Das System der Modebranche wandelt sich derzeit radikal: Welche Folgen hat die Entwicklung für junge Brands?

Das System der Modebranche wandelt sich derzeit radikal:

Was sich über einen längeren Zeitraum abzeichnete, wird nun Realität: Große Labels wie Burberry oder Tommy Hilfiger verkaufen ihre Kollektionen demnächst unmittelbar nach ihren Shows in ihren Stores, ohne halbjährlichen Vorlauf.

Auch Tom Ford und Vetements werden sich fortan nicht mehr an den seit Jahrzehnten gängigen Fashion Week Rhythmus mehr halten. Außerdem werden Schauen für Endkonsumenten geöffnet und Frauen- und Männerkollektionen zusammengelegt.

Besonders die Abschaffung der bisher bestehenden, viel zu langen Produktionszyklen ist ein tiefer, einschneidender, aber dringend notwendiger Schnitt in ein nicht mehr zeitgemäßes System, in dem Fast Fashion-Ketten wie H&M oder Zara die Entwürfe der großen Designer vom Laufsteg weg-kopieren konnten, um sie dann Monate vor den großen Häusern in ähnlicher Form in ihre Filialen bundesdeutscher Fußgängerzonen zu hängen.

Der jetzt stattfindende Wandel ist also enorm wichtig und richtig. Doch was bedeuten die Veränderungen für kleine Labels, die kein Investor im Rücken haben?

Ohne ein großes finanzielles Polster ist es kaum möglich, eine Kollektion im Voraus zu produzieren, bevor man die von den Einkäufern georderten Teile und Mengen weiß oder wenigstens einigermaßen realistisch einschätzen kann. Zu groß ist das Risiko, am Ende auf einem Haufen Klamotten sitzen zu bleiben und somit riesige Verluste einzufahren. Eine fehlerhafte Kalkulation kann schnell zum Ende des Traums von der eigenen Modemarke führen.

Genau das wird aber von nun an gefordert, denn: Bleibt man weiterhin dem alten Rhythmus treu, so werden die eigenen Kollektionen ein halbes Jahr nach den von Labels wie Burberry gleichzeitig designten Teilen in den Stores hängen. Das kann kein Designer wollen.

Außerdem werden sich die Endkonsumenten schnell mit dem neuen System anfreunden – und von diesem Zeitpunkt an erwarten, dass Kollektionen sofort nach ihrer Präsentation auf dem Catwalk verfügbar sind.

Positiv für die kleinen Labels ist sicher die immer konsequentere Zusammenlegung von Frauen-und Männerkollektionen. Denn kaum ein aufstrebender Designer kann es sich leisten, zwei Shows pro Saison zu zeigen. Oder gar mehr (Cruise Collection etc.).

Auch die großen Modemarken begannen in den letzten Saisons verstärkt damit auf ihren Fashion Shows während der Männermodewochen auch Designs für Frauen zu zeigen. So konnten sie ihre Resort- und Pre-Fall Looks präsentieren ohne Extra-Kosten für eine Off-Season-Show zu produzieren.

Außerdem wird es immer wichtiger für Marken sich als “großes Ganzes” zu präsentieren. Als #family, als #tribe – da passt keine Trennung nach Geschlecht mehr ins Konzept.

Junge Brands werden sich an die Veränderungen, die ihnen nun von oben diktiert werden, anpassen müssen. Ihr größtes Kapital sind dabei soziale Netzwerke und die unschlagbare Flexibilität, die ein Unternehmen, dass mehrere 1000 Mitarbeiter angestellt, nicht gewährleisten kann.

Produktionen werden aus Asien zurück nach Europa verlegt werden, um kürzere Wege und einen engeren Kontakt mit den Produktionsstätten zu garantieren. Vielleicht stellen ja auch wieder mehr Labels in Deutschland her, wie es zum Beispiel A Kind Of Guise aus München schon immer macht.

So lässt sich noch schneller auf den Kunden reagieren – innerhalb weniger Tage können einzelne Stücke nachproduziert werden.

Junge Brands werden sich an die Veränderungen, die ihnen nun von oben diktiert werden, anpassen müssen. Wir sind gespannt, was sich die Newcomer einfallen lassen, um mit den „Großen“ Schritt zu halten.

Text: David Jenal

Category: News

Tags: burberry, Saisons

Von: David Kurt Karl Roth

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