Berlin Fashion Week: Fazit

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Nachdem wir die ersten Tage der Berliner Modewoche ┬ágegen die Nachwirkungen unserer Party k├Ąmpfend verpasst haben, haben wir uns irgendwann doch zu ein paar Shows geschleppt. Zum Gl├╝ck, denn: Was wir gesehen haben, hat uns gefallen. Es geht doch!

Marina Hoermanseder

Marina Hoermanseder

Dass Marina HoermansederÔÇÖs Defilee im Garten des Kronprinzenpalais die glamour├Âseste Show der Fashion Week werden w├╝rde, war abzusehen. Noch intensiver als bei ihrer Pr├Ąsentation vor einem halben Jahr war dieses Mal all das zu sp├╝ren, was die Faszination einer Modenschau ausmacht: Die Spannung, die vor Beginn in der Luft liegt, ein hochkar├Ątiges Publikum, grelles Licht, aufw├Ąndige Aufbauten und eine stilvolle Location.

Diese Saison hat Hoermanseder das Teil, mit dem sie bekannt geworden ist, endlich tragbar gemacht: Den Lederriemen-Rock, in dem die ihn tragenden Models ob des sehr eingeschr├Ąnkten Gangs jedes Mal fast schon erniedrigt werden, gibt es jetzt auch aus leichtem Stoff: Die Riemen finden sich darauf nur noch ein angedeutetes Muster.

Inspirieren lassen hat sich Marina f├╝r ihre Sommerkollektion nicht nur an einem sch├Ânen Sommertag, sondern auch an der Krankheit der Schmetterlingskinder, deren Haut besonders verletzlich ist – eben wie der Fl├╝gel eines Schmetterlings. Die Tiefe in Kombination mit dem Moment der Massentauglichkeit, das die Kleider von Hoermanseder in jedem Fall haben, lassen die Kollektion erneut mit die beste der Modewoche sein.

William Fan

Augustin Teboul

Eine Catwalk-Show wie die von Marina Hoermanseder kostet Geld. Viel Geld. Und weil das nicht jeder hat, wurde auch dieses Mal wieder mit alternativen Formen der Pr├Ąsentation experimentiert. Vladimir Karaleev zeigte seine Kollektion an vor einer Installation stehenden Models. Prinzipiell ist das nat├╝rlich eine gute Idee: Stehende Menschen lassen sich nunmal leichter fotografieren als laufende.

Leider waren dann aber so viele Blogger, Redakteure und Fotografen gleichzeitig bei der Pr├Ąsentation, dass das Ganze schnell den Charakter eines typischen Mode-Events annahm. Jeder unterhielt sich, Aufmerksamkeit f├╝r die eigentliche Kollektion blieb nur wenig.

Anders beim Designer-Duo Augustin Teboul, deren Show aus musikalischer Sicht erneut die spannendste war: Untermalt wurden die glitzernd-schwarzen Perlenkleider und Bodysuits von einem d├╝steren, extrem modernen Sound. Der Stil das Labels mag eigenwillig sein, die Bestandteile der Show (Musik, Models, Mode) waren aber fein aufeinander abgestimmt.

Und bei der Show von William Fan lief nicht nur ein vielleicht 10-j├Ąhirger, langhaariger Junge ├╝ber den Catwalk, nein: Nach der Schau gab es auch die neue Interior-Kollektion des deutsch-chinesischen Designers zu sehen, die neben Geschirr auch Bettw├Ąsche umfasst.

Julian Zigerli

Julian Zigerli

Der Kronprinzenpalais, in dem all diese Shows stattfanden, birgt als Location gro├čes Potenzial. Besonders im Sommer kann der Garten zu einem Treffpunkt und Arbeitsplatz w├Ąhrend der Shows werden, an dem die Branche gesammelt aufeinandertrifft. Unklar, warum nicht noch mehr Shows in dem Geb├Ąude unter den Linden stattfinden. Dem Anspruch an Glamour und Stil wird die Location jedenfalls wesentlich gerechter als das ÔÇ×ZeltÔÇť am Brandenburger Tor oder das Eisstadion im Wedding.

Dort zeigte am Freitag Nachmittag Julian Zigerli seine neue Kollektion ÔÇ×SORRYÔÇť, die er eine Woche zuvor bereits in Paris pr├Ąsentiert hatte. Der Schweizer, der ja k├╝rzlich bei uns im DANDY DINER mit einem Pop Up-Store zu Besuch war, drehte die klassische Rheinfolge einer Show dieses Mal um. Die spannende Idee ging ein wenig in einem zerst├╝ckelten und sehr heterogenen Soundtrack unter. Die Kollektion selbst umfasste das erste Mal Teile f├╝r Frauen. Hosen und Oberteile waren weit geschnitten die typischen Zigerli-Farben ├╝berwogen: Pink und Babyblau.

Die Qualit├Ąt der Kollektionen steigt merklich: Aufw├Ąndiges Handwerk, spannende Prints und Schnitte, innovative Materialien und Shows auf einem in Berlin bisher selten gesehenen Level an Professionalit├Ąt inklusive zahlreicher gro├čer Momente sind durchaus vielverbrechend.

Der ganz gro├če Wurf ist das nat├╝rlich alles nicht. Muss es aber auch nicht, denn wie Alex Bohn in ihrem Artikel zur Modewoche schon so sch├Ân schrieb: ÔÇ×Veranstalter, Designer, Presse und Eink├Ąufer haben sich damit angefreundet, eben nicht in Paris, Mailand, London oder New York zu sein. Sondern in Berlin, in der zweiten Modeliga.ÔÇť

Eine Mittelm├Ą├čigkeit hinnehmen sollte man auf keinen Fall. Der Ansatz, den gro├čen Modemetropolen hinterherzueifern, ist aber vielleicht auch einfach der falsche. Denn wer nach Trends sucht, wird weiterhin nach London gehen. Und die gro├čen Shows werden immer in Paris stattfinden. Man kann versuchen, das weiter krampfhaft ├Ąndern zu wollen und all das, was es mittlerweile in Berlin gibt, schlecht zu reden. Oder endlich anfangen, es wertzusch├Ątzen: Eine kleine, aber sich schnell wandelnde Szene mit den besten Parties. Berlin ist nicht Paris und wird es niemals sein. Zum Gl├╝ck.

Category: News

Tags: Fashion Week Berlin

Von: David Jenal

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