Auf einen Negroni mit: BHZ

🍌🍌

Anlässlich der NEGRONI WEEK haben wir in unseren drei deutschen Lieblingsstädten – Berlin, München und Frankfurt – Events veranstaltet. Mit dabei: ausschließlich extrem hotte Acts und DJ’s – los ging es in unser Heimat mit der BHZ Crew.

Wenige Tage bevor sie die Berliner Jungbusch Bar mit einer radikal wilden Performance fast zum Einsturz brachten, trafen wir die Boys zu einem Interview. Natürlich erst rund eine Stunde später als verabredet, weil Rapper eben doch Rapper sind, Pünktlichkeit eher ein seltenes Phänomen in der Branche.

“Lange Nacht und so.” Also saßen wir mit den Jungs, die derzeit als der “new shit” gehandelt werden (und Frieda, ihrem Hund) im Garten, in dem bereits die ersten Ziegelsteine da liegen, wo bald der Bau einer Terrasse in Angriff genommen werden soll.

Es ging um Musik, um ihr Hood-Paradies Schöneberg, den Turning Point – und wie es jetzt erstmal weitergehen soll:

Was bewegt euch dazu Musik zu machen?

MONK: Wir sind alle mit Hip Hop aufgewachsen, haben uns nie vorgenommen, dass wir irgendwann einmal Rapper sein wollen, das kam alles natürlich. Wir haben einfach Mucke gemacht, weil wir die selber hart feiern und weil wir glauben, dass wir das ziemlich gut machen.

Wie ist euer Kollektiv entstanden?

MONK: Als ich 13, 14 war habe ich angefangen Texte zu schreiben. Nach und nach haben wir uns dann alle kennengelernt. Ion war dann auch immer beim ‘freestylen’ im Park dabei, irgendwann dachten wir uns: Warum machen wir das nicht einfach alle zusammen? Ist eh viel nicer als das alleine durchzuziehen, wenn man sich absprechen kann. Dann hat sich das einfach so ergeben.

DEAD DAWG: Wir sind einfach Homies, jeder kennt sich, jeder rappt, okay dann lass uns das doch zusammen machen. Aber es war auch nicht direkt so, dass wir gesagt haben: Wir sind BHZ und wir machen das jetzt.

MONK: Wir haben im Studio von einem Freund meiner Mum – ohne Plan –  einfach irgendwas aufgenommen. Das waren dann unsere ersten Tracks.

DEAD DAWG: Trotzdem dope!

BHZ steht für Banana Haze – wie kam es zu dem Namen? 

MONK: Ich war mit Zeki, einem Freund von uns, der auch rappt und Max im Studio und wir haben irgendwas aufgenommen. Dann hat er so völlig random ‘Banana Haze’ reingerufen und ich habe mich danach gefragt, warum er das gesagt hat und dass ich es selbst nicht verstehe. Aber dann fanden wir das irgendwie nice und dann hat sich das eben so entwickelt.

DEAD DAWG: Wir fanden gut, dass man Banana Haze in viele Richtungen interpretieren kann. Es kann auch ganz grundsätzlich für was neues, was freshes stehen, das es so noch nicht gibt, was man aber trotzdem haben will.

In eurem Genre wurde Weed schon millionenhaft besungen, kann das noch originell sein? Ihr macht es immer noch, warum funktioniert das? 

ION MILES: Man sollte jetzt nicht denken, dass nur weil wir Banana Haze sind, wir auch irgendwelche Kiffer sind, die nur über Haze rappen.

DEAD DAWG: Haze ist der Einfluss.

DEAD DAWG: Es ist kein Image, das wir jetzt halten wollen. Vielleicht hören wir auch irgendwann auf zu kiffen und dann sind wir aber immer noch BHZ, das ist halt die Sache. Wir rappen ja auch nicht nur übers kiffen, wir machen alles. Über Saufen, Drugs, weibliche Einflüsse. Wir machen sentimentale Tracks und singen auch. Wir machen alles einfach so.

Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben? 

