Body Shaming: Frankreich verbietet Magermodels

Ausgerechnet in Frankreich hat das Parlament ein Gesetz beschlossen, dass in Zukunft die Arbeit mit so genannten Magermodels unter Strafe stellen soll.

Um künftig auf einer Modenschau in Paris laufen oder für ein Fotoshooting modeln zu dürfen, muss künftig eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden. Orientierung für die Ausgabe der Bescheinigung soll der nach dem ersten Weltkrieg entwickelte Body Mass-Index sein, die genauen Kriterien müssen noch festgelegt werden. Was genau „Magermodels“ eigentlich sind, ist bei aller Hysterie also noch nicht definiert.

Lässt eine Modelagentur ein Mädchen ohne solche Bescheinigung für sich arbeiten, drohen bis zu sechs Monate Knast und dazu 75.000,- Euro Strafzahlung.

Außerdem sollen digital bearbeitete Fotos von Models in Werbekampagnen oder als Editorial in Magazinen künftig mit einem Hinweis darauf versehen werden, dass das Bild digital verändert wurde. Wer das nicht tut, riskiert eine Strafe von bis zu 37.500,- Euro. Ob das nur für eine Verschlankung dank Photoshop gilt oder auch beispielsweise für das Entfernen von Akne-Narben, ist uns bislang nicht bekannt. Hier die Grenzziehung zu beobachten wird sicher sehr interessant sein: Wo wird der Staat regulieren – und wo nicht? Was ist schön, was gesund und was egal?

Das Gesetz ist nicht zuletzt aber eben auch ein grotesker Eingriff in das Grundrecht auf freie Wahl des Berufs.

Wenn es im Staatsdienst, zum Beispiel als Polizist, Soldat oder Feuerwehrmann, noch gerade so, wenn auch nur maximal halbwegs Sinn macht, körperliche Grenzen festzulegen, etwa eine Mindestgröße oder eine sportliche Mindestleistungsfähigkeit, ist das in der freien Wirtschaft schlicht diskriminierend.

Die auf diese Art kriminalisierten Modelagenturen weisen zu Recht darauf hin, dass es falsch ist, die seelisch bedingte Krankheit Magersucht mit der Schlankheit von Menschen gleichzusetzen.

Der sozialistische Abgeordneten Olivier Véran, der das neue Gesetz maßgeblich vorangetrieben hat, sagt dazu: “Der soziale Einfluss des Bildes, das die Modewelt verbreitet – dass Frauen krankhaft dünn sein müssen, um schön zu sein und auf einem Laufsteg auftreten zu können – ist sehr stark.”

Natürlich ist es das. Genauso wie der soziale Einfluss des Bildes eines großen Basketballers sehr stark ist. Sollte es aber deshalb eine Obergrenze für Basketballer geben, um eher klein gewachsene Jungen und Mädchen nicht zu enttäuschen?

Wenn man eben nur dünnen Mädchen verbietet, bestimmte Berufe auszuüben und das nicht auch mit zu dicken machen möchte, wird billigend in Kauf genommen, dass es zu einseitigem „Body Shaming“ kommen kann. Üppige Körper sind in diesem Weltbild gut, dünne nicht.

Doch wenn der Staat sich schon in die Körper seiner Bevölkerung einmischen möchte, dann doch bitte überall gleichermaßen (égalité!) – und das kann im libertären Frankreich doch nun wirklich niemand wollen.

Mitarbeit: David Jenal

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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