BOOM FOR REAL: JEAN MICHEL BASQUIAT in FFM

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70er Jahre, New York City, East Village. An Hauswänden, Türeingängen, Schaufenstern prangern Graffiti-Schriftzüge. „SAMO© as an end to playing art“, „SAMO© for the so called avantgarde“, „SAMO© for those of us who merely tolerate civilization“, „SAMO© 4 you“. SAMO©  galt als das große Pseudonym, als der anonyme Künstler, der das Stadtbild prägte, seine kleinen Botschaften  überall. „Same old shit“ steckt hinter dieser sich immer wiederholenden Signatur – ein Begriff also, der vor allem in der afroamerikanischen Kultur Gebrauch findet und der den sich nicht veränderten Zustand des Rassismus thematisiert.

Ein Jahr später deckte das Stadtmagazin Village Voice die Anonymität der Sprayer auf. Jean Michel Basquiat, sein Freund Al Diaz standen dahinter.  „SAMO© is dead“ hieß es von da an nur noch auf den kahlen, leeren Wänden von Häusern und Eingängen.

Basquiat, 17, Teenager, obdachlos, schläft mal hier, mal da auf der Couch von Freunden, ist besessen von dem heutzutage so abgedroschen klingenden Wunsch bekannt, „famous“, zu werden.

„Seit ich 17 bin, dachte ich ich werde ein Star. Ich dachte an all die Helden, Charlie Parker, Jimi Hendrix. Ich hatte romantische Gefühle gegenüber dem, wie diese Menschen bekannt geworden sind.“, soll er damals gesagt haben.

Sein erster Schritt in die Kunstwelt schaffte der heute so gefeierte Basquiat in dem er Postkarten und Bilder mit Schriftzügen, Symbolen, kleinen Zeichnungen und Tieren druckte und diese im Washington Square Park verkaufte. Er spielte Klarinette und trat gelegentlich mit seiner Band Gray am Synthesizer auf.

Wenn er alte Türen, Fenster auf der Straße sah, nahm er sie mit und übersäte sie mit seiner ganz wirren, eigenen Art der Malerei. Immer wieder sind es einzelne Wörter und Sätze, eine Krone, Gesichter, Striche die sich in seinen Werken wiederholen. 1981 gelang ihm sein Durchbruch, indem er diese in der Ausstellung New York/New Wave präsentierte – und auf die viele folgen sollten.

Er lernte den großen Andy Warhol und Keith Haring kennen, feierte mit Blondie und tauchte mit seiner Affäre Madonna gelegentlich auf Vernissagen auf. Ohne jegliche akademische Ausbildung, ohne ein Studium kreierte er Kunst, die bis heute einzigartig ist. Basquiat zählt mittlerweile zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts.

In seinen Bildern, Skulpturen, auch in seinen kreierten Kollektionen schien er immer wieder seinen eigenen, inneren Konflikt nach außen tragen zu wollen. Inspiriert habe ihn vor allem seine Herkunft, seine Position in der Gesellschaft, als Immigrant, dessen Mutter aus Puerto Rico und dessen Vater aus Hawaii in die USA gekommen sind.

Auch die Straße schien eine wichtige Quelle für Basquiat zu sein, immer wieder finden sich Referenzen des Graffitis und des alltäglichen Lebens in seinen Collagen. Die wahllos scheinenden Texte, Zeichnungen, Grafiken, die seine Arbeit prägten, scheinen ein Resultat aus seiner Arbeitsweise. Immer lief in den New Yorker Galerien und Ateliers, in denen Basquiat arbeitete, gleichzeitig Radio und Fernsehen, immer wieder brauchte er neue Anregungen von seiner Außenwelt, um weiter zu produzieren.

SS87, Comme des Garçons Schau, Jean Michel Basquiat läuft in einem hellblauen Anzug und seinem wirr zu allen Seiten stehenden Haaren über den Laufsteg. Auch persönlich ist sein Look ein Ausdrucksmittel, ein Weg sich selbst zu kommunizieren. Armani Anzüge, kaputte Jeans prägten seinen „romantic poverty“-Look, den Jimi Hendrix, Idol des jungen Künstlers, mit Bandana und Jeansjacke geprägt hatte.

SS87 Comme des Garçons

Auf der letzten Schau im Frühjahr zollte Comme des Garçons dem doch viel zu früh, wie alle Großen mit 27 Jahren verstorbenen Künstler Tribut und druckte seine Bilder, die Krone auf weiße Hemden und Shirt. Auch Uniqlo schloss sich an und brachte die Werke von Künstlern, wie Basquiat und Haring im Rahmen einer Special Collection auf T-Shirt-Brusttaschen und Sweatshirts.

 

Uniqlo

Uniqlo

Zuletzt wurden über 100 seiner Werke in London, der Barbican Art Gallery, präsentiert. Der Rekord an Besucherzahlen wurde gebrochen, mehr als 215.000 Menschen kamen, um sich die Werke Basquiats anzuschauen.

Jetzt zieht die Ausstellung weiter, in eine Stadt dessen Potenzial wir bereits vor Monaten, noch vor der Bekanntgabe der noch laufenden großen Jil Sander Ausstellung erkannt hatten. Nach Frankfurt, in die Schirn Kunsthalle.

Passend zu all dem eröffnet in der Schirn der CROWN CLUB in Anlehnung an den Mudd Club, Treffpunkt der damaligen Kreativen New Yorks, wo Basquiat auf Madonna, Lou Reed und Glenn O’Brien traf. Dort wird es neben Talks, Filmvorführungen und Lesungen auch Partys geben. Und zur allerersten, der Eröffnung des Crown Clubs, lädt Dandy Diary am 22. Februar ab 19 Uhr in die Schirn nach Frankfurt ein. Mehr Infos zu dem Event des Monats, ja vielleicht sogar des Jahres, findet ihr hier.

Category: Special

Tags: basquiat, Boom for Real, Dandy Diary, FFM, frankfurt, opening, Schirn Kunsthalle

Von: Angelika Watta

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