Copenhagen Fashion Week: Ist der Skandinavien-Hype vorbei?

David und Jakob haben mich, den jüngsten Dandy-Nachwuchs seit der minderjährigen Praktikantin Sonja, vergangenen Mittwoch nach Kopenhagen geschickt.

Denn: Die dortige, zu diesem Zeitpunkt stattfindende Fashion Week ist bekannt für ihren großen Anteil an Menswear-Kollektionen und die Stadt darüber hinaus eine der lebenswertesten der Welt.

Ob sich König Henrik Vibskov überhaupt die Ehre geben würde, neben seiner traditionellen Präsentation in Paris seine Kollektion auch in Kopenhagen zu zeigen, war lange Zeit unklar. Auf dem offiziellen Schedule tauchte er bis zuletzt nicht auf. Letztlich überwog wohl doch der Lokalpatriotismus und Vibskov entschied sich zum großen Glück der Copenhagen Fashion Week für eine Show. Die war dann zwar um Stunden verspätet, aber durchaus gelungen. Die Kulisse war weniger spektakulär als gewohnt, die Kollektion wartete aber mit gewohnten „Vibskov-Styles“, einer herausragende Farb-Palette und technisch interessanten Entwürfen auf.

Besonders überzeugt hat – wieder einmal – Asger Juel Larsen. Er hatte nicht nur ein Luxushotel im Zentrum von Kopenhagen als starke Location für die Show auserkoren. Seine „Born Worn“ getaufte Kollektion war auch wie gewohnt britisch-rockig und Trends aufgreifend und weiterentwickelnd. Die Lederjacke mit Pelz-Kragen hätten wir nur zu gern.

Auch die harten dänischen Kerle von Han Kjøbenhavn luden in eine Location abseits des doch sehr langweiligen Rathauses, dass ungefähr so viel Glamour ausstrahlt ist wie das Zelt am Brandenburger Tor.

In einer Halle im selbsterklärten Freistaat Christiania zeigte das Label eine von den Kopenhagener Vorstädten und Fußballclubs inspirierte Kollektion. Einzelne Teile waren mit Logos von Maurern oder Autowerkstätten aus der Region bedruckt, der Vorstadt-Vibe war sehr greifbar. Nur wenige Labels schaffen es, für die fünf Minuten Show eine so einprägsame und präsente Stimmung zu kreieren, wie die Boys von Han Kjøbenhavn.

Das konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Teile dann doch sehr an die Ästhetik von Palace Skateboards oder Gosha Rubchinskiy erinnerten. So gab es gleich mehrere Pelz-Patchwork-Mäntel zu sehen, die der Russe der Stunde schon vor mehreren Saisons in ähnlicher Form zeigte. Auch bei Asger Juel Larsen trug ein Model einen Pelz-Flickenteppich über der Schulter, der sehr stark an den heißen russischen Designexport erinnert.

Und so ist dieser Pelz-Look ein Sinnbild für den aktuellen Stand in Kopenhagen. Noch vor wenigen Jahren setzten Labels wie Soulland oder Wood Wood starke Trends im Menswear-Bereich und etablierten den schlichten, skandinavischen Chic als DEN Look des modernen Mannes. Eben genannte Labels zeigen ihre Kollektionen nun aber entweder in London oder verzichten gar ganz auf eine Show.

Dem Modestandort Kopenhagen tut das nicht gut. Statt den so beliebten skandinavischen Stil weiterzuentwickeln, werden mittlerweile Ideen aus Russland oder Großbritannien kopiert.

Fast schon logisch, dass dann auch die für jede Fashion Week so wichtige Prominenz ausbleibt. Justin O’Shea, eigentlich Stammgast in Kopenhagen, ersparte es sich dieses Mal, seinen Dreiteiler durch das raue dänische Wetter spazieren zu tragen. Und auch Jakob und David waren ja nicht da, was das Ganze natürlich ungleich beschissener macht.

Kopenhagen sollte das alles als Motivation sehen. Denn: Mode aus Dänemark kann eigentlich so viel mehr als schlechte Kopien. Wir kommen im Sommer wieder. Und hoffen bis dahin auf Besserung.

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Category: Special

Tags: Asger Juel Larsen, cphfw, Han Kjøbenhavn, Henrik Vibskov, Kopenhagen

Von: David Jenal

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