Berlin Fashion Week: Die Flucht aus dem Zelt!

Der eine oder andere von euch mag es vielleicht mitbekommen haben:

letzte Woche hat die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin stattgefunden.

Bemerkenswert ist, dass an dem Hauptaustragungsort der Modewoche – dem Zelt vor dem Brandenburger Tor – immer weniger Labels zeigen, deren Show es wert ist, gesehen zu werden.

Der Shootingstar der Berliner Modewoche Marina Hörmanseder präsentierte ihre neue Kollektion auf zwei Stockwerken in den wundervollen Räumen des Kronprinzenpalais. Auch das deutsch-französische Designer-Duo Augustin Teboul wählte das spätklassische Palais für ihre Show aus.

Kritiker-Liebling Vladimir Karaleev, dessen Mode vor der Modewoche groß im SPIEGEL besprochen wurde, entschied sich für den Me Collectors Room, einem renommierten Ausstellungshaus in Berlin, Mitte, welches eine immer wichtigere Location für die Berliner Modewoche wird.

Denn auch LALA Berlin uraufführte hier ihre dreiteilige Video-Performance, unterstützt mit Live-Musik von Jesper Munk, und auch Louise Friedlaender – eine junge, interessante Modemacherin präsentierte ihre neue Arbeiten im “Me Collectors Room”.

Im “Zelt” am Brandenburger Tor hingegen zeigen Anja Gockel, Minx by Eva Lutz, Laurèl oder der schrullige Fernsehonkel Guido Maria Kretschmer ihre Kollektionen, welche mit Mode soviel zu tun haben wie der Ex-Dschungelcamp-Bewohner Günther Gabriel mit Johnnie Cash (nicht allzu viel!).

Welcher Designer, der ernsthaft Mode macht, will in diesem Markenumfeld stattfinden? Niemand, außer Designer, die ihren Slot umsonst bekommen, wie SADAK, was selbstverständlich grundsätzlich lobenswert ist. Doch der generellen Verramschung des offiziellen Hauptaustragungsort der Berlin Fashion Week kann auch so nicht Einhalt geboten werden.

“Sodom und Gomorra” herrschen nicht nur auf dem Catwalk, sondern auch im “Wartesaal”, dem Ort, an dem sich jede Provinzmarke präsentieren darf. Niveauvoll ging es hier schon seit Jahren nicht mehr zu. Es herrscht eine “Alles muss raus!” Stimmung.

Wie lang macht das eine Premium-Marke wie Mercedes-Benz – dem Hauptsponsor der Berlin Fashion Week – noch mit? Nicht allzu lang, wenn man den Gerüchten glauben schenken mag. Es wird gemunkelt, dass Mercedes-Benz bereits zur nächsten Saison aussteigt.

Der Ausstieg des Hauptsponsors wäre – in finanzieller Hinsicht – der “Worst Case” für die Organisatoren der Berlin Fashion Week. Doch wenn Mercedes-Benz aussteigt, wie in New York, ständen die Chancen hoch, dass das Zelt, das Grundübel der Berlin Fashion Week, so in Zukunft nicht mehr stattfinden wird.

Denn der Hauptsponsor wünschte sich in der Vergangenheit eine glamouröse Inszenierung der Marke am Brandenburger Tor. Doch mit “Glamour” hat das Geschehen schon lange nichts mehr zutun. Die Berliner Modewoche wird ihren Weg finden. Fern ab des Zelt.

Category: News

Tags: Fashion Week Berlin

Von: David Kurt Karl Roth

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