Bier, Blumenkränzchen und Blogger: Warum Festivals fantastisch sind

Waren Festivals vor Jahren noch Zufluchtsorte für Alternative, Hippies und von der Gesellschaft Verstossene, treiben sich auf dem momentan wieder alle Social-Media-Kanäle überschwemmenden Coachella und europäischen Pendants wie dem Melt! oder Roskilde mittlerweile ausschließlich extrem gut aussehende, junge und hippe Menschen rum.

All diese Menschen sind im Wesentlichen Eines: Bedeutend trend-und modeaffiner als der durchschnittliche Bewohner dieser Erde und damit besonders relevant für die Modebranche. Festivals sind nichts anderes als ein fleisch-und dreckgewordener, sehr sorgfältig kuratierter Instagram-Stream und damit ein Paradies für jedes Modelabel, alle PR-und Modelagenturen und – wie könnte es anders sein – jeden noch so schlechten Blogger.

Labels wie Soulland oder Wood Wood haben auf dem legendären Roskilde Festival vor den Toren Kopenhagens, das im Übrigen auch und besonders durch das wohl schönste weibliche Festivalpublikum der Welt besticht, seit Jahren einen eigenen Stand. Das zahlungskräftige Publikum wird dort vermutlich angetrunken zum Kauf verleitet – nicht der schlechteste Business-Move.

H&M hat anlässlich des Coachella eine Capsule-Kollektion lanciert und bei ASOS und Zalando gibt es eigens zusammengestellte Outfits für in stilistischer Hinsicht unsichere Teenager. Immer mehr Festivals gehen zudem Kooperationen mit Bloggern ein, um den vorhandenen Coolness-Faktor auch in Zukunft sichern zu können oder aber, um endlich auch „edgy“ und „fancy“ zu sein. Nie waren Festivals wichtiger für Brands. Nie wurden sie konsequenter genutzt, um die eigenen Marke zu promoten.

Natürlich bin auch ich ein großer Festival-Verfechter. Und das nicht nur, weil man sich im Nirgendwo drei Tage lang in trunkenem Zustand die Sonne auf den Kopf scheinen lässt und sich dann hin und wieder vor eine Bühne schleppt, um dort bessere und schlechtere Auftritte zu sehen.

Nein, man tut dies alles auch umgeben von bereits erwähntem, hochattraktivem Publikum, dessen weiblicher Teil in Hotpants, Fransen-Tops und mit Blumenkränzchen und geflochtenen Zöpfen auf dem Kopf das gleiche macht, wie man selbst: Sich um gar nichts kümmern, und dabei trotzdem fantastisch aussehen. Zum Glück ist bald Sommer. Das wird toll!

Text: David Jenal

Category: News

Tags: Festivals

Von: David Kurt Karl Roth

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