MONK: Genreübergreifend, allgemein als Hip Hop, das kann man schon sagen. Aber auf jeden Fall kein bestimmtes Genre. Wir haben jetzt auch was auf einen Lady Gaga Beat gemacht, wo wir auch auf instrumental singen. Das kann man eigentlich nicht mehr als Hip Hop bezeichnen. Aber wir kommen alle daher und gehen in verschiedene Richtungen, probieren uns aus.

DEAD DAWG: Wir probieren uns aus, machen alles mögliche so. Wir legen uns nicht auf ein Genre fest.

MONK: Wir sind nicht Trap, weil Trap überall funktioniert. Wir machen einfach das, was wir feiern auf Oldschool Beats, weil wir das einfach fühlen.

Mit wem würdet ihr euch musikalisch am ehesten vergleichen?

MONK: Wir wollen uns auch eigentlich nicht mit irgendwelchen Leuten vergleichen. Wir wollen wirklich unser eigenes Ding machen und uns nicht in irgendeine Schublade stecken lassen – wie Cloudrapper oder sowas.

ION MILES: Wir sind sieben Leute. Sieben Leute machen zwar alle das gleiche, aber jeder hat seinen eigenen Stil. Das ist halt das geile und so klingt dann auch unsere Musik. Es gibt immer verschiede Aspekte, weshalb wir uns auch nicht in ein Genre zwängen. Trotzdem sind wir Hip Hop. Vielleicht irgendwann Reggae (lacht).

Wen findet ihr zurzeit musikalisch spannend? Was kommt als nächstes?

MONK: Es gibt die ganze Zeit neue Einflüsse. Gerade zum Beispiel Rap aus Amerika, der sich fast schon anhört wie Heavy Metal, weil die Bases so overpowered sind. Das ist gerade richtig Hype. Aber eben auch Afro Beats, das ist schwierig zu sagen.

DEAD DAWG: Mit Deutschrap ist es so eine Sache – das ist alles ein bisschen lame. Es ist langweilig, wenn die Alten versuchen auf Trap zu machen und die Neuen alle relativ gleich klingen. Deshalb höre ich auch keinen Deutschrap. Wir sind eher Ami beeinflusst.

ION MILES: Normalerweise war es ja immer so, dass in Amerika irgendwas passiert und es dann hier so rüber schwappt. So war es jetzt ja auch mit Trap. Die Szene in Amerika ist so groß geworden, dass die Älteren hier versuchen das nachzumachen um Klicks zu generieren.

Zum Beispiel? 

ION MILES: Fler und so. Das ist einfach deutscher Trap – was soll das?

DEAD DAWG: Es gibt auf jeden Fall ein paar freshe Newcomer, die wir auch supporten. Mit denen steigen wir zusammen auf: Rap Kreation, Mr. Meta, Mc Nazi. Alles Kollegen von uns. Die klingen auch alle anders und frisch. Die Welle kommt jetzt hoffentlich in den nächsten ein, zwei Jahren – also Underground Shit.

Wie funktioniert eure Aufgabenverteilung? Wer schreibt zum Beispiel die Texte? 

MONK: Wir schreiben alle die Texte, also nicht so wie bei NWA, wo Ice Cube für jeden die Texte schreibt. Aber es ist trotzdem oft so, dass wir alle zusammen nachts da sitzen und ich dann sage: Ich komme nicht mehr klar, ich brauche einen Reim darauf. Also schreiben wir auch ganz normal kollektiv. Sonst macht MOT B die Beats und ich mache auch ein paar Beats mit meinem Kumpel. Sami ist natürlich unser Engineer, ein sehr wichtiger Mann. Ohne ihn wären wir wahrscheinlich auch nicht da wo wir heute sind.

DEAD DAWG: Wir rappen halt und Big Pat rappt auch. Er ist nur gerade leider im Urlaub und kann deshalb nicht dabei sein.

Wie lange dauert es von der ersten Idee bis hin zum Release des Tracks?

MONK: 10 Minuten. Also das kommt immer darauf an. An sich ist der Track schnell fertig. Immer unterschiedlich.

