China Diary III

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Peking bereitete sich auf die große Victory-Parade zum 70-jĂ€hrigen Bestehen der Volksrepublik China vor.

Die Polizei machte aus der Altstadt rund um den Tian’anmen Platz, dem Ort der Truppen- und Waffenschau, einen Hochsicherheitstrakt aus unzĂ€hligen Absperrungen, weiteren, zusĂ€tzlich aufgestellten Kameras und Soldaten, jederzeit schussbereit.

An das Volk, das laut PrĂ€sident Xi Jinping, gefeiert werden sollte, wurden China-Flaggen verteilt, welche nach strikter Vorschrift angebracht werden mussten, wer dagegen verstieß, wurde öffentlich gerĂŒgt.

Die junge Dame an der Rezeption des „Leo Courtyard Hostel“ erklĂ€rte mir nach Ankunft, dass ich, entgegen Plan und Buchung, schon morgen, bis 12:00 Uhr, weiterziehen mĂŒsste, Anweisung der Polizei. Alle Touristen mussten die Gegend verlassen, ich buchte mir, gegen meine selbst auferlegte Regel verstoßend, eine Nacht im Hotel, dem San Yuan.

Doch den Traum von der großen V-Parade wollte ich noch nicht ganz aufgeben, inmitten von goldbraunen, Pirouetten drehende Pekingenten und Mah-Jong spielenden Greisen lernte ich Tuan kennen, der wie ich aus Shanghai angereist war.

Er liebe die Tradition Pekings, seine Heimat Shanghai dagegen sei kalt. Die Fu Xing Mens BrĂŒcke, so Tuan, sei optimal, um die einrollenden Panzer zu sehen, vorausgesetzt man stehe frĂŒh genug auf.

Von einem Taxi ließ ich mich um 02:00 Uhr zur BrĂŒcke fahren, bei der es sich, das wurde bei Ankunft klar, um eine AutobahnbrĂŒcke handelte. Will ich hier wirklich raus? Fragte auch der Taxifahrer.

Ein paar bemerkenswert hippe Tanker-Spotter, in Yeezys und Balenciaga Hoodies, hatten bereits Stellung bezogen und erklĂ€rten mir, wo genau die Panzer vorbeifahren sollten – irgendwann.

Selbst eine riesige Raketenabschussanlage wĂ€re von dem Ort aus bestenfalls schemenhaft zu erkennen gewesen, daher beschloss ich mich zum Tian’anmen Platz vor zu kĂ€mpfen.

Es war noch immer dunkel, die großen Straßen von keinesfalls gesprĂ€chsbereiten Polizisten gesperrt, daher schlich ich durch Gassen, die sich durch die Hutongs der Altstadt Pekings schlĂ€ngelten.

TagsĂŒber herrschte hier reges Treiben, es wurde laut gefurzt, ungeniert gespuckt, getanzt, Zwergpudel tollten, Kanarienvögel zwitscherten, doch jetzt war es still und ich auf meiner Mission, auf der ich Lien, Mian und Ha kennenlernen sollte.

Drei Studenten, die fĂŒr Chinas grĂ¶ĂŸte Parade aller Zeiten angereist waren, wir verfolgten das gleiche Ziel und schlossen uns zusammen.

Keinesfalls stramme Patrioten, sondern Boys aus der Mitte der Gesellschaft, doch, und das fand ich spannend, die ohne einen Funken Ironie schmachtvolle SĂ€tze sagten, wie „Xi is a beautiful men.

Groß gewachsen, ja, aber doch kein Trudeau, dachte ich und stimmte ihnen nickend zu. Als ich einem Hund einen KekskrĂŒmel zu warf, fragte mich Hu, ob ich Hunde mag. Und ich daraufhin von ihm, ob er schonmal einen gegessen hĂ€tte. Schamesröte flutete sein Gesicht: „Yes, they taste like sheep“.

Kurz vor der grĂ¶ĂŸten Chinas MilitĂ€rparade aller Zeiten, die um 09:30 Uhr, beginnen sollte, erreichten wir einen Platz, an dem es, egal in welche Richtung, es nicht mehr weitergehen sollte, rund 30 Meter entfernt von einer Straße, die, so die Hoffnung, schon bald die Soldaten hinunter marschierten sollten. Doch stundenlang tat sich nichts.

Lien, in Fendi Poloshirt, im Gesicht gezeichnet durch pubertÀre SpÀtfolgen, kÀmpfte mit dem Internet, wo es bei CCTV, dem chinesischen Staatsfernsehen, die Machtdemonstration im Livestream zu sehen gab.

„My hearts breaks“, schluchzte Lien, als das Bild mal wieder stockte. Herzzerreißend, denn Lien, das war klar, meinte es ernst, doch die Übertragung wurde besser.

So sahen wir gemeinsam Veteranen dabei zu, wie sie fĂŒr ihre sicher sehr heroischen Taten Medaillen umgehĂ€ngt bekamen, wie der PrĂ€sident Ehrenrunden drehte, ihm sein Heer, zu allem bereit, fantastisch zuschrie, Ehrengast Putin freundlich grĂŒĂŸte und Piloten ihre Kampfflugzeuge bestiegen.

Jets donnerten ĂŒber uns, Hubschrauber flogen eine 70, frenetischer Jubel brandete auf, dann kamen die Soldaten auf uns zu und sangen Ihre Marschlieder.

Das hatte auch fĂŒr Pazifisten etwas mitreißendes. Neben mir stand Valentin, die zweite Langnase, wie Chinesen gern AuslĂ€nder nennen, der erklĂ€rte, dass die meisten der chinesischen Waffen nur modifizierte Versionen des russischen Arsenals seien.

Meine drei chinesischen Freunde verlor ich in der Menge, die MilitĂ€rparade neigte sich ihrem Ende zu, ĂŒberall beseelte Gesichter, Euphorie, ein GefĂŒhl wie nach einem WM-Finale. Ich kaufte mir eine chinesische Fahne, welche ich mit stolz geschwellter Brust auf dem Heimweg schwenkte.

Soldaten und Polizisten, denen ich „ni hao“ zurief, glaubten ihren Augen nicht, eine Langnase, ein Patriot?

Category: #dandydiaryspace

Tags: Xi Jinping

Von: David Kurt Karl Roth

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