.

Was ist die Grundaufgabe eines Architekten?

Wir sind zwar Hochbauarchitekten, haben uns aber auf eine Art von Interieur spezialisiert, die stets mit der Schaffung einer besonderen Atmosph√§re verbunden ist. Die Projekte, die wir machen, k√∂nnen wir zum Gl√ľck danach ausw√§hlen, ob sie sich mit einer bestimmten atmosph√§rischen Dichte verbinden lassen. Das ist bei Clubs und Wohnungen und in der Gastronomie so.

Was ist damit nicht vereinbar?

Wenn ein Kunde von Anfang an sehr genaue, eigene Vorstellungen mitbringt, können wir nicht wirklich gut arbeiten. Wir brauchen ein bisschen Spielraum.

Habt ihr so etwas wie einen eigenen Stil?

Wir haben so etwas wie eine Handschrift. Wenn man aber ein Projekt wie das Dandy Diner mit dem Friseur Viktor Leske, dessen R√§umlichkeiten wir auch gestaltet haben, vergleicht, unterscheidet sich das schon recht deutlich. Unser Stil liegt darin, dass wir uns auf die jeweilige Aufgabe einstellen und versuchen, f√ľr jedes Projekt eine bestimmte Sprache und Ausdrucksform zu finden.

Sieht man euren Projekten an, dass sie von euch sind?

Wenn man vom Fach ist, sieht man das sicherlich. Wenn man sich ein bisschen näher mit uns beschäftigt, könnte man das auch tun. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn Jemandem das nicht auffällt.

Nun zum Dandy Diner. Wie verlief die Zusammenarbeit?

Wir haben lange nach einer Location gesucht, hatten aber zu einem fr√ľhen Zeitpunkt schon ein klares Konzept f√ľr ein veganes Schnellrestaurant entwickelt. Von Anfang an war klar: Es soll auf keinen Fall wie ein klassisches veganes Restaurant aussehen. Also: Kein Holz, kein √Ėko-Touch. Viel wichtiger war der k√ľhle und saubere Ausdruck eines Schnellrestaurants. In einem so stilorientierten Umfeld mit Modebloggern zusammenzuarbeiten, fanden wir sehr spannend. Das war uns nicht ganz fremd, wir kennen das von Clubs und Friseursalons, die wir gemacht haben. F√ľr uns war klar, dass wir sehr industrielle und technische Materialien einsetzen wollen. Dazu geh√∂ren keramische Fliesen, pulverbeschichtete Metallkonstruktionen und einen kunstharzbeschichteter Boden.

Ihr wart also sehr aktiv an der Entwicklung des Konzepts beteiligt.

Ja, von der ersten Minute an. Die Schaffung eines bestimmten Bildes hat bei diesem Projekt sehr gut funktioniert.

Was sind die Schwierigkeiten bei Gastro-Betrieben?

In der Gastronomie soll es ja in erster Linie um das Essen gehen. Idealerweise tritt die Architektur in den Hintergrund. Man muss also die richtige Balance zwischen der Ausdrucksstärke des Raumes und dem Essen finden. Beim Dandy Diner kam die Herausforderung hinzu, den großen Raum so zu gliedern, dass das Verhältnis von Koch-und Publikumsbereich stimmt.

Nach welchen Kriterien habt ihr die Möbel ausgewählt, die jetzt im Dandy Diner stehen?

Uns ging es darum, M√∂bel einzusetzen, die wir nicht in Fernost kaufen, sondern die hier in Berlin oder im nahen europ√§ischen Ausland hergestellt werden. Au√üerdem m√ľssen die M√∂bel nat√ľrlich zur Location passen und hier in Berlin noch nicht bekannt sein. Im konkreten Fall des Dandy Diner waren nachvollziehbare Herstellungswege besonders wichtig.

Woher kommen die Möbel konkret?

Es sind Berliner Manufakturen. Die Barhocker werden im Atelier Haussmann in Obersch√∂neweide hergestellt, die St√ľhle kommen von Decode¬†aus London, die Tische von massproductions aus Schweden. Die Platte des Betontischs wurde in Lichtenberg¬† von beton to be hergestellt, die verchromte Unterkonstruktion stammt von Juliwerk aus Sch√∂neberg. Das Schweinchen-Logo kommt aus Treptow von der Firma Ferrotec. Die Sound-Anlage ist von einem schwedischen Hersteller, die Fliesen von D-Tile kommen aus Holland.

Wenn ihr jetzt ins Dandy Diner geht: Wie zufrieden seid ihr mit dem Projekt?

Wir sind sehr zufrieden. Der Tresen ist gelungen. Man sieht im Betrieb, dass er sehr gut von den Besuchern angenommen wird. Auch bei den Dandy Talks funktioniert das sehr gut. Es gibt sicher immer einige Verbesserungsm√∂glichkeiten. Man hat bei Projekten eine gewisse Budget-Begrenzung, die sich dann leider oft ganz zum Schluss bei den wichtigen Details bemerkbar macht. Wir w√ľrden es immer noch gut finden, wenn die Fenster Vorh√§nge bekommen w√ľrden. Das wird sicher nachgeholt.

An welcher Art von Projekten arbeitet ihr derzeit verstärkt?

Wir hatten eigentlich keine große Lust mehr auf Wohnungen. Dadurch, dass die Kunden Privatleute sind, ist das Ganze sehr betreuungsintensiv. Jetzt wurden wir aber vermehrt von sehr netten Bauherren angesprochen und machen wieder verstärkt Wohnungen. Das geht dann vom Raumkonzept bis hin zur Auswahl einzelner Einrichtungsgegenstände. Wir befassen uns außerdem mit gastronomischen Einrichtungen.

Ist das wachsende Interesse an kuratierten und durchdesignten Wohnräumen ein Ausdruck unserer Zeit?

Gute Frage. Im internationalen Vergleich ist Berlin da sicher noch hinterher. In anderen Städten, in denen mit Wohnraum wesentlich ökonomischer umgegangen werden muss, spielt das sicherlich eine viel größere Rolle. Aber die Nachfrage steigt. In Berlin hat ein gewisses Umdenken stattgefunden, Leute kaufen vermehrt Wohnungen (auch Berliner) und haben Spaß daran, diese aufwändig zu gestalten.

Während der Entstehungsphase des Dandy Diner wurde mir von euch immer nur erzählt, dass ihr die Toiletten im Berghain gemacht habt. Werdet ihr darauf sehr begrenzt und Рwenn ja Рnervt euch das?

Wir werden ausschlie√ülich vom Dandy Diner als Toiletten-K√∂nige bezeichnet. Aber es stimmt nat√ľrlich: Die Toiletten sind seit Jahren ein gro√ües Thema. Sie sind ja auch sehr aufw√§ndig und pr√§tenti√∂s gebaut. Insofern ist das vollkommen in Ordnung. Wir sind aber von Freunden darauf angesprochen worden, die das eher beleidigend fanden. ‚ÄěDie Berghain-Architekten‚Äú, das h√∂ren wir h√§ufiger. Wir k√∂nnen gut damit leben.

Arbeitet ihr an weiteren Club-Projekten?

Wir betreuen weiterhin das Berghain, wo eigentlich ständig umgebaut wird. Außerdem arbeiten wir an der Club-Erweiterung Boiler am Mehringdamm. Der Laden macht im Juli auf, David war aber schon dort.

Geht ihr ins Berghain?

Na klar.

Category: Special

Tags: Architektur, Berghain, Dandy Diner, Studio Karhard

Von: David Jenal

Fotos: Stefan Wolf Lucks

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