DEAD DAWG: Jetzt letztens in der Session haben wir drei Tracks aufgenommen. Das war eine Nightsession von eins bis sieben Uhr morgens. Das ist drei komplett verschiedene Tracks. Auf dem einen singen wir, in der Mitte ist Trap und auf dem anderen Hip Hop. Wir haben aber auch Tracks, die seit fünf Monaten rumhängen und die wir nicht releasen.

Digga, Vibes sind wichtig. So lange da irgendwas positives rüberkommt und du dich damit identifizieren kannst, ist es richtig. 

Was war euer bestes Erlebnis als BHZ?

DEAD DAWG: Musik und Frieden! Wir haben ja unser erstes Tape releast, also Bananashake. MOT B hat vorher ein Beat Tape releast und wir alle auch. Bananshake war aber unser erstes gemeinsames Tape. Dann haben wir im Musik und Frieden eine Release-Party gemacht vor zwei Monaten. Und wir waren uns halt auch nicht so sicher. Musik und Frieden ist ein großer Club und wir dachten: Okay, wir machen das jetzt einfach trotzdem, Mal sehen. Im Endeffekt haben wir den Laden ausverkauft, die Schlange war riesig.

Da haben wir zum ersten Mal gesehen: Alter, wir haben Fans. Leute schreien unsere Texte mit. Leute, die wir gar nicht kennen. Davor waren es immer Homies, aber da kannten wir die meisten Leute nicht und alle schreien und wollen T-Shirts holen und CDs. 

In euren Texten weist ihr immer darauf hin, dass ihr aus Schöneberg kommt – Warum ist es euch so wichtig, das zu kommunizieren? 

MONK: Wir stehen einfach zu unserem Bezirk Schöneberg. Wir sind hier die meiste Zeit und kommen oft am Tag einfach nicht raus.

DEAD DAWG: Wir kennen hier alle, man kennt sich, es ist halt echt einfach eine Hood.

MONK: Hier hat auch alles gestartet. Ohne Schöneberg wären wir nicht auch BHZ. Hier haben wir uns alle kennengelernt. Ich finde das wichtig. Früher war Schöneberg auch im Rap-Game präsent. Mit Alpa Gun und Aggro, die waren auch früher hier. Jetzt ist das so ein bisschen eingefroren und wir denken, dass wir das wieder hochbringen könnten.

Welches Album habt ihr euch zuletzt gekauft?

LONGUS MONGUS: Das von Daft Punk.

MONK: Letzte Weihnachten von Kendrick Lamar – To Pimp A Butterfly. Weil ich mir denke bei Kendrick und so – in zehn Jahren werde diese Alben ziemlich episch sein.

ION MILES: Durch Apple Music und Spotify kauft sich keiner mehr Alben.

MONK: Die meisten Rapper bringen gar keine Alben mehr raus.

Habt ihr welche? 

MONK: Wir hatten welche für unsere Release-Show, aber nicht für den Verkauf.

DEAD DWAG: Max hat auch welche auf Kassette gemacht. Wir wollen das auch noch aufrecht erhalten, Kassetten und CDs bei Shows zu verteilen. Auch wenn die Leute nicht mal mehr was haben, auf dem sie das abspielen können. Einfach für die Vibes, dass man noch im Hinterkopf hat: Jo, so hat es angefangen.

Was steht in den nächsten drei Jahren an? 

MONK: Die Musik so weitermachen wie jetzt, Wir haben uns vorgenommen uns jetzt ein bisschen im Booking Bereich auszuweiten. Dass wir auch noch außerhalb von Berlin ein paar Gigs spielen. Einfach weitermachen, einfach so real wie jetzt, wir wollen keinen drastischen Wandel.

ION MILES: Irgendwann kommt auf jeden Fall nochmal was großes.

Category: Special

Tags: BHZ, Campari, JUNGBUSCH BERLIN, NEGRONI TOUR

Von: Angelika Watta

Fotograf:: Finn O'Hanlon

Instagram