Craig Green AW16: Fotografiert von einer Drohne

Schwarzer Sand, darin liegend: fünf irgendwie tot aussehende, aber deshalb nicht weniger gut gekleidete Männer. Was ist da los?

Ja, die Aufnahmen sehen ein bisschen aus wie die dokumentierten Überreste eines üblen Massakers mitten in einem Meer aus schwarzem Sand. Letztendlich sind sie aber nichts mehr als die neueste Kampagne des britischen Modedesigners Craig Green.

Der tatortartige Anblick, bei dem man sofort wie ein Verrückter mit weißer Kreide die Umrisse ummalen möchte, geht vor allem auf der verwendete Flugobjekt zur Aufnahme der Fotos zurück: Kein lächerlich teurer Modefotograf, nein, eine Drohne hat die Bilder für Green geschossen, auf denen jeweils fünf Models sämtliche, bei der Show in London gezeigte Outfits nach Farbe sortiert tragen. Die Reduktion auf insgesamt nur sechs Aufnahmen und die dafür notwendige Anhäufung von Models auf den einzelnen Bildern ist mindestens erfrischend, die Verwendung einer Drohne für ein großes Modeshooting aber mehr als das: ein Novum.

Craig Green selber weiß gar nicht so genau, ob das alles jetzt wirklich hilfreich ist: “It’s quite a strange thing to document every single look from the show as well, and I’m not sure it’s very usual for a campaign”, sagt er.

Dass die Bilder trotz der Verwendung modernster Technik irgendwie wie Gemälde wirken, ist gewollt, die Waage zwischen “romantic and futuristic”, sie muss bei Green gehalten werden. Der schwarze Sand lässt die, Achtung, sandfarbenen Looks mehr hervorstechen, seine Struktur macht aus den Aufnahmen eine Strecke, die man blauäugigen Redakteuren von National Geographic oder GEO auch als eine Sandstrukturstudie verkaufen könnte.

Craig Green, der erst kürzlich von uns zu einem der spannendsten Designer aus London gekürt worden war, hat für seine neueste Kollektion so ziemlich mit jedem Grundsatz der seit Jahren vor sich hinvegetierenden, immergleichen Art von Fotostrecken, genannt Kampagne, gebrochen und gezeigt: Weder muss man tausende von Euro in einen vermeintlich guten, da renommierten Fotografen investieren, noch braucht es 25 einzeln abgebildete Looks. Und dass Green nicht nur einer der, sondern vielleicht wirklich DER spannendste Brite im Modegeschäft ist, das machen die Fotos ja ohnehin deutlich.

1/6

2/6

3/6

4/6

5/6

6/6

Category: Lookbooks

Tags: Craig Green, Drohne

Von: David Jenal

Instagram