China Diary I

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Jogi Löw will sich nicht auf einen Boy hinten drin festlegen. Björn Höcke wird vom ZDF stark emotionalisiert. Und ich sitze in einer British Airways Maschine, mal wieder Mittelplatz, via London Heathrow nach Shanghai.

Kurz vor der Landung geraten wir in ein kleines Luftloch, was meinen linken Sitznachbarn, ein glatzköpfiger Business-Brite, und mich nach der rettenden Armlehne greifen lässt, für einen kurzen Moment halten wir Händchen. Zwei keinesfalls furchtlose Männer, Hand in Hand, hoch oben in der Luft, eine herzerwärmende Szene. Mein Sitznachbar, nennen wir ihn mal Terry, das würde so gut passen, murmelt daraufhin etwas unverständliches, dazu ein kurzer, grimmiger Blick.

Was will ich denn überhaupt allein in China? Frage ich mich in den kurzen Phasen, in denen ich auf dem Weiterflug nicht schlafe, und komme auf ein paar mich überzeugende Antworten: Ich will mir die größten, schönsten Museen anschauen. Die chinesische Kopie von der österreichischen Stadt Hallstatt. Sichuan Hot Pot essen. Und mich, ganz grundsätzlich, noch einmal im Reich der Mitte versuchen, dem Kolonialherren Afrikas, der stillen Weltmacht.

Bei meinem letzten Besuch lief es nicht wirklich rund. Ich wurde Opfer des Tea Ceremony Scam. Kommunikationsprobleme („I am Vegetarian“!) sorgten für Frustration und dafür, dass ich am letzten Abend meiner Reise im Hotel speiste, noch auf mein Essen warted, eine Ratte, groß wie ein Mader, die Treppen hinunter stürzte, geradewegs auf mich zu, ein Sprung auf den Tisch rettete mich. Die Ratte nahm dann Kurs auf die Küche. Dort wo gerade mein Essen für mich zubereitet wurde.

Da muss noch mehr gehen, denke ich, während ich eine Gemüsesuppe nach Ankunft  in Shanghai löffele, die so scharf ist, dass ich mir die Nase putzen muss, was ja hierzulande in der Öffentlichkeit überhaupt nicht gut ankommen soll, alles andere hingegen, öffentlich laut furzen oder rülpsen, unliebsame Überreste ausspucken, so mein China-Ratgeber, absolut okay. Doch alle anderen Gäste des Restaurants starren auf ihr Huawei, daher keine strafenden Blicke, für meinen ersten China-Fauxpas.

Bald darauf starre ich dann, mit wachsender Verzweiflung, auf mein iPhone, denn mein Virtual Private Network, kurz VPN, will sich nicht connecten.

Daher, dank Zensur, kein Zugriff auf Google (+ E-Mails), Facebook, Instagram, Wikipedia und WhatsApp. Der Technologie-Trick No. 1 – mach mal aus, dann wieder an! – will einfach nicht funktionieren. Mutlosigkeit und Jetlag sorgen für einen mittäglichen Schlaf, nachdem das Problem, entgegen aller Hoffnungen, nach dem Nickerchen immer noch nicht gelöst ist, geht es wieder mit neuer Kraft gegen Chinas Firewall. Denn, das wird mir hier noch einmal ganz deutlich, ich trage eine Verantwortung.

Dem Leser gegenüber. Dem Follower. All jenen Menschen, die sich seit Jahren an der bereits hängenden, schlaffen Titte Dandy Diary fest gebissen haben, wie ein Teenie-Boy mit Ödipus-Komplex an Mutters Busen. Ich kämpfe, nur für euch, lösche, installiere mehrfach, und überwinde schlussendlich doch noch Xi Jinpings China Firewall.

Category: #dandydiaryspace

Von: David Kurt Karl Roth

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