Berlin will Sexismus auf Plakaten verbieten – und dummes Gucken

Die Stadt Berlin will sexistische Werbung im öffentlichen Raum verbieten. Einzelne Bezirke haben schon angefangen, auf bezirkseigenen Flächen, keine nackigen Mädchen mehr zu zeigen, andere wollen nachziehen und der rot-rot-grüne Koalitionsvertrag sieht vor, das auch stadtweit durchzusetzen. Außerdem soll auch für private Werbeflächen ein Gremium geschaffen werden, dass sexistische Werbung verhindert.

Das ist natürlich aus vielerlei Gründen Quatsch. Zum einen würde ich ja wirklich gern mal diesem Gremium beisitzen und zuhören, wie dann ein ausgewähltes Team an Fachleuten entscheidet, was sexistisch ist und was nicht, was zu nackt und was gerade noch so okay nackt. Zum anderen sind Verbote sowieso immer erstmal abzulehnen, noch dazu in einer so schön liberalen Stadt wie Berlin, die doch ganz viel von ihrem Charme gerade aus diesem egalitären Liberalismus zieht.

Bei dem Vorstoß scheint es allerdings, soviel Ungleichheit muss sein, vor allem um leichtbekleidete Frauen zu gehen. Die Linksfraktion im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf findet:

Das Bezirksamt soll Reklame, die „Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer sexuellen Identität herabwürdigt“, in allen Werbeverträgen ausschließen. In einem langen Kriterienkatalog listen die Linken auf, wann Werbung unzulässig sein soll – zum Beispiel, wenn Frauen zwar als schön dargestellt werden, aber zugleich als „(willens)schwach, hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig, naiv, ausschließlich emotionsgesteuert etc.“.

Außerdem geht es unter anderem um Plakate, die Frauen auf ein „käufliches, sexuell verfügbares Lustobjekt“ reduzieren. Tabu sein sollen auch Bilder, auf denen „die Frau kaum oder sehr körperbetont bekleidet und ohne Anlass lächelnd inszeniert wird, während der Mann vollständig und bequem bekleidet (z.B. in einem Anzug) ist“. Denn dies vermittele den Eindruck, dass sich die Geschlechter „nicht auf Augenhöhe begegnen.“

Gegen halbnackte Fußballer in Unterhose und mit Six Pack hat scheinbar erstmal niemand was, auch wenn sie noch so “ausschließlich emotionsgesteuert” sind wie zum Beispiel ein Ronaldo. Aber bei einem Mann würden die Vordenker des Verbots wahrscheinlich ohnehin nicht davon ausgehen, dass er „(willens)schwach, hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig, naiv” ist, denn das sind ja nur die Frauen – und die müssen geschützt werden, weil sie es selbst eben nicht können, dieses schwache Geschlecht.

Und überhaupt scheint die Berliner Linksfraktion, darauf weist der Blog Stapelchips sehr richtig hin, Frauen nur als Idealwesen im öffentlichen Raum sehen zu wollen, ohne vermeintlich negative Attribute:

Zur Wertschätzung eines Menschen gehört auch, dass man auch seine negativen Seiten akzeptiert. Und Frauen können (willens)schwach, hysterisch… was auch immer sein. Sowohl temporär als auch als wesentlicher Charakterzug. Wie dies übrigens auch bei Männern der Fall ist. Daran ist absolut nichts sexistisch. Was hier gefordert wird ist, dass eine Frau immer entweder als absolutes Idealwesen (schön und ohne Charakterfehler) oder als absolutes Mängelwesen (nicht schön mit Charakterfehlern) dargestellt wird. Frauen mit Nuancen – also als Menschen – darstellen? Fehlanzeige.

Das ist alles so grob und daneben und an sich natürlich brutalster Sexismus, weil hier sehr genau unterschieden wird zwischen den schützenswerten Frauen und den Bösen Männern, “z.B. in einem Anzug”. Sexismus allerdings, bezeichnet sämtliche Formen der Unterdrückung und der Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit, also auch der Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht.

Ich soll allerdings mit dem Gesetzesvorschlag nicht geschützt werden, vor dem schamvollen Gang vorbei am Fitnessstudioplakat, in dem schon wieder ein halbnackter, breitgrinsender Mann mit seinen tollen Muckis so viel besser aussieht als ich, und so viel mehr Mann ist.

Wie künftig Unterwäschewerbung aussehen soll, erklärt der Koalitionsvertrag übrigens leider nicht. Vielleicht voll verschleiert oder mit einem schwarzen Balken vor dem anlasslosen Grinsen.

Der Linksfraktion und dem zu gründenden Kontrollgremium geben wir an dieser Stelle mal eine kleine Testaufgabe mit nach Hause: wer ist in untenstehender CALVIN KLEIN Werbung zu schützen? Mann oder Frau? Verbieten oder nicht? Wir finden ja, dass der Mann da ziemlich dumm guckt…

Foto oben: Matze Hielscher / Mit Vergnügen 

Foto unten: Calvin Klein

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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