Berlin Fashion Week: SADAK, Julian Zigerli, Esther Perbandt & Franziska Michael

Bei der Akkreditierung für die Show von JULIAN ZIGERLI wurde um die Handynummer gebeten, über die man, so die Info, kurz vor Modenschauen bekommen wird, wo diese stattfinden wird.

Irgendwann traf sie dann ein, die SMS mit der Info: Geschichtspark (Moabit). Die Fashion Show wurde nicht vorab offiziell angemeldet, um Kosten und Nerven (deutsche Ämter) zu sparen. Die Art- und Weise der Kommunikation der Location, die Location selbst, all das war ungewöhnlich, daher spannend.

Nach und nach kamen die Gäste in den weitläufigen Geschichtspark, welcher sich auf dem Gelände eines ehemaligen Zellengefängnis befindet. Meterlange, den Park durchziehende Mauern wurden zur Frontrow erklärt, Musik gab es ausschließlich aus den tragbaren Boxen, die die Models mit sich führten.

Der Untergrund des “Catwalks” – das Gras des Geschichtspark – wurde konsequenterweise in das Make-up der Models integriert. Am Hals, am Bein oder im Gesicht wurde den Models Gras angeklebt, welche aus der Ferne wie Tätowierungen aussah.

Inspiration zu seiner “White Rabbit” Kollektion fand Zigerli bei einem dreiwöchigen Japan Trips. Dementsprechend “Kawaii” fiel seine Kollektion aus: Häschen- und Bananenprints wurden auf Jackets, Hosen und Shirts gedruckt.

Seine Models trugen Sandalen & Socken. Der “Normcore” Look schlechthin, den auch die Modemacherin FRANZISKA MICHAEL zelebrierte. Sie ging sogar einen Schritt weiter und ließ ihre Models in den für Touristen typischen ergonomischen Sandalen auf den Catwalk schreiten.

Doch bis auf die Sandalen-Wahl blieb die Show von Franziska Michael leider arm an Höhepunkten. Ihre Kollektion wirkte unfertig, studentisch. Der Modemacher SADAK ist da schon deutlich weiter. Er präsentierte das zweite Mal in Folge im Zelt der Mercedes-Benz Fashion Week.

SADAK zeigte Männer in schwarzen Niqabs, welche normalerweise von islamischen Frauen getragen werden. Wohlbemerkt: nicht rückenfrei, wie bei SADAK. Ein Spiel mit den Geschlechterrollen. Eine Reise – einmal quer durch die post-moderne arabische Kultur.

Auf die Designs seiner Kollektion ließ SADAK Motive aus der Net-Art-Welt drucken. Begriffe wie “Error”, “You + Me = >3” oder lilafarbene Palmenmotive. Die Silhouette der Kollektion – kurze, weite Hose zu XXL-Shirt – ließ unweigerlich an die US Hip Hop Welt denken.

Die FAZ schrieb, dass einer wie SADAK eigentlich nach London mit seinen Entwürfen gehört. Wir wünschen uns: mehr SADAKs hierzulande.

Neben SADAK, der unter anderem ‘Favela Punk’ und Shaun Ross als Models für seine Show buchte, zeigte ESTER PERBANDT die Schau mit den interessantesten Models auf dem Catwalk:

Wie in der letzten Saison lief ihr Buddy Bent Angelo von Jensen von “Herr von Eden” mit einer lässig spöttischen Attitüde über den Catwalk. Auch Schmusesänger Dagobert gab für Perbandt sein Model-Debüt.

Bei der Berliner Designerin kamen die Besucher erst in den Genuss einer Gesangseinlage von zwei Opernsängern, danach wurden schwarze Designs präsentiert, dann ausschließlich weiße Entwürfe, danach der Hybrid: schwarz-weiße Looks. Nicht die beste, dafür die längste Show der Berlin Fashion Week (SS 2016).

 

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Category: Fashion Shows

Tags: Esther Perbandt, Franziska Michael, Julian Zigerli

Von: David Kurt Karl Roth